Nach Tod von Lisa-Maria Kellermayr

Impfgegnern bedrohten Ärztin: Spur führt nach Oberbayern

Impfgegner bedrohen Ärztin - jetzt ist sie tot "Ich kann nicht mehr"
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"Ich kann nicht mehr"
Impfgegner bedrohen Ärztin - jetzt ist sie tot

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Nach dem Suizid der bekannten österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr führt eine Spur nach Bayern. „Es gibt ein Ermittlungsverfahren gegen eine männliche Person aus Oberbayern bei uns“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II am Dienstag entsprechende Informationen der Mediengruppe Bayern.

Die Medizinerin hatte sich im Kampf gegen Corona für Impfungen und Schutzmaßnahmen engagiert. Dafür hatte sie wiederholt Morddrohungen von Corona-Leugnern und Rechtsextremen erhalten. Auch nach ihrem Tod wird die Ärztin noch beschimpft.

Lisa-Maria Kellermayr begeht Suizid - Ärztin von Impfgegnern bedroht

Die Medizinerin hatte sich stark für Corona-Impfungen engagiert und war nach eigenen Angaben monatelang massiv von Impfgegnern unter Druck gesetzt worden. Am Freitag wurde bekannt, dass sie tot in ihrer Praxis in Oberösterreich gefunden worden war.

Der nun im Fokus stehende Mann aus Oberbayern steht der Mediengruppe Bayern zufolge im Verdacht, der 36 Jahre alten Medizinerin in Mails mit Folter und Mord gedroht zu haben. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft Wels auch bei der Staatsanwaltschaft Berlin einen Tatverdächtigen angezeigt.

ABD0130_20220801 - WIEN - ÖSTERREICH: Gedenkveranstaltung der Initiative #YesWeCare für die oberösterreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr am Montag, 01. August 2022, am Wiener Stephansplatz. - FOTO: APA/GEORG HOCHMUTH - 20220801_PD6200
Gedenkveranstaltung der Initiative #YESWECARE für die oberösterreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr
jh, action press, ActionPress

Reagierte die Polizei zu lax auf die Bedrohungen?

Die Polizei wehrt sich inzwischen gegen Vorwürfe, sie habe zu lax auf die Drohbriefe reagiert, die extreme Gewaltandrohungen enthielten. Seit November 2021 sei die Ärztin polizeilich beraten worden, heißt es in einer Stellungnahme. Es kam in den darauffolgenden Wochen zu zahlreichen weiteren Kontaktaufnahmen und Gesprächen. Die polizeilichen Schutzmaßnahmen rund um die Ordination wurden drastisch erhöht. Dabei wurden alle gesetzlich möglichen Maßnahmen ausgeschöpft. Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien ist jetzt eine Anzeige eingegangen, in der den Behörden Untätigkeit vorgeworfen wird.

Die Ärztekammer Oberösterreich erklärte, der Ärztin sei jede Hilfe angeboten worden, zu der man in der Lage gewesen sei. Erst jüngst sei ein Plan besprochen worden, wie das Fortbestehen der Praxis - die Kellermayr vor wenigen Wochen geschlossen hatte - gesichert werden könne.

Kellermayr hatte sich nach eigenen Angaben selbst über Monate aus eigener Tasche Sicherheit erkauft. Für entsprechende Vorkehrungen, etwa einen sicheren Rückzugsraum, habe sie rund 100.000 Euro bezahlt, schrieb sie auf ihrer Internetseite.

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Debatte über Hass im Netz neu angefacht

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Der Suizid der 36-Jährigen vor wenigen Tagen hat die Debatte über Hass im Netz neu angefacht. Kein Geringerer als Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen nahm das Drama zum Anlass einer Mahnung. „Beenden wir dieses Einschüchtern und Angst machen“, schrieb das Staatsoberhaupt auf Twitter. Er selbst legte zusammen mit seiner Frau am Montagabend Blumen vor der Praxis der Toten nieder. (kra mit dpa)

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