Das sagen die Experten

Doc Fleck erklärt Abnehm-Mythen: Sind Kohlenhydrate am Abend wirklich ein No-Go?

24. September 2021 - 15:40 Uhr

Gesund und langfristig abnehmen: Präventiv-Medizinerin gibt Tipps bei RTL Punkt 12

Es gibt unzählige Diäten, die vermutlich so gut wie jeder mindestens einmal im Leben bereits ausprobiert hat. Meistens funktionieren sie – doch die Pfunde sind mitunter schneller wieder drauf, als man gucken kann. Der Grund: die unbeliebte JoJo-Falle. Rund ums Abnehmen tummeln sich auch etliche Mythen. Ein Klassiker: Kohlenhydrate am Abend sind "böse" und sollen unbedingt vermieden werden, wenn man schnelle Erfolge erzielen will. Auch Intervallfasten ist vielen bekannt. Aber stimmt das wirklich, verlieren wir so unsere Kilos? Präventivmedizinerin Dr. Anne Fleck und RTL-Gesundheitsexpertin Nora Rieder klären auf.

Im Video gehen wir den Mythen auf den Grund: Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit der Ernährungsumstellung zu starten?

"Böse Kohlenhydrate am Abend"

Verschiedene, kohlenhydratreiche Lebensmittel, wie Pasta, Brot und Co. liegen auf einem Tisch.
Kohlenhydrate sind "leider geil", helfen uns aber nicht bei einer erfolgreichen Abnahme.
© alle12

Es ist ein Mythos, der sich rund ums Thema Abnehmen äußerst hartnäckig hält: Wenn Sie das Fett zum Schmelzen bringen wollen, sollten Sie abends auf gar keinen Fall kohlenhydratreiches Essen verspeisen. Aber Moment mal: Ist da überhaupt etwas dran? RTL-Zuschauer konnten Dr. Anne Fleck bei "Punkt 12" Fragen zum Thema "Gesund abnehmen" stellen. Sarah (41) interessiert vor allem, was sie wirklich abends essen sollte, wenn sie ihre Ernährung umstellt und abnimmt. Denn auch sie wird vermutlich von den vermeintlich bösen Kohlenhydraten gehört haben.

"Dass Kohlenhydrate am Abend der Teufel sind, das ist eine alte These. Man weiß heute, die Kohlenhydrate sollte man flexibel, je nach Bewegung, zu sich nehmen", sagt Buch-Autorin Dr. Anne Fleck ("Schlank! und gesund mit der Doc-Fleck-Methode"*). Viel wichtiger sei es, in sich hineinzuhorchen und darauf zu achten, was man abends überhaupt gut verträgt, denn: Manche Personen vertragen nicht mal einen "unschuldigen" Salat am Abend, weil "der Verdauungstrakt dann zu viel ackern muss." Dies würde wiederum auch unsere Darmflora verschlechtern, die aber entscheidend für unser Gewicht ist, so die Medizinerin weiter.

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Trotzdem gilt: Nicht alle Kohlenhydrate sind per se schlecht

Auch RTL-Ernährungsexpertin Nora Rieder stimmt mit dem, was Doc Fleck sagt, überein. Für sie gilt aber auch: "Die Dosis macht das Gift." Nicht alle Kohlenhydrate sind per se schlecht und sollten daher nicht über einen Kamm geschoren werden. "Es gibt auch gute, komplexe Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel nicht so stark erhöhen, wie zum Beispiel stärkehaltige Kartoffeln, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte." Letztere enthalten zudem noch eine Menge pflanzliches Eiweiß und machen satt.

