"Es zerreißt sie bis heute"

Ex-Ermittler wiederholt Vorwürfe im Fall Maddie: So sehr leiden Kate und Gerry McCann darunter

Spekulation um Maddies Tod
Spekulation um Maddies Tod
© dpa, John Stillwell, ihe sab

23. August 2021 - 21:16 Uhr

Ex-Ermittler gibt noch immer Maddies Eltern die Schuld

Als 2007 die kleine Madeleine McCann im Ferienort Praia da Luz verschwand, leitete Gonçalo Amaral fünf Monate lang die Ermittlungen der portugiesischen Polizei. Dann wurde er wegen heftiger Kritik an seiner Arbeit von dem Fall abgezogen und ging in Pension. Noch immer hält er an seiner damaligen Theorie fest. "Ich habe bis heute keine Zweifel, dass eine Entführung nur simuliert wurde", sagte der 61-Jährige in einem aktuellen "Bild"-Interview. Aus seiner Sicht sollen die Eltern für das Verschwinden ihrer damals drei Jahre alten Tochter verantwortlich sein. RTL-Reporter Ulrich Klose weiß, wie hart diese Anschuldigungen Gerry und Kate McCann bis heute treffen.

RTL-Reporter Ulrich Klose
RTL-Reporter Ulrich Klose hat in seiner Zeit als Korrespondent in London mehrfach mit den McCanns gesprochen.
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RTL-Reporter Ulrich Klose hat mehrfach mit den McCanns gesprochen

"Es zerreißt die McCanns, dass sie immer noch mit dem Tod von Maddie in Verbindung gebracht werden", erklärt er. In seiner Zeit als RTL-Korrespondent in London hat er mehrfach mit Maddies Eltern gesprochen. "Es ist das Schlimmste, was dir passieren kann, wenn du erst deine Tochter verlierst und dann auch noch beschuldigt wirst, sie selbst umgebracht zu haben", habe Kate McCann ihm in mehreren persönlichen Gesprächen erzählt.

Amaral sei damals komplett festgelegt gewesen auf die Theorie, dass die McCanns ihre Tochter getötet haben. "Der wollte die am liebsten gar nicht ausreisen lassen", erinnert sich Ulrich Klose. Bis heute hat sich Amaral so sehr in seine Version der Ereignisse damals verbissen, dass er sogar ein Buch darüber geschrieben hat: "Die Wahrheit über die Lüge". In zahlreichen Interviews wiederholte der inzwischen pensionierte Polizist seine umstrittenen Vorwürfe.

Im Video: Entführung von Maddie McCann simuliert? Die Theorie des Ex-Ermittlers

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Fall Maddie: Ex-Ermittler behauptet, Christian B. sei unschuldig

Ermittler in Deutschland gehen inzwischen davon aus, dass der Deutsche Christian B. Maddie getötet hat. Diesen Hauptverdächtigen bezeichnet der Ex-Ermittler im Bild-Interview als "konstruiert". Er habe mit dem Verschwinden des britischen Mädchens nichts zu tun, ist er überzeugt. Dabei stand B. sogar damals schon auf der Liste der möglichen Verdächtigen. "Als wir die Eltern noch nicht verdächtigten, gab es eine Liste von Pädophilen, die in der Gegend wohnten. B. war auf dieser Liste. Man hat an seine Tür geklopft, aber er war nicht zu Hause", erzählt Amaral der "Bild"-Zeitung.

Offenbar wurde diese Spur damals aber nicht weiter verfolgt. Der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters, der die Ermittlungen gegen Christian B. heute leitet, teilte auf RTL-Anfrage mit: "Zu den Aussagen Herrn Amarals möchten wir uns nach wie vor nicht äußern, weil wir davon ausgehen, dass Herr Amaral keine Kenntnis vom aktuellen Ermittlungsstand hat und seine Aussagen daher für uns völlig irrelevant sind." Er betonte, dass es "nicht den winzigsten Hauch eines Tatverdachtes gegen die Eltern" gebe.

Ex-Ermittler im Fall Maddie
Gonçalo Amaral war fünf Monate lang Ermittler im Fall Maddie McCann.
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McCanns hoffen, dass Maddie noch lebt

Wolters zufolge hat die Braunschweiger Behörde "materielle Beweise" für den Tod von Madeleine McCann. Kate und Gerry McCann halten trotzdem weiter an der Hoffnung fest, dass ihre Tochter eines Tages lebend gefunden wird, weiß RTL-Reporter Ulrich Klose. "Das Zimmer von Maddie haben sie so gelassen, wie es war", erklärt er. Für den Fall, dass sie doch zurückkehrt.

Fall Maddie
Madeleine McCann wird seit 2007 vermisst.
© dpa, Luis Forra, mpc sh pt pzi sab

Madeleine McCann verschwand aus einem Ferienappartment in Portugal

Maddie verschwand kurz vor ihrem vierten Geburtstag am 3. Mai 2007 aus der Appartement-Anlage im portugiesischen Praia da Luz. Ihre Eltern waren zum Tatzeitpunkt in einem Restaurant in der Nähe zum Abendessen. Seitdem hat die Polizei keinerlei abschließende Erkenntnisse zum Verschwinden des Mädchens gewinnen können.

Maddies Eltern Kate und Gerry McCann hatten sich immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt und dazu aufgerufen, nach ihrer Tochter zu suchen und gesagt, dass ihre Tochter noch leben könnte. (jgr)