Das sind die Pro- und Contra-Argumente

Corona-Impfung für Kinder: Ja oder nein?

Kinder gegen Corona impfen lassen: Ja oder nein?
Kinder gegen Corona impfen lassen: Ja oder nein?
© Family Veldman

29. Mai 2021 - 10:28 Uhr

Corona: Die Lage zur Kinder-Impfung ist unklar, die Experten sind sich uneinig

Was ist der aktuelle Stand? Sollten Sie ihr Kind gegen die Corona-Krankheit Covid-19 impfen lassen – oder lieber nicht? Kaum eine Debatte wird aktuell so heiß diskutiert wie die rund um das Impfen unserer Kinder. Was anscheinend klar ist, dass nichts klar ist: Die Lage ist undurchsichtig und selbst die Experten sind nicht einer Meinung. Beim Treffen einer richtigen Entscheidung, hilft das nur wenig.

Letztendlich bleibt die Impfung der eigenen Kinder eine individuelle Entscheidung. Dennoch gibt es einige Pro- und Contra-Argumente, die eine erste Orientierungshilfe darstellen können.

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Kinder ab 12 Jahren können sich impfen lassen

Ab dem 7. Juni soll es losgehen: Bund und Länder haben sich darauf verständigt, dass Kinder ab zwölf Jahren in Deutschland mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft werden können – vorausgesetzt es gibt genug Dosen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat den Impfstoff zumindest schon mal zugelassen, der von Moderna könnte in Kürze folgen.

Aber stopp: Wird die Impfung für diese Altersgruppe überhaupt empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will sich mit ihrer Empfehlung noch Zeit lassen, weil aus ihrer Sicht die Daten über Nebenwirkungen bei Kindern noch zu dünn sind. Sie hat angedeutet, dass sie eine Impfung womöglich nur für vorerkrankte Kinder anraten will.

Welche Konsequenzen hat die Corona-Impfung für mein Kind?

Diese Frage dürfte bei vielen Familien aktuell für rauchende Köpfe sorgen. Das Problem für viele Eltern: Nicht mal die Kinderärzte sind sich einig, was in puncto Corona-Impfung das Beste für die Kleinen ist.

Diese Übersicht soll ein wenig Licht ins Dunkle bringen:

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Pro-Argumente, die Ihnen bei Ihrer Entscheidung vielleicht helfen könnten

Kinder spielen in einem Bällebad in einer Kindertagesstätte. Niedersachsens Kinder- und Jugendkommission übergibt Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) Empfehlungen zur Stärkung der Kinderrechte.
Zurück zur Normalität und endlich wieder spielen: Das wünschen sich nicht nur die Kids.
© dpa, Friso Gentsch, frg pat lvo tba sto

Bei vielen Elternteilen rauchen die Köpfe: Sollen wir oder sollen wir nicht? Das Problem, was viele Familien aktuell haben: Nicht mal die Kinderärzte sind sich einig darüber, was für unsere Kleinsten das Beste ist.

Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs vertritt im Gespräch mit RTL-Reporterin Doro Steitz eine ganz deutliche Meinung: "Ich würde meine Kinder sofort impfen lassen!" Damit ist er nicht alleine, auch wenn es einige Gegner der Corona-Impfung für Kinder gibt.

Zwei Aspekte, die für die Kinder-Impfung sprechen sind zunächst:

  • der individuelle Schutz für jedes geimpfte Kind – vor allem bei Vorerkrankungen
  • das Erreichen der Herdenimmunität (ohne Kinder kaum möglich)
  • positiver Effekt auf die Infektionszahlen der gesamten Bevölkerung (z.B. durch das Unterbrechen von Infektionsketten)
  • verhindern eines erneuten Lockdowns und damit verbundenen Gefahren wie Vereinsamung etc.
  • Folgeerkankungen (Long-Covid) können so vermieden werden

Vielen Befürwortern liegt das Zurückkehren zum Alltag sehr am Herzen. Die Kinder sollen bald wieder normal zur Schule gehen und am sozialen Leben teilhaben können. Eine Impfung gegen das Coronavirus setzt dafür den Grundbaustein.

Dass es einen erneuten Lockdown geben könnte, verunsichert einige Familie enorm, wo doch die gravierenden negativen Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spielen.