Wer aber wirklich abnehmen will, sollte sich kurzzeitig von Kohlenhydraten – sprich von Pasta und Co. – verabschieden. Stattdessen hilft es beim Abnehmen, wenn Fisch, Fleisch, Salat oder gedünstetes Gemüse auf dem Teller landen. "Vor allem Eiweiß ist wichtig, da unser Körper die Proteine für die nächtliche Regeneration braucht. Die Reparaturprozesse finden in der Nacht statt und hat man dem Körper keine zusätzlichen Kohlenhydrate hinzugefügt, werden unsere Fettdepots zur Energiegewinnung angezapft." Und das ist schließlich das, was wir wollen. Außerdem schläft man besser, weil der Körper weniger mit der Verdauung zu tun hat und sich eben voll und ganz auf die Regeneration konzentrieren kann.

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Spielt eine wichtige Rolle beim Abnehmen: der Darm

Und apropos Verdauung und Darm: "Fasten ist gut, weil es den Darm erstmal in den Urlaub schickt. Der ganze Verdauungstrakt muss dann nichts tun, das heißt die Regneration wird angekurbelt", erklärt Dr. Fleck in Bezug auf die Trend-Methode Intervallfasten. "Starten Sie doch einfach mal mit 12 Stunden Pause nichts essen über Nacht – das ist ein guter Anfang", rät die Medizinerin zudem. Ihr Tipp: Wirklich erst dann essen, wenn man auch Hunger verspürt.

Ökotrophologin Nora Rieder warnt aber: "Man sollte trotz Intervallfasten nicht einfach verzichten oder Mahlzeiten canceln. Lieber gesünder essen und Lebensmittel austauschen. So umgeht man, wenn man eines Tages mit dem Intervallfasten aufhört, auch den leidigen JoJo-Effekt." Es bringt nämlich nichts, den Körper erst in eine Art Energiesparmodus zu zwängen, nur um danach wieder normal zu essen. "Intervallfasten hilft zwar beim Abnehmen, aber man lernt nicht wirklich, sich anders oder ausgewogen zu ernähren." Auch sie gibt einen wichtigen Tipp mit: "Wenn Sie abnehmen wollen, sollten Sie eine Ernährungsweise finden, die man bereit ist, auch langfristig umzusetzen."

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Ein ehrliches Motiv hilft bei einer gesunden Abnahme

Eine junge Frau steht vor einer gelben Wand und freut sich darüber, dass ihre Jeans zu groß geworden ist.
Abnehmerfolg garantiert - man muss nur das richtige Motiv haben.
© Prostock-Studio, Konstantin Postumitenko

Falls es an der Umsetzung hapert, so wie bei Punkt 12-Zuschauer Thomas (52), der im Grunde alles zum Thema Ernährung weiß, aber keine Ahnung hat, wie er überhaupt anfangen soll, weiß Doc Fleck Bescheid: "Suchen Sie sich ein ehrliches Motiv. Das heißt: Nicht in einer Diät denken, sondern 'Was motiviert mich?' oder 'Was trägt mich durchs Leben?'. Sie denken vielleicht an Ihre Familie, die Kinder, den Partner, an die Enkelkinder, mit denen man auch im Alter noch toben will. Und das bringt dann schon manchmal den Schalter in Bewegung." Warum so viele Menschen an ihren Diäten scheitern? Weil eben genau dieses Motiv fehlt.

Feste Ziele zu setzen und sich einen persönlichen Grund zum Abnehmen vor Augen führen – das sieht auch Nora Rieder als wichtige Strategie. Die RTL-Gesundheitsexpertin spricht sich klar für etwas emotional Besetztes und Praktisches aus: "Zum Beispiel die Lieblingsjeans, die nicht mehr passt, wo man aber wieder reinpassen will. Das ist ein Ziel – und nicht einfach zu sagen 'Ich will 5 Kilo abnehmen'." Wieso? So sind die Chancen auf Erfolg deutlich höher.

Letzten Endes gilt: Gesundes Abnehmen lässt sich eher mit einem Marathon und nicht mit einem Sprint vergleichen. "Und wenn man mal einen Tag scheitern sollte: Am nächsten Tag hat man eine neue Chance", ermutigt Dr. Anne Fleck. Also nicht gleich aufgeben, einfach weiter machen und auf eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben achten. (jsc/vdü)

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