Wie ist es als Mutter im israelischen Krisengebiet?

Vom Raketenhagel überrascht: RTL-Reporterin flieht nachts mit ihren Kindern ins Treppenhaus

Raketenalarm: RTL-Korrespondentin Raschel Blufarb muss mit ihren Kindern ins Treppenhaus fliehen.
Raketenalarm: RTL-Korrespondentin Raschel Blufarb muss mit ihren Kindern ins Treppenhaus fliehen.
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12. Mai 2021 - 17:17 Uhr

Von Raschel Blufarb und Timo Steinhaus

Es ist kurz vor drei Uhr in der Nacht, als in Tel Aviv wieder einmal die Sirenen heulen. Raketenalarm. Einschläge sind zu hören. RTL-Reporterin Raschel Blufarb lebt als Nahost-Korrespondentin mitten im Krisengebiet in Israel und weiß: Jetzt wird es extrem gefährlich.

Panische Überlegungen: Wecken wir die Kinder?

Seit Montagabend haben militante Palästinenser im Gazastreifen mehr als 1.000 Raketen abgefeuert. In Israel starben bislang fünf Menschen durch den Beschuss, mehr als 200 wurden verletzt. Vor allem die Küstenmetropole Tel Aviv erlebt in der Nacht zu Mittwoch die bisher schwersten Raketenangriffe. Hier lebt Raschel Blufarb mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern. "Wir wurden vom Raketenhagel total überrascht", erzählt sie. Als die Sirenen heulen, springt sie aus dem Bett. "Wir sind aufgeschreckt. Man hört nur 'bumm, bumm' und weiß nicht: Ist irgendwo eine Rakete eingeschlagen, oder ist es das Raketenabwehrsysten? Die Situation ist unübersichtlich." Panisch überlegen die beiden: Wecken wir die Kinder? Doch das Risiko in der Wohnung ist zu groß.

Die beiden nehmen die schlafenden Kleinen und flüchten ins Treppenhaus. Auch die anderen Bewohner versammeln sich hier. Es ist kein Bunker in der Nähe und das Treppenhaus ist durch den umliegenden Beton besser geschützt als die Wohnungen. Nach ein paar Minuten ist alles vorbei. "Dann geht man wieder schlafen und nach zwei Stunden ist wieder das gleiche Spiel", so Blufarb.

Raketenalarm während der Liveschalte

Auch tagsüber geht der Beschuss weiter, viele Menschen sind fertig mit den Nerven. Unser Video zeigt, wie unsere Korrespondentin während einer Liveschalte zu den Kollegen mit "ntv" einen Raketenalarm erlebt und sich in Sicherheit bringen muss. Wie erklärt sie ihren Kindern die Situation? "Es gibt Anweisungen vom Kindergarten, wie man damit umgehen kann. Man soll keine Nachrichten gucken, nicht panisch darüber reden, keine negativen Emotionen zeigen, sondern sachlich darüber reden." Sie erkläre ihrer Tochter ruhig, dass Raketen kommen und sie in den Flur gehen müssen, weil das die Anweisungen seien. "Meine Tochter ist in Israel geboren und das ist für sie Alltag. Sie ist mit den Soldaten aufgewachsen", sagt Blufarb.

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Rakete tötet Vater und Tochter

Doch wie gefährlich die Situation ist, zeigt sich in einem arabischen Viertel in Lod bei Tel Aviv. Dort sind am frühen Mittwochmorgen ein 52-jähriger Mann und seine 16-jährige Tochter durch eine Rakete aus Gaza ums Leben gekommen. Sie wollten nachsehen, was draußen los ist statt sich in Sicherheit zu bringen, berichtet Blufarb. "Es ist ein Schock, wir können nicht fassen, was hier passiert ist", sagte eine Bekannte der Opfer. Eine weitere 65-jährige Frau starb am Dienstagabend bei einem Angriff in Rishon Lezion südlich von Tel Aviv. In Jehud, im Großraum Tel Aviv, sei ein Wohnhaus von einer Rakete direkt getroffen worden.

So dramatisch ist die Situation im Gazastreifen

Richtig schlimm ist die Lage für die Menschen im Gazastreifen. "Dort ist die Situation dramatisch. Es fallen tonnenschwere Bomben und es sterben Kinder. Die israelische Armee bombardiert Stellungen der Hamas, doch es gibt immer wieder zivile Opfer und das sind schreckliche Bilder. Die Zivilbevölkerung in Gaza tut mir richtig leid", sagt unsere Korrespondentin. "Sowohl die Israelis als auch die Hamas sind im Moment nicht an einer Vermittlung interessiert. Es gibt Eskalation und geht Schlag auf Schlag weiter", so Raschel.

In dem Palästinensergebiet wurden inzwischen fast 50 Menschen getötet - darunter 14 Kinder und drei Frauen. Bei den Angriffen sei auch das Haus eines ranghohen Mitglieds der islamistischen Hamas zerstört worden, teilte die Armee mit. Das Gebäude habe auch als Waffenlager gedient.

Konflikt hat sich seit Tagen zugespitzt

Der Konflikt hat sich seit Beginn des Ramadan Mitte April zugespitzt, an diesem Mittwochabend endet der muslimische Fastenmonat. In den vergangenen Tagen hatte es zunächst vor allem in Jerusalem heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Auslöser waren unter anderem Proteste gegen Polizei-Absperrungen in der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen palästinensischer Familien im Viertel Scheich Dscharrah.

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