50 Jahre Mondlandung

Mythen über die Mondlandung: Alles nur ein großer Schwindel?

16. Juli 2019 - 14:56 Uhr

Guter Boden für eine Verschwörungstheorie

Im Jahr 1976 erschien ein Buch, das die Wissenschaft erschüttern sollte. Und alles, was die Welt glaubte zu wissen. Sieben Jahre nach der ersten und vier Jahre nach der bis dato letzten bemannten Mondlandung schockte der US-Autor Bill Kaysing die Welt mit der Erkenntnis, dass es diese Mondladungen gar nicht gab. Sie waren inszeniert worden. In einem kleinen Studio im militärischen Sperrbezirk Area 51 im US-Bundesstaat Nevada.

Jene Basis des US-Air-Force, die bekanntlich seit 1947 ein bei Roswell abgestürztes UFO samt außerirdischer Insassen vor der Öffentlichkeit versteckt. Eine ultrageheime Militär-Basis, Außerirdische, die es auf die Erde geschafft haben, und Menschen, die ihr Versagen, auf fremde Himmelskörper zu gelangen, mit einer riesigen Täuschungsaktion verschleiern. Gibt es einen besseren Boden für eine richtig gute Verschwörungstheorie?

Kaysing wittert eine gigantische Fälschungskampagne

Aber wie kam Kaysing, der in seinen Büchern bislang Themen wie Motorradfahren, Landwirtschaft, Kochen und Reisen behandelt hatte, darauf, dass alles ein Schwindel war? Neben seiner Tätigkeit als Autor hatte Kaysing ein paar Jahre vor der Mondlandung (von 1957 bis 1963) für eine Zulieferfirma der NASA gearbeitet, als leitender Autor für technische Publikationen. Aufgrund dieser Expertise fühlte er sich befähigt, festzustellen, dass die NASA 1969 technisch nicht in der Lage war, eine bemannte Mondlandung durchzuführen.

FILE PHOTO: This NASA file image, dated July 20, 1969, shows one of the first footprints of Apollo 11 astronaut Edwin "Buzz" Aldrin on the moon. The Apollo 11 crew consisted of astronauts Neil Armstrong, who was the Mission Commander and the first ma
Fußabdruck auf dem Mond oder im TV-Studio?
© REUTERS, NASA, GAC/jrb/TP/THO/nl/FW1/Global Pix

Das, was die NASA als Beweise für die erfolgreiche Mission zu Mond präsentierte, war für ihn eine gigantische Fälschungskampagne. Eine Verschwörung der NASA und der US-Regierung, um das Versagen und die großen verpulverten Geldmengen zu rechtfertigen. Um einen Erfolg über Russland und dessen Raumfahrtprogramm zu propagieren. Dabei hätten die Verantwortlichen sogar vor Mord nicht zurückgeschreckt. Angeblich wollten die Astronauten Edward H. White, Virgil I. Grissom und Roger B. Chaffee über die "Verschwörung" auspacken. Daraufhin ließ man sie bei einem Test für die Mondlandung am 27. Januar 1967 in Cape Canaveral in einer Apollokapsel verbrennen.

Kaysings Thesen

FILE PHOTO: Astronaut Buzz Aldrin, lunar module pilot for Apollo 11, poses for a photograph besides the deployed United States flag during an extravehicular activity (EVA) on the moon, July 20, 1969. The lunar module (LM) is on the left, and the foot
Astronaut Aldrin und die US-Flagge: Weht sie oder weht sie nicht?
© REUTERS, NASA, CJL/HK/nl/FW1/Global Pixdesk2

Kaysing glaubte, schlüssige Beweise für die große Mondlüge zu haben:

  1. Dass am Himmel keine Sterne zu sehen seien
  2. Dass die Schatten auf den Fotos nicht parallel verlaufen
  3. Dass beim Landen der Raumkapsel kein Krater im Boden entstanden ist
  4. Dass die US-Flagge angeblich weht. Auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, also auch keinen Wind
  5. Dass die Astronauten nur sehr niedrig springen, aufgrund der geringen Schwerkraft müssten sie höher springen
  6. Dass das mitgebrachte Mondgestein in Wahrheit von Mondmeteoriten stammt, die auf der Erde aufschlugen
  7. Dass man im Teleskop gar nichts von der Landestelle sehen könne

Kaysing glaubte, schlüssige Beweise für die große Mondlüge zu haben.

