Polizei geht von Eifersucht als Motiv aus

Junge in Sinsheim erstochen: Verdächtiger (14) begann letztes Jahr mit Anti-Aggressions-Training in Psychiatrie

28. Februar 2021 - 12:40 Uhr

Sinsheim-Eschelbach: Ganzer Ort nach Bluttat unter Schock

Erstach ein 14-Jähriger heimtückisch einen 13-Jährigen – aus Eifersucht? Nach der Bluttat in Sinsheim-Eschelheim (Baden-Württemberg) steht der ganze Ort unter Schock. Der Verdächtige ist bei der Polizei kein Unbekannter. Vor dem grausamen Angriff war bereits im vergangenen Jahr wegen einer Messerattacke gegen ihn ermittelt worden.

Mitschüler mit Messerstichen in Oberkörper traktiert

Der Zwischenfall ereignete sich im November 2020 an der Östringer Thomas-Morus-Realschule – etwa zwölf Autominuten von Sinsheim-Eschelbach entfernt. Der zu dem Zeitpunkt 13-Jährige hatte damals einen Gleichaltrigen mit einem Messer schwer verletzt, hieß es auf einer Pressekonferenz der Polizei. Der Junge musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, nachdem der Angreifer nach der Pause in das Klassenzimmer seines Opfers gekommen war und ihm mehrere Stichverletzungen am Oberkörper zugefügt hatte. Der Täter wurde festgenommen, die Waffe sichergestellt. Vor der blutigen Eskalation soll es über Monate Streit zwischen den Jungen gegeben haben.

Weil der Junge damals erst 13 Jahre alt war, wurde die Tat nicht weiter verfolgt. Damals sei aber das Jugendamt eingeschaltet worden. In einer Pressemitteilung der Behörde heißt es, dass der Tatverdächtige nach der Attacke mehrere Wochen stationär in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht war, wo er ein Anti-Aggressionstraining begonnen habe. Die Familie wurde durch das Kreisjugendamt weiterhin betreut und unterstützt – offenbar ohne Erfolg.

Polizei vermutet Eifersucht als Tatmotiv

Laut Polizei soll der 14-Jährige am Mittwoch erneut zugestochen haben. Den Angaben der Ermittler zufolge lockte der Verdächtige das Opfer zum Feldweg, wo er und ein weiteres Kind (13) offenbar auf den Jungen warteten. Der Tatverdächtige soll schon zum Treffpunkt die mutmaßliche Tatwaffe mitgebracht haben – ein Küchenmesser. Nach einem kurzen Spaziergang soll er mehrfach auf sein Opfer eingestochen haben. Womöglich sei ein Streit vorausgegangen, so die Polizei. Das vermutete Motiv: Eifersucht. Die Beamten gehen bei der Tat von Mord aus – denn der mutmaßliche Täter brachte ein Messer mit zum Treffpunkt und soll heimtückisch gehandelt haben.

14-Jähriger soll mit blutverschmierten Händen und Klamotten neben dem Opfer gestanden haben

Bereits kurz nach der Tat wurde die Polizei zum Tatort gerufen. Den eingesetzten Beamten bot sich ein grausames Bild: Das Opfer habe auf dem Boden gelegen, der mutmaßliche Täter habe mit blutverschmierten Kleidern und dem Messer in der Hand daneben gestanden. Auch ein weiteres Kind (13) habe neben der Leiche gestanden. Der 14-jährige Tatverdächtige wurde noch vor Ort festgenommen und direkt verhört. Gegen ihn wurde mittlerweile Haftbefehl erlassen, er sitzt nun in einer Jugendvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Jugendstrafe. Bislang habe er sich zu dem Vorfall nicht geäußert, so die Polizei.

Auch das andere Kind (13) sei vernommen worden, es bestehe jedoch bislang kein Verdacht, so die Polizei. Weil es erst 13 Jahre alt ist, ist es ohnehin nicht strafmündig. Gerüchte, dass es sich bei dem Kind um ein Mädchen handeln soll, wegen dem die beiden Jungen gestritten hatten, wollte die Polizei weder bestätigen noch dementieren.

