Rote und weiße Blutkörperchen verändern sich

Forscher entschlüsseln Ursache für Long Covid

Long Covid: Atemnot, andauernder Müdigkeit, bis zu Kopfschmerzen – noch Monate nach der Erkrankung.
Long Covid: Atemnot, andauernder Müdigkeit, bis zu Kopfschmerzen – noch Monate nach der Erkrankung.
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30. Juni 2021 - 12:57 Uhr

Jeder 5. Genesene betroffen

Eine Corona-Infektion ist im besten Fall nach wenigen Wochen überstanden. Doch für jeden fünften Genesenen setzen dann die Long-Covid-Symptome ein. Die Symptome, die ehemals Corona-Erkrankte zeigen, sind vielschichtig. Von Atemnot, andauernder Müdigkeit, bis zu Kopfschmerzen – noch Monate nach der Erkrankung. Deutschen Forscherinnen und Forscher ist es jetzt gelungen, die wahrscheinliche Ursache der Symptome zu identifizieren. Das teilt jetzt die Max-Planck-Gesellschaft mit.

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Größe und Steifigkeit von Blutkörperchen

Was sind die Ursachen des sogenannten Long-Covid-Phänomens? Für Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen gibt es jetzt einen stichhaltigen Verdacht. Sie stellten fest, dass eine Covid-19-Erkrankung die Größe und Beschaffenheit roter und weißer Blutkörperchen deutlich verändert – und das auch teilweise über Monate hinweg. "Diese Erkenntnisse können zu erklären helfen, warum manche Betroffene noch lange nach einer Infektion über Beschwerden klagen", erklärt die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in einer Mitteilung.

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Gefährliche Gefäßverschlüsse

Klar sei, dass im Zuge einer Erkrankung oft die Blutzirkulation beeinträchtigt sei und es zu gefährlichen Gefäßverschlüssen kommen könne, der Sauerstofftransport im Blut nur eingeschränkt funktioniere, sagen die Forscher. Alles Phänomene, bei denen die Blutzellen und ihre physikalischen Eigenschaften eine Schlüsselrolle spielten. Daher hat das Forscher-Team um Markéta Kubánková die mechanischen Zustände von roten und weißen Blutkörperchen untersucht. "Dabei haben wir deutliche und langanhaltende Veränderungen der Zellen messen können – während einer akuten Infektion und auch noch danach", sagt Jochen Guck, Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, in der Mitteilung. Das habe Folgen für Diagnose und Behandlung von Covid-19.

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Eine Covid-19-Erkrankung verändert die Größe und Steifigkeit roter und weißer Blutkörperchen deutlich.
Eine Covid-19-Erkrankung verändert die Größe und Steifigkeit roter und weißer Blutkörperchen deutlich.
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Schädigung der Zellen verursacht Probleme

Mittels eines speziellen Verfahrens haben die Forscher die Eigenschaften der roten und weißen Blutkörperchen von 17 akut an Covid-19 erkrankten Patienten und Patientinnen, von 14 Genesenen und 24 Gesunden als Vergleichsgruppe untersucht. "Dabei zeigte sich, dass beispielsweise die Größe und Verformbarkeit der roten Blutkörperchen von Erkrankten stärker schwankte als die von Gesunden", so die MPG. Und weiter: "Das deutet auf eine Schädigung dieser Zellen hin und könnte das erhöhte Risiko von Gefäßverschlüssen und Embolien der Lunge erklären." Abwehrzellen, die zu den weißen Blutkörperchen zählen, seien bei Corona-Patienten wiederum deutlich weicher gewesen, was auf eine starke Immunreaktion hinweisen könne. (ija)

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