Oberlandesgericht München fällt Urteil

Nicht psychisch krank! Gericht verurteilt ICE-Messerstecher zu langer Haftstrafe

Der Verurteilte hatte in einem ICE mehrere Männer mit einem Messer angegriffen.
Der Verurteilte hatte in einem ICE mehrere Männer mit einem Messer angegriffen (Archivbild)
Vifogra

Vor mehr als einem Jahr greift Abdalrahman A. in einem ICE mehrere Reisende an. Er sticht mit einem Messer zu, drei Menschen werden schwer verletzt. Die große Frage: War der Mann ein überzeugter Dschihadist? Oder doch psychisch krank? In München hat ein Gericht nun ein Urteil in dem Fall gefällt – und den Angeklagten zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt.

Oberlandesgericht München verurteilt Angeklagten zu 14 Jahren Gefängnis

14 Jahre Gefängnis lautet das Urteil, das das Oberlandesgericht München am Freitagvormittag verkündete. Die Begründung: Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung. Dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt psychisch krank war, schlossen die Richter aus.

Darüber, was am 6. November 2021 im ICE auf einer Fahrt nach Nürnberg passiert war, gab es während des Prozesses keine Zweifel: Der damals 27-Jährige hatte vier Männer mit einem Messer angegriffen, drei davon erlitten schwere Verletzungen. Über den Hintergrund waren sich Staatsanwalt und Verteidigung allerdings gänzlich uneins.

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ICE-Messerstecher: Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft

Das Oberlandesgericht München verurteilte den Angeklagten zu 14 Jahren Haft.
Das Oberlandesgericht München verurteilte den Angeklagten zu 14 Jahren Haft.
dpa, Matthias Balk

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überzeugt: Der Angeklagte ist ein radikaler Islamist und wollte mit seinem Angriff seinen Beitrag zum weltweiten Dschihad leisten. Sie forderten eine lebenslange Haftstrafe für den Mann.

Ganz anders die Verteidigung: Diese forderte einen Freispruch für ihren Mandanten. „Unser Mandant ist krank, unser Mandant muss behandelt werden und unser Mandant ist kein Terrorist“, sagte Verteidiger Maximilian Bär in seinem Schlussplädoyer. Der Angeklagte habe sich demnach verfolgt und überwacht gefühlt.

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Gutachter: ICE-Messerstecher ist nicht psychisch krank

Tatsächlich hatte der Täter unmittelbar nach der Tat der Polizei gesagt, dass er psychisch krank sei. Diese Diagnose bestätigte ein Psychiater, A.landete zwei Monate lang in einer Klinik – und nicht in der Untersuchungshaft.

An dieser Version entstanden allerdings immer mehr Zweifel: Drei psychiatrische Gutachter kamen während des Prozesses zu dem Urteil, dass der Mann keineswegs psychisch krank sei. Tatsächlich habe er seine psychische Krankheit nur vorgespielt, sagten sie. Die Tat wurde demnach „im Zustand voller Schuldfähigkeit“ begangen. Diesem Urteil schlossen sich die Richter mit ihrem Schuldspruch nun an. (jda)