Obduktionsergebnis des Opfers aus Sinsheim noch offen

Man sei nun, 24 Stunden nach der Tat, schon relativ weit fortgeschritten bei den Ermittlungen, sagte Siegfried Kollmar, Leiter der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg. Man habe bis spät in die Nacht ermittelt, trotzdem gebe es noch viele offene Fragen und die Ermittlungen liefen weiter. Man warte derzeit noch auf das schriftliche Ergebnis der Obduktion des Opfers. Auch Handyauswertungen und Vernehmungen seien noch offen, sagte Kollmar.

Die Familie des Opfers sei "völlig aufgelöst" und werde von einem Kriseninterventionsteam betreut, hieß es. Zwischendurch habe man auch die Polizei die Familie überwachen lassen, weil "starke Emotionen" zu spüren gewesen seien. Generell sei man in Eschelbach, einem kleinen Dorf mit nur knapp 2.200 Einwohnern, sehr geschockt über die Tat.

Mitschüler mit Messerstichen in Oberkörper traktiert

Die Polizei bestätigte bei der Pressekonferenz auch, dass der Tatverdächtige bereits im November 2020 eine schwere Straftat begangen hat. Der Zwischenfall ereignete sich an der Östringer Thomas-Morus-Realschule – etwa zwölf Autominuten von Sinsheim-Eschelbach entfernt. Der zu dem Zeitpunkt 13-Jährige hatte damals einen Gleichaltrigen mit einem Messer schwer verletzt. Der Junge musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, nachdem der Angreifer nach der Pause in das Klassenzimmer seines Opfers gekommen war und ihm mehrere Stichverletzungen am Oberkörper zugefügt hatte. Der Täter wurde festgenommen, die Waffe sichergestellt. Vor der blutigen Eskalation soll es über Monate Streit zwischen den Jungen gegeben haben.

Weil der Junge damals erst 13 Jahre alt war, wurde die Tat nicht weiter verfolgt. Damals sei aber das Jugendamt eingeschaltet worden, hieß es auf der Pressekonferenz.

Bestürzung bei der Opferfamilie und den Bewohnern von Eschelbach groß

RTL-Reporterin Romy Schiemann hat in Sinsheim-Eschelbach mit dem Cousin des Getöteten gesprochen. Die ganze Familie habe sich am Ort des Geschehens zum Trauern versammelt. "Man möchte mir derzeit nichts zu den Hintergründen sagen, der Cousin hat mir aber gesagt, dass die Familie noch überhaupt noch nicht fassen kann, was passiert ist und sie das jetzt erstmal gemeinsam begreifen wollen."

Die Stimmung in Eschelbach sei gedrückt, die Bewohner seien "fassungslos und können sich die grausame Tat nicht erklären". Eschelbach gehört zu Sinsheim und hat etwa 2.200 Einwohner. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" schrieb von einer großen Aufregung im dem Ort. Zahlreiche Eltern seien kurz nach dem Leichenfund auf der Suche nach ihren Kindern das Gebiet abgefahren.

Der Sinsheimer Oberbürgermeister Jörg Albrecht (parteilos) zeigte sich bestürzt über die Tat. "Die Betroffenheit ist groß, das trifft einen Ort ins Mark", sagte der Rathauschef. In seinen neun Jahren an der Stadtspitze habe er so etwas Schlimmes nicht erlebt.

Innenminister Horst Seehofer fordert mehr präventive Maßnahmen

Horst Seehofer nannte das Verbrechen bei der Innenministerkonferenz einen "erschütternden Vorgang". Zugleich erklärte der Bundesinnenminister, dass eine Herabsetzung des Alters für die Strafmündigkeit aktuell kein Thema sei. Stattdessen forderte Seehofer mehr präventive Maßnahmen. "Ich glaube, wir müssen hier viel stärker als bisher in Jugendhilfe mit all den Möglichkeiten der Prävention gehen", sagte er. Für ihn sei es im Moment wichtig, "dass wir die Jugend noch mehr in der präventiven Arbeit unterstützen".