Abschiedsbriefe gefunden

Lisa-Maria Kellermayr begeht Suizid - Ärztin von Impfgegnern bedroht

Impfgegner bedrohen Ärztin - jetzt ist sie tot "Ich kann nicht mehr"
01:36 min
"Ich kann nicht mehr"
Impfgegner bedrohen Ärztin - jetzt ist sie tot

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Die bekannte österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr hat Suizid begangen. Die Medizinerin hatte sich im Kampf gegen Corona für Impfungen und Schutzmaßnahmen engagiert. Dafür hatte sie wiederholt Morddrohungen von Corona-Leugnern und Rechtsextremen erhalten. Auch nach ihrem Tod wird die Ärztin beschimpft.

Gesundheitsminister: "Dieser Hass muss endlich aufhören“

Am Freitag wird die Leiche der 36-Jährigen in ihrer Praxis gefunden – und Abschiedsbriefe. Zum Inhalt wollen die österreichischen Behörden nichts sagen. Die Kronen-Zeitung zitiert aus den Schreiben: „Ich kann nicht mehr“, soll Lisa-Maria Kellermayr unter anderem geschrieben haben.

Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) reagierte bestürzt auf die Nachricht vom Tod der Ärztin. „Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität. Hass gegen Menschen ist unentschuldbar. Dieser Hass muss endlich aufhören“, schrieb er auf Twitter.

Lisa-Maria Kellermayr hatte während der Corona-Pandemie einen Ruf als engagierte Impf-Befürworterin erworben. Dadurch wurde sie häufiger zum Ziel von Drohungen und Beschimpfungen aus dem Lager der Corona-Leugner.

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Ärztin Kellermayr: „Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene"

In ihrem Twitter-Kanal hatte sie am 27. Juli öffentlich gemacht, dass sie monatelang attackiert worden sei. Sie schrieb von „Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene“.

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Verstörende Drohungen auch gegen Kellermayrs Praxis-Mitarbeiter

Kellermayr veröffentlichte einige besonders widerliche Nachrichten, die sie erhalten hat. In einer wird sie als „dummes Stück Sch***e“ bezeichnet. Nicht nur ihr wird darin mit dem Tod gedroht. Wörtlich heißt es: „Wenn ich schonmal dabei bin, werde ich aber selbstverständlich alle anderen Mitarbeiter deiner Praxis auch abschlachten.“ Zudem wurde in dem verstörenden Schreiben detailliert beschrieben, wie Kellermayr getötet werden sollte.

Am Ende der Zeilen heißt es: „Mit tödlichen Grüßen. Claas.“

Wegen der massiven Bedrohungen habe sie bereits mehr als 100.000 Euro in die Sicherheit ihrer Praxis investiert, schrieb Kellermayr. Im Juni hatte sie den Betrieb ihrer Praxis vorläufig eingestellt, ehe sie in diesem Monat komplett schloss.

Es war "ihr Traum seit Schultagen, als Ärztin Menschen zu helfen"

Der österreichischen Zeitung „Der Standard“ gab sie dessen Angaben zufolge ein Interview, aus dem hervorgeht, wie schwer ihr das gefallen sein muss. Es sei „ihr Traum seit Schultagen gewesen“, als Ärztin in ihrer eigenen Praxis Menschen zu helfen.

Wie die Zeitung weiter berichtet, habe die Ärztin Vorwürfe gegen die österreichischen Behörden erhoben und ihnen Versagen vorgeworfen. Eine Polizeisprecherin habe sie öffentlich als Lügnerin hingestellt. Zudem hätten mehrere Politiker hätten die Drohungen gegen sie hervorgehoben.

Auch aus Deutschland wurde Kellermayr bedroht

Die Kritik der Ärztin richtete sich auch gegen deutsche Behörden, heißt es weiter. Ein Mann aus Oberbayern habe jüngst bei Twitter geschrieben, Kellermayr werde vor ein "Volkstribunal" gezerrt.

Diese Drohung hatte der Mann, dessen Identität dem „Standard“ eigenen Angaben zufolge bekannt ist, bereits in der Vergangenheit geäußert. Die deutschen Behörden hätten den Fall aber nicht verfolgt, weil seine Aussagen angeblich von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen seien. (dpa/ uvo/ rsa)

Hier finden Sie Hilfe in schwierigen Situationen

Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend Hilfe. Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

  • Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.