"Bereits innerhalb weniger Stunden zeigte sich eine Besserung"

Durchbruch! Weltweit erster Patient von Long-Covid geheilt

Noch Monate nach einer Covid-Infektion leiden viele Menschen unter schlimmen Symptomen wie Atemnot, andauernder Müdigkeit oder Kopfschmerzen. (Symbolbild)
Noch Monate nach einer Covid-Infektion leiden viele Menschen unter schlimmen Symptomen wie Atemnot, andauernder Müdigkeit oder Kopfschmerzen. (Symbolbild)
© dpa, Jens Büttner, jbu jat fdt

05. Juli 2021 - 9:03 Uhr

Ein 59-jähriger Patient wurde von den Folgen seiner Covid-Infektion geheilt

Seine Konzentrationsschwierigkeiten verschwanden, die Leistungsfähigkeit stieg wieder an und sein Geschmackssinn kehrte zurück. Ein 59-Jähriger ist die Spätfolgen seiner Corona-Infektion los. Ein echter Durchbruch, der den Ärzten der Erlanger Universitätsklinik jetzt gelang. Erstmals weltweit konnte ein Patient von Long-Covid geheilt werden. Mit einem Medikament, das ursprünglich zur Bekämpfung von Herzerkrankungen entwickelt wurde. Können jetzt alle Patienten von den Corona-Spätfolgen befreit werden?

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Der Wirkstoff BC 007 soll Autoantikörper unschädlich machen

Ärzte des Uniklinikums Erlangen hatten bereits vorher herausgefunden: Wer eine Covid-19-Infektion hinter sich hat, bei dem ist die Durchblutung der Augen auch viele Monate später noch deutlich eingeschränkt. Ihre Annahme: Die veränderte Durchblutung beschränkt sich nicht auf das Auge, sondern kann beispielhaft für den ganzen Körper gesehen werden.

Im Blut von ehemaligen Coronapatienten fand das Team dann tatsächlich mehrere bestimmte sogenannte Autoantikörper. "Darunter ist zu verstehen, dass sich die per se gute Immunabwehr gegen den eigenen Körper richtet und Stoffe bildet, die schädlich sein können. Das bringt teils schwerwiegende Folgen mit sich", erklärt Dr. Bettina Hohberger, Fachärztin der Erlanger Augenklinik, in einer Pressemitteilung. Schwerwiegende Folgen wie das Long-Covid-Syndrom.

Das Präparat – der Wirkstoff heißt BC 007 – kann helfen. Ursprünglich war es für Herzpatienten gedacht. Es soll die schädlichen Autoantikörper binden. So könnten diese unschädlich gemacht und die Durchblutung verbessert werden.

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Long-Covid-Patient (59) wird behandelt: "Bereits innerhalb weniger Stunden zeigte sich eine Besserung"

Der 59-jährige Patient hatte nach überstandener Coronaerkrankung über Geschmacksverlust, starke Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit geklagt. Symptome, die ihn in seinem beruflichen und privaten Leben massiv einschränkten, wie die Uniklinik schreibt. Die Erlanger Ärzte gaben ihm den Wirkstoff per Infusion. "Bereits innerhalb weniger Stunden zeigte sich eine Besserung. Bei seiner Entlassung fühlte sich unser Patient schon deutlich erholter als vor der Verabreichung und seine Autoantikörperwerte bestätigten diesen Eindruck." Auch seine Konzentrationsschwierigkeiten verschwanden, die Leistungsfähigkeit stieg an, der Geschmackssinn kehrte zurück.

Zumindest bei diesem Patienten wirkte das Medikament also. "Momentan können wir leider nicht mehr Menschen mit dem Medikament behandeln, da es noch nicht alle Zulassungsstudien durchlaufen hat", sagt Prof. Dr. Christian Mardin, leitender Oberarzt. Ob das Medikament auch anderen Betroffenen helfen kann, soll aber bald in einer klinischen Studie überprüft werden. (sli)

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