Sehen Sie dazu auf TVNOW die Doku "Der neue Wettlauf zum Mond"

Die Wissenschaft widerspricht

Diese und andere Thesen lassen sich jedoch wissenschaftlich widerlegen

  1. Die Mondlandung fand statt, als dort Tag war. Ein Mondtag dauert ungefähr 29 Erdtage. Dem entsprechend "kurz" war der mehrstündige Aufenthalt auf dem Mond. Filme können nur eine begrenzte Spannbreite an Kontrast verarbeiten und wiedergeben. Extrem helle und nur schwach leuchtende Punkte auf einem Foto wiederzugeben ist kaum zu realisieren.
  2. Zwei nebeneinander stehende senkrechte Objekte müssten bei gleicher Einstrahlung parallel fallen, das ist so weit richtig. Allerdings nur in der Theorie. Die Krümmung der Erde bedingt eine perspektivische Verzerrung, vor allem in einer zweidimensionalen Darstellung. Ein gutes Beispiel: Gerade Straßen und Bahngleise. Man kann davon ausgehen, dass Schienen und Straßenränder parallel zueinander verlaufen, auch wenn es so aussieht, als liefen sie aufeinander zu.
  3. Der fehlende Krater fällt auch dem Astronauten Neil Armstrong auf. Er meldet dies jedoch auch umgehend verwundert der Bodenstation über Funk. Allerdings gibt es auch dafür eine Erklärung. Aufgrund der fehlenden Atomsphäre geht der Gasstrahl aus der Antriebsdüse sehr viel mehr in die Breite als auf der Erde. Zudem nutzte die Crew nur einen schwachen Antrieb und landete seitlich, statt senkrecht von oben.
  4. Die Flagge weht nicht. Es sind Folgen des Aufstellens und einer Berührung, die in der Atmosphärenlosigkeit viel länger andauern als auf der Erde.
  5. Theoretisch hätten die Astronauten höher springen können. Man muss allerdings bedenken, dass sie einen 85-Kilogramm-schweren Ausrüstungsrucksack trugen und zum Teil aus dem Stand sprangen, ohne große Aufwendung von Kraft, auf der Erde unmöglich.
  6. Das mitgebrachte Mondgestein gleicht Proben, die die Russen in einer unbemannten Mission vom Mond holten. Es gleicht nicht den Proben von Mondgestein, das als Meteorit auf der Erde einschlug. Durch die Hitze beim Eintritt in die Erdatmosphäre ist die Oberfläche des Meteoritengesteins abgeschmolzen.
  7. Die Teleskope waren lange Zeit nicht in der Lage, Objekte sichtbar zu machen, die einen kleineren Durchmesser als 60 Meter hatten. 2009 startete allerdings die Mondsonde "Lunar Reconnaisance Orbiter", die ab 2012 Bilder aus 20 bis 50 Kilometern Höhe von der Mondoberfläche lieferte, auf denen Details aller Landestellen und die zurückgelassenen Landemodule zu sehen sind.
  8. Das Unglück der nachträglich Apollo 1 betitelten Mission wurde penibel untersucht und führte zu signifikanten Verbesserungen an der Kapsel.

NASA-Astronaut Jim Lovell: "Seine Thesen machen mich wütend"

James Lovell
Die Ersten am Mond: Die Apollo 8-Mission mit Jim Lovell umrundete den Mond
© TVNOW / (c) Eventide Visua

Jim Lovell, Astronaut bei den Missionen Apollo 8 und Apollo 13, platzte angesichts Kaysings Behauptungen bei einem Interview mit dem Magazin Metro Silicon Valley im Jahre 1996 der Kragen: "Der Typ ist verrückt, seine Thesen machen mich wütend. Wir haben viel Zeit investiert, um auf dem Mond landen zu können, wir haben enorme Risiken auf uns genommen. Und das ist etwas, auf das jeder in diesem Land stolz sein sollte"