Weitere Expertenmeinungen FÜR die Corona-Schutzimpfung bei Kindern

Wie schon erwähnt: Das Thema wird heiß diskutiert. Einige Experten haben ihre Meinungen zu dem Thema Corona-Impfung für Kinder bereits deutlich gemacht.

Kinderarzt Dr. Martin Karsten aus Berlin sagt zum Beispiel, dass die Altersgruppe der 12 bis 18-Jährigen generell gut auf Impfstoffe reagiert – wieso sollte es bei der Corona-Impfung anders sein? Die Impfstoffe seien nicht neu, sondern millionenfach erprobt und sicher.

Weitere Pro-Argumente führt Dr. Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, an:

  • etwaige weitere Entwicklungsphasen finden nicht mehr in sozialer Isolation statt
  • je schneller man zum Präsenzunterricht zurückkehrt, desto schneller können schulische Bildungsdefizite aufgearbeitet werden

Lese-Tipp:

Impfen gegen Corona: Die Antworten auf 5 der häufigsten Fragen

Contra-Argumente: Das spricht zunächst GEGEN die Impfung gegen Covid-19

Eine Ampulle mit dem Impfstoff gegen Covid-19 von Pfizer-BioNTech wird in der linken Hand gehalten und die Spritze mit dem aufgezogenen Impfstoff sieht man daneben.
Kindern den Corona-Impfstoff verabreichen? Nein, danke!
© imago images/Fotostand, Fotostand / Wundrig via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Und auch diese Punkte haben ihre Daseinsberechtigung: Die Contra-Aspekte. So ist für den Allgemeinmediziner und eigentlich selbsternannten Impf-Fan Dr .med. Christoph Specht schon jetzt klar: "Ich würde meine Kinder nicht impfen lassen."

Laut ihm überwiegen folgende Argumente, die gegen eine Impfung sprechen:

  • es sei unnötig, gesunde Kinder zu impfen, da sie grundsätzlich ein geringes Risiko haben, überhaupt an Corona zu erkranken

Kinderarzt Dr. Martin Hirte aus München schließt sich der Meinung an und ist davon überzeugt, dass Kinder keinen Nutzen von der Impfung hätten, die Risiken aber dann ein Leben lang mit sich herumschleppen.

Sonstige Gegen-Argumente, die von Kritikern der Kinder-Impfung häufig genannt werden, lauten:

  • Kinder spielen bei der Verbreitung des Virus keine große Rolle (sie werden nicht als Superspreader gesehen)
  • trotz Infektion und Krankheit haben Kinder kaum schwere Verläufe, was eine Impfung obsolet macht
  • Kinder sind durch die Nebenwirkung der Impfstoffe gefährdet
  • Die Langzeitfolgen sind noch nicht genug erforscht
  • bei wenig Dosen lieber erstmal Erwachsene (vollständig) impfen

Die Entscheidung für oder gegen eine Corona-Impfung können nur Sie allein treffen

Um Ihnen nach dem Durcheinander und den vielen unterschiedlichen Meinungen aber noch einen Durchatmer mit auf den Weg zu geben: Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Gesundheitsminister Jens Spahn sowie weitere Politiker sind sich in einer Sache definitiv einig. Egal ob Impfung oder nicht, der Schulbetrieb wird trotzdem sicher sein. Und eine verpflichtende Impfung bei Schüler und Schülerinnen für deren Schulbesuch ist ausgeschlossen.

Urlaube werden weiterhin möglich sein und es auch bleiben, dank (negativer) Corona-Tests. Ansonsten heißt es abwarten: Auch die Ärztekammer und Stiko-Chef Thomas Mertens warnt vor zu viel Eile wenn es um die Impfung von Kindern geht.

Nehmen Sie sich die Zeit, sich in Ruhe als Eltern zu besprechen. Hat ihr Kind keine Vorerkrankung, rückt eine Corona-Impfung vielleicht erstmal in die Ferne. Ist Ihr Kind aber eigentlich schon jugendlich und in einem Alter, wo es durchaus schon eigene Entscheidungen treffen möchte, ist es nicht verkehrt, sich mit ihm gemeinsam zu beraten.

Letzten Endes muss stets persönlich abgewägt werden, ob eine Impfung gegen das Coronavirus für Ihr Kind in Frage kommt – oder eben nicht. (vdü)

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