Sorgerechts-Prozess in Tel Aviv: Familie vor Gericht

Kommt Eitan wieder nach Italien? RTL-Reporterin: "Seine Tante sah fertig aus, muss man sagen"

23. September 2021 - 19:36 Uhr

Trauriger Gerichts-Showdown in Israel

Er überlebte die Seilbahn-Katastrophe am Lago Maggiore und kämpfte im Krankenhaus um sein Leben – jetzt kämpfen Eitans Familienmitglieder in einem unwürdigen Streit um das Sorgerecht für den Sechsjährigen. In Israel kommt es jetzt zum traurigen Showdown. Beim Prozessbeginn am Donnerstag wirkte Eitans Tante Aya Biran-Nirko, die den Jungen nach Italien zurückholen will, traurig und nervös. Sie scheint außerdem deutlich an Gewicht verloren zu haben. Mehr dazu im Video.

Eitans Großvater drückt auf die Tränendrüse

Der Junge, der bei dem Unfall am Pfingstsonntag beide Eltern, den kleinen Bruder und zwei Urgroßeltern verloren hatte, war vor gut einer Woche von seinem Großvater mütterlicherseits heimlich und entgegen einer richterlichen Anordnung nach Israel geflogen worden. Das will seine Tante in Italien nicht akzeptieren. Aya Biran-Nirko hat laut dem Beschluss eines italienischen Gerichts offiziell die Vormundschaft für den Jungen. Sie flog am Sonntag nach Tel Aviv, um Eitan zurückzuholen – jetzt entscheidet das Familiengericht in Tel Aviv über die Frage, wo Eitan aufwachsen soll.

Vor der Verhandlung am Freitag fahren beide Seiten schwere emotionale Geschütze auf. "Eitan ist hier bei seiner Familie. Er ist froh, hier muss er sein, hier ist sein Zuhause in Israel", sagt sein Opa Shmuel Peleg im Interview mit einem israelischen TV-Sender. Er selbst gibt sich als selbstloser und besorgter Großvater: "Das Wohl des Kindes übertrifft mein persönliches Interesse. Deshalb habe ich mich entschlossen, das Kind zu retten und ihn nach Israel zu bringen." Die italienische Justiz sieht das anders: Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt Pavia ermittelt gegen den Mann wegen Kindesentführung. Eitans Großmutter steht ebenfalls im Verdacht. Doch davon will Peleg nichts wissen: "Ich habe ihn nicht entführt, ich habe ihn nach Hause gebracht, will nur das Beste für Eitan." Er sei mit dem Jungen ganz legal nach Israel eingereist.

Das sagt der Anwalt von Eitans Tante Aya Biran-Nirko

Anwalt Shmuel Moran vertritt Eitans Tante Aya Biran-Nirko in Israel vor Gericht.
Anwalt Shmuel Moran vertritt Eitans Tante Aya Biran-Nirko in Israel vor Gericht.
© RTL

RTL-Reporterin Raschel Blufarb sprach mit dem Anwalt von Aya Biran-Nirko über den Fall: "Der Großvater versucht emotional rüberzukommen, aber er ist ein gefährlicher, verzweifelter Mensch, der selbst gesagt, dass er nichts mehr zu verlieren hat", so Shmuel Moran. Tatsächlich wurde Eitans Großvater mehrfach wegen Gewalt gegen seine Exfrau verurteilt. Darauf angesprochen, antwortet Peleg in seinem TV-Interview: "Vorfälle von vor 20 Jahren, die während eines Scheidungsprozesses geschehen sind, stehen nicht im geringsten in Verbindung zu Eitan."

Anwalt Moran dagegen sagt, Peleg versuche gezielt, die Öffentlichkeit auf seine Seite zu ziehen und damit vielleicht auch das Gericht zu beeinflussen. "Doch es handelt sich um ein reines Verbrechen und Entführung", so Moran.

Die Antwort darauf muss jetzt das Gericht finden. (mst)