„Die Titanic Deutschland nimmt Fahrt auf“

Steuern wir auf Omikron-Katastrophe zu? Impfarzt entsetzt über Corona-Beschlüsse

Arzt kritisiert Corona-Beschlüsse - mit Titanic-Vergleich Dr. Thomas Assmann im Interview
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Dr. Thomas Assmann im Interview
Arzt kritisiert Corona-Beschlüsse - mit Titanic-Vergleich

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Impfarzt Aßmann und sein Team arbeiten am Limit

„Ich bin da ziemlich entsetzt“, sagt Haus- und Impfarzt Dr. Thomas Aßmann über die Entscheidungen, die die Ministerpräsidenten-Konferenz zum Kampf gegen die Omikron-Welle getroffen hat. Die beschlossenen Maßnahmen gehen dem Arzt einfach nicht weit genug. Er vergleicht Deutschland sogar mit dem berühmten gesunkenen Schiff Titanic. „Ich bin wirklich frustriert, was da los ist“, meint er bei ntv – im Video.

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Aßmann fürchtet heftige fünfte Corona-Welle

Trotz der dringenden Warnung des Robert Koch-Instituts, sofort maximale Kontaktbeschränkungen einzuführen, haben sich die Vertreter von Bund und Ländern dazu entschieden, erst nach Weihnachten die Regeln zu verschärfen. „Die Titanic Deutschland nimmt Fahrt auf“, kommentiert Impfarzt Aßmann im ntv-Interview. „Der Ausguck sagt: Warnung, der Eisberg ist Voraus!“, so der Mediziner. „Und die Brückenbesatzung glänzt mit Abwesenheit und mit obskuren Entscheidungen nach dem Motto: Ist nicht so schlimm, wenn wir dagegen fahren“, meint Aßmann.

Er und sein Team seien an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. In seiner Praxis seien in diesem Jahr 4.000 Menschen geimpft, extern in Altenheimen und Wohngruppen noch mal 2.000 bis 3.000 weitere Patienten, erzählt der Arzt. Dazu kämen die normalen Erkrankungen, die auch weiterhin behandelt werden müsste. „Wir sind am Rande der Erschöpfung“, warnte Aßmann. Das betreffe nicht nur ihn, sondern auch seine Kollegen. „Die Leute arbeiten am Limit.“

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Neue Corona-Regeln gegen Omikron gelten erst nach Weihnachten

Er forderte darum dringend mehr Unterstützung seitens der Politik. „Es geht darum, den Menschen ehrlich zu sagen, was Sache ist“, findet er. „Der Virus macht eben kein Weihnachten“, so der Arzt. Deutschland drohe eine heftige fünfte Welle.

Um die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante zu bremsen, hatten Bund und Länder weitere Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens beschlossen. Sie sollen aber erst nach Weihnachten gelten. Spätestens ab 28. Dezember soll generell eine Obergrenze von zehn Personen für Privattreffen gelten. Kanzler Olaf Scholz verständigte sich mit den Ministerpräsidenten der Länder zudem auf die Schließung von Clubs und Diskotheken und leere Ränge bei Fußballspielen und anderen Großveranstaltungen. Am 7. Januar will sich Scholz erneut mit den Länderchefs treffen, um über die Pandemiebekämpfung zu beraten. (dpa/jgr)