Staatsanwalt bekräftigt im TV: "Haben materiellen Beweis für Maddies Tod"

Maddie McCann: Immer noch keine Vernehmung von Christian B.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig führt nun drei weitere Verfahren gegen den 44-jährigen Deutschen Christian B.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig führt nun drei weitere Verfahren gegen den 44-jährigen Deutschen Christian B.
© Polizei

02. Juni 2021 - 13:16 Uhr

Madeleine McCann seit mehr als 13 Jahren verschwunden

Am 12. Mai sollte ihr 18. Geburtstag gefeiert werden. Aber Maddie ist nicht da - sie ist nicht bei ihren Eltern und der Familie in Großbritannien. Madeleine McCann ist seit mehr als 13 Jahren verschwunden, das ungeklärte Schicksal des Mädchens sorgt bis heute für Schlagzeilen. Als Ermittler vor einem Jahr überraschend bekannt gaben, dass der Deutsche Christian B. unter Mordverdacht steht, keimte Hoffnung auf. Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte im portugiesischen TV, dass ihnen materielle Beweise für Madeleine McCanns Tod vorlägen. Bislang wurde der Verdächtige Christian B. aber weder angeklagt, noch mit den Vorwürfen konfrontiert. Gegen ihn werde weiter ermittelt.

Materielle Beweise für Maddies Tod liegen vor, so die Staatsanwaltschaft

Ist Madeleine McCann noch am Leben - oder tot? Der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters antwortete im portugiesischen TV auf die Frage, ob den Ermittlern materielle Beweise dafür vorlägen, klar mit: "Ja!" Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen könne er aber nicht mehr dazu sagen. Die Strafverfolgungsbehörde ist für den Fall zuständig, weil der deutsche Verdächtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der niedersächsischen Stadt hatte. Kriminalanalyst Mark T. Hofmann schätzt diese Aussage im NDR so ein, dass es eventuell ein Foto oder ein Video geben könnte, auf dem das Opfer eindeutig zu erkennen sei - der Täter aber nicht.

LESE-TIPP: Auf den mutmaßlichen Mörder Christian B. warten noch drei weitere Verfahren

Als Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA), der Metropolitan Police in Großbritannien und der Polícia Judiciária in Portugal am Abend des 3. Juni 2020 über die Medien um Mithilfe der Bevölkerung baten, galt dies als spektakuläre Wendung im "Fall Maddie". Sie gaben damals bekannt, dass es einen neuen Verdächtigten gebe - es handelte sich um Christian B., einen mehrfach vorbestraften Sexualverbrecher mit deutscher Staatsangehörigkeit, der sich wegen einer anderen Tat in Haft befindet.

IM VIDEO: Christian B. weiterhin im Fokus der Ermittler (Archiv, 22.9.2020)

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Vernehmung oder Anklage von Christian B. lässt auf sich warten

Das Medienecho auf die Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft am 3. Juni 2020 war riesig. Seitdem sind mehr als 1.000 Hinweise eingegangen. Sonderermittlern des BKA seien ununterbrochen mit deren Prüfung beschäftigt. "Manche Hinweise haben uns richtig weiter gebracht", sagt Staatsanwalt Wolters. Aber: Eine Anklage ist noch nicht in Sicht. Bisher wurde Christian B. auch noch nicht mit den Vorwürfen im Fall Maddie konfrontiert.

LESE-TIPP: Foto zeigt Christian B. in leerstehender Fabrik - in der Nähe verschwand Inga Gehricke

"Nein, der Beschuldigte ist bislang nicht vernommen worden", sagte der Staatsanwalt Wolters Ende Mai der Deutschen Presse-Agentur. "Wie lange wir noch ermitteln, das ist nicht abzusehen. Ich persönlich gehe davon aus, dass es noch einige Monate dauern wird. Es kann auch sein, dass wir bis ins nächste Jahr kommen." Wolters betont, die Ermittlungen seien ergebnisoffen, es werde nicht einseitig ermittelt. Hinweise, die Christian B. entlasteten, seien bislang allerdings nicht gefunden worden.

Heftige Kritik von Kriminalanalyst: "Vorgehen inakzeptabel"

Dieses Vorgehen sei inakzeptabel, kritisiert der Kriminalanalyst Mark T. Hofmann. "Vor die Kameras der Weltöffentlichkeit zu gehen und zu sagen, wir wissen, wer es ist, dann aber keine Beweise zu liefern, das ist schon eine ungewöhnliche Strategie und wird den Persönlichkeitsrechten des Beschuldigten nicht ganz gerecht", so Hofmann gegenüber dem NDR. Behördensprecher Wolters ist da anderer Meinung. Er verweist zum Vergleich auf laufende VW-Verfahren.

"Die haben in den Jahren 2015 und 2016 begonnen, da laufen die Ermittlungen immer noch. Da sind zwar Anklagen erhoben worden, aber da ist es auch so, dass Beschuldigte mit dem Verdacht seit Jahren leben müssen. Das ist sicherlich nicht wünschenswert, lässt sich aber nicht vermeiden", so Wolters. Auch habe die Staatsanwaltschaft bewusst nicht den Namen des Verdächtigen genannt oder Lichtbilder veröffentlicht und sich damit sehr viel Mühe gegeben, die Persönlichkeitsrechte des Verdächtigen zu wahren. (dpa/ija)

TVNOW-Doku: Maddie McCann - die Jagd auf den Verdächtigen

Der Fall Madeleine McCann berührte im Jahr 2007 die ganze Welt. Bei einem Familienurlaub in Portugal verschwand das kleine Mädchen plötzlich spurlos. Jahrelang wurde nach dem Entführer gesucht. Nun sieht es so aus, als hätte die Polizei den Täter gefunden.