Rechtsstreit gegen Ex-Chefermittler

Eltern von Maddie McCann kassieren Niederlage vor Gericht - Beschwerde zurückgewiesen

Die Eltern der verschwundenen Madeleine McCann haben vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EUGM) eine Niederlage gegen den Ex-Chefermittler in dem Vermisstenfall kassiert.
Die Eltern der verschwundenen Madeleine McCann haben vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Niederlage gegen den Ex-Chefermittler in dem Vermisstenfall kassiert. (Archivbild)
dpa, A2800 epa JONES

In einem Buch hatte der Ex-Chefermittler im Fall der seit dem 3. Mai 2007 vermissten Maddie McCann unter anderem behauptet, die Eltern des Mädchens seien in die Entführung des Kindes verstrickt gewesen. Dagegen hatten Kate und Gerry McCann geklagt. Der Fall ging bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – der nun eine Beschwerde abgewiesen hat.

Kate und Gerry McCann scheitern mit Beschwerde vor EGMR

Maddie McCann verschwand 2007 spurlos aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia de Luz. Als Hauptverdächtiger gilt der einschlägig vorbestrafte Christian B.
Maddie McCann verschwand 2007 spurlos aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia de Luz. Als Hauptverdächtiger gilt der einschlägig vorbestrafte Christian B. (Archivbild)

Maddies Eltern hatten den Mann wegen Verleumdung verklagt, weil sie sich durch die Behauptungen in seinem Bestseller „Maddie: A Verdade da Mentira“ (übersetzt: „Maddie: Die Wahrheit über die Lüge“) geschädigt sahen. Kate und Gerry bezeichneten Amarals Aussagen als „glatte Lügen“, leiteten bereits 2009 juristische Schritte gegen ihn ein. Was folgte war ein jahrelanger Rechtsstreit mit Niederlagen auf beiden Seiten und Berufungsverfahren. Schließlich hatte das oberste portugiesische Gericht die Klage 2017 mit Verweis auf die Meinungsfreiheit abgewiesen.

Daraufhin waren die McCanns vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezogen, weil die portugiesische Justiz sie nicht ausreichend geschützt und unter anderem ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens sowie auf ein faires Verfahren (Artikel 6 und 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)) verletzt habe. Die Behauptungen in dem Buch hätten ihrem Ruf geschadet und verstoßen gegen die Unschuldsvermutung.

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Aussagen im Fall Maddie McCann: Infos waren "Öffentlichkeit längst bekannt"

Gonçalo Amaral war fünf Monate lang Ermittler im Fall Maddie McCann.
Gonçalo Amaral war fünf Monate lang Ermittler im Fall Maddie McCann.
dpa

Dieser Argumentation folgte der EGMR nicht und wies die Beschwerde ab. „Es handelte sich um Informationen, die der Öffentlichkeit längst vor Erscheinen des Buches bekannt waren“, urteilte das Gericht. Die Rufschädigung der McCanns sei nicht auf das Buch von Gonçalo Amaral zurückzuführen, sondern vielmehr darauf, dass die Eltern tatsächlich zeitweise im Fokus der Ermittler standen. Man habe die Auswirkungen auf die McCanns auch gegen die Meinungsfreiheit des Autoren abwägen müssen, hieß es aus Straßburg.

Das Buch erschien drei Tage, nachdem die portugiesische Polizei ihre Ermittlungen im Juli 2008 aus Mangel an Beweisen eingestellt und die McCanns von jeglicher Beteiligung freigesprochen hatten. Nun die Schlappe vor dem EGMR. Kate und Gerry McCann haben drei Monate Zeit, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

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Amaral war fünf Monate lang leitender Ermittler im Fall Maddie. Die damals Dreijährige verschwand vor nunmehr 15 Jahren aus einem Hotelzimmer in Praia da Luz in der portugiesischen Region Algarve. Der 62-Jährige wurde nach heftiger Kritik an seiner Arbeit abgezogen und ging in Pension. In seinem Buch beschuldigte er die Eltern, in die Entführung verwickelt zu sein und die Leiche versteckt zu haben. Das Mädchen sei noch im Hotelzimmer zu Tode gekommen, was Kate und Gerry vertuschen wollten. Eine Theorie, an der er bis heute festhält. Noch im August sagte er im Interview mit der „Bild“: „Ich habe keine Zweifel daran, dass eine Entführung nur simuliert wurde.“ Den Hauptverdächtigen Christian B. halte er für unschuldig. „B. hat mit Maddies Verschwinden nichts zu tun", soll er dem Blatt gesagt haben.

Die Ermittler sehen das anders. Sie gehen davon aus, dass der Deutsche Christian B. Maddie entführte und umbrachte. Es gibt viele Hinweise, aber die Beweiskette ist nicht geschlossen, und es gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung. Derzeit sitzt der Verdächtige in einem Gefängnis in Deutschland eine mehrjährige Haftstrafe wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin im Jahr 2005 in Praia da Luz ab.(cwa)

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