Klimaaktivisten stellen sich gegen die Räumung - auch mit Gewalt

Faktencheck: Brauchen wir die Kohle aus Lützerath überhaupt?

Brauchen wir die Kohle aus Lützerath überhaupt? Kampf um Lützerath
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Kampf um Lützerath
Brauchen wir die Kohle aus Lützerath überhaupt?

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Lützerath liegt zwischen Feldern, auf denen im Sommer Kohl und Zuckerrüben wachsen. Es könnte so idyllisch sein. Aber Lützerath ist schon lange Symbol für die verhärteten Fronten zwischen Klimaaktivisten, Wirtschaft und Politik. Das Dorf soll weggebaggert werden, um die Kohle darunter zu fördern. Das war Teil des Polit-Kompromiss rund um den vorgezogenen Kohleausstieg in NRW. Aber brauchen wir die Kohle unter Lützerath? Der Faktencheck.

Lese-Tipp: Lützerath wird geräumt – Alle News und Videos im Liveticker

Vorgezogener Kohleausstieg 2030 ist beschlossene Sache

Die ursprünglichen Dorfbewohner haben das kleine Örtchen längst geräumt, wurden dafür von RWE entsprechend finanziell entschädigt. In den leeren Häusern leben inzwischen Klima-Aktivsten, die um den Erhalt kämpfen. Seit dem Morgen läuft die großangelegte Räumungsaktion, es fliegen Steine und Böller, wie RTL-Reporter Jan Heikrodt auch während seiner TV-Schalte erlebt. (s. Video)

Die grün geführten Wirtschaftsministerien in Bund und NRW hatten Anfang Oktober mit dem Energiekonzern RWE einen auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg im Rheinischen Revier vereinbart. Eine eindeutige Antwort, ob man die Kohle unter dem Ort wirklich braucht, gibt es nicht. Das Wirtschaftsministerium, geführt von der grünen Politikerin Mona Neubaur sagt Ja. Sie beruft sich auf verschiedene Gutachten, die sagen, dass die Kohle angesichts der Energiekrise für die Energiesicherheit unverzichtbar sei. Das sehen die Klimaaktivsten natürlich anders – und Studien wie die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung stützen das.

Lese-Tipp: Deutsche Umwelthilfe hat Verständnis: Lützerath-Protest ist ein „wichtiges Symbol“

RTL-Reporter mittendrin: Lützerath-Räumung beginnt! Aufgeheizte Stimmung
05:00 min
Aufgeheizte Stimmung
RTL-Reporter mittendrin: Lützerath-Räumung beginnt!

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"Es ist eine Abwägung, die man treffen muss"

Wer hat nun Recht? Das hängt auch davon ab, wie sich der deutsche Energiebedarf in Zukunft entwickelt, ordnet der Umwelt-Ökonom der Ruhr-Universität Bochum, Andreas Löschel, im RTL/ntv-Interview ein: „Das ist nicht so ganz einfach zu beantworten. Zwingend brauchen werden wir sie wohl nicht. Jedenfalls, wenn alles gut läuft. Aber es gibt große Unsicherheiten und deswegen ist das eine Abwägung, die man treffen muss: Über Versorgungssicherheit, über Bezahlbarkeit und eben auch über den Klimaschutz.“ Politisch beschlossen ist der Kohleabbau in Lützerath aber ohnehin.

„Wenn wir das schaffen, dass wir die Erneuerbaren schnell ausbauen, wenn wir tatsächlich wieder normalisierte Gaspreise bekommen, dann werden wir in den 2030er Jahren nicht mehr so stark auf die Kohle angewiesen sein oder vielleicht sogar auf die Kohle verzichten können: Also in der langen Frist brauchen wir die Kohle nicht, aber in der kurzen Frist brauchen wir sie.“ Das Problem sei, dass wir derzeit eine absolute Ausnahmesituation auf den Energiemärkten haben. Das ganze Interview im Video:

"In der langen Sicht brauchen wir Kohle nicht" Umwelt-Ökonom Andreas Löschel
03:48 min
Umwelt-Ökonom Andreas Löschel
"In der langen Sicht brauchen wir Kohle nicht"

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Eines ist aber eindeutiger: Die Klimaziele, das Pariser Abkommen, würden wir schon nach jetzigem Stand brechen. „Das 1,5 Grad Ziel ist sicherlich nicht mehr zu erreichen. Wenn wir die Menge, die jetzt abgebaggert wird in Nordrhein-Westfalen, wirklich verbrennen, dann liegen wir weit drüber über dem Emissionsbudget, was uns eigentlich noch zur Verfügung steht. Deswegen müsste man entweder in anderen Sektoren mehr machen oder es nicht machen,“ so Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Es braucht also in jedem Fall den Ausbau von erneuerbaren Energien. Denn die Kohle unter Lützerath würde ohnehin erst in etwa drei Jahren zur Verfügung stehen. (eku, mit dpa)

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