Staatsfernsehen berichtet nicht über Invasion

Putins Ukraine-Propaganda: Was wissen die Russen über den Krieg?

Weiß Großteil der Russen nichts von Krieg? Staatsfernsehen zeigt eigene Wahrheit
01:37 min
Staatsfernsehen zeigt eigene Wahrheit
Weiß Großteil der Russen nichts von Krieg?

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Die Auswirkungen von Putins Krieg werden auch im eigenen Land spürbar: immer mehr geschlossene Geschäfte und leere Regale. Dabei weiß ein Großteil der Bevölkerung bis heute gar nicht, was in der Ukraine passiert. Grund dafür sind systematische Lügen des Kremls. So nennt es zumindest der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Russisches Staatsfernsehen berichtet nur, was Kreml will

Moderatorin Charlotte Maihoff
RTL-Korrespondentin Charlotte Maihoff hat bis vor kurzem noch aus Moskau berichtet.
TVNOW / Stefan Gregorowius

Beispielsweise wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von der russischen Regierung als Nazi und Kriegsverbrecher dargestellt. Oder die ukrainischen Behörden bombardieren angeblich ihr eigenes Volk, um dann Russland zu beschuldigen, lässt der Kreml verbreiten.

Im russischen Staatsfernsehen darf über die Realität in der Ukraine nicht berichtet werden. Niemand darf hier das Wort Krieg oder Invasion in den Mund nehmen. Das Problem: Die meisten Menschen informieren sich hauptsächlich darüber: „Dort bekommen sie natürlich nur das zu sehen, was das russische Regime will“, so RTL-Korrespondentin Charlotte Maihoff. „Das bedeutet man wird ihnen nicht die leidenden Kinder in Kiew, sondern Kinder aus Ostukraine zeigen.“

Russland erlässt Gesetze, die freie Meinungsäußerung einschränken

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Twitter kann in Russland nur eingeschränkt genutzt werden.
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Außerdem wurden mehrere Gesetze erlassen, die die freie Meinungsäußerung einschränken und eine unabhängige Medienberichterstattung beschneiden. Und trotzdem: Das mediale Schutzschild von Putin hält dem Internet nicht komplett stand. „Soziale Medien spielen da eine sehr wichtige Rolle, bei den Nachrichten, der Art und Weise wie Menschen an die unabhängigen Informationen herankommen können“, erklärt Ireneusz Pawel Karolewski, Professor für Politische Theorie und Demokratieforschung.

Doch auch das ist in Russland offensichtlich gefährlich. Die Polizei macht inzwischen sogar Jagd auf Handys. Durchsucht Chatverläufe nach verbotenen Informationen über den Krieg, damit diese eben bloß nicht geteilt werden können. Und auch Twitter ist nach der Invasion der Ukraine nur eingeschränkt nutzbar. Facebook wurde von der Medienaufsicht blockiert.

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Einige Russen verschaffen sich illegalen Zugang zu Informationen

So versucht die Regierung, die Verbreitung von Informationen zu dem Krieg, die von der offiziellen Linie der Regierung abweichen, zu unterbinden. Dazu auch gehört eine Gesetzesänderung, nach der angebliche Falschinformationen über die russischen Streitkräfte mit hohen Geldstrafen und bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden können.

Bei einigen Russen sind dennoch geschützte Netzwerkverbindungen (VPN) verbreitet, über die der Zugang zu Facebook und Twitter weiter gewährleistet ist. Legal ist das in vielen Fällen nicht. Besonders intensiv genutzt wird der Nachrichtenkanal Telegram, den russische Behörden bisher offenbar nicht technisch einschränken konnten. (dpa/jmu)

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