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Kinder können sich bei Problemen an "krisenchat" wenden

Experte im Gespräch mit Merkel: Immer mehr Kinder haben Suizid-Gedanken

Immer mehr Kinder haben psychische Probleme und sogar Selbstmordgedanken.
Immer mehr Kinder haben psychische Probleme und sogar Selbstmordgedanken.
© iStockphoto, Imgorthand

12. März 2021 - 11:25 Uhr

Erschreckende Zahlen im Dialog mit Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht den Dialog mit Menschen, die von der Corona-Krise besonders stark betroffen sind oder die einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Im jüngsten Gespräch hörte sie Menschen zu, die zum Beispiel bei Telefonseelsorgen arbeiten. Mit dabei war auch Bernd Janning, Psychologie-Masterstudent von krisenchat.de. Dabei handelt es sich um ein Chat-Angebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Er berichtet der Bundeskanzlerin von teils dramatischen Problemen, mit denen sich die jungen Menschen an die Plattform wenden.

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Jedes 5. Kind denkt an Selbstmord

Die Probleme, mit denen sich Kinder und Jugendliche an die Experten von krisenchat.de wenden, sind unterschiedlich. Es fängt an bei Liebeskummer und Schulstress, gerade jetzt in Corona-Zeiten. "Wir sehen, dass viele einfach Angst haben in der Situation. Aus ganz verschiedenen Gründen. Es kann Angst sein, sich selbst mit Corona anzustecken oder die Familie anzustecken. Was wir aber viel von Schülerinnen und Schülern sehen, ist eine Angst, nicht mehr mit zu kommen in der Schule und auf sich allein gestellt zu sein. Und dann diese Zukunftsangst, dass sie nicht wissen, wie soll es eigentlich weiter gehen, was passiert, wenn ich jetzt schlecht in der Schule bin", sagte Kai Lanz, Mitgründer von Krisenchat.de im RTL-Interview.

Und die psychischen Folgen können dramatisch sein. Im Gespräch mit Angela Merkel sagt der angehende Psychologe Bernd Janning, der wie etwa 250 andere, ehrenamtlich für krisenchat.de arbeitet: "Die Themen Depressionen, Suizidalität, selbstverletzendes Verhalten werden sehr häufig genannt." Demnach liege die Zahl an Kindern mit Selbstmordgedanken bei 20 Prozent.

Krisenchat erkennt Dunkelziffer

Die Zahl könnte sogar viel höher sein. Schließlich suchen sich nicht alle Kinder und Jugendliche Hilfe, obwohl sie sie bräuchten. "Rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten uns, dass sie noch nie mit jemandem über dieses Thema gesprochen haben. Und deswegen sehen wir bei krisenchat auch, was es für eine enorme Dunkelziffer gibt und haben mit dem niedrigschwelligen Angebot die Möglichkeit in diese Dunkelziffer reinzukommen, die sonst unerkannt bleibt und leisten damit auch ganz früh schon Prävention und können konkret in Krisen unterstützen", so Janning. Was die Macher von krisenchat aber positiv stimme, sei dass das Bewusstsein gestiegen sei, dass Kinder sich Hilfe suchen können.

Das sagt die Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der jungen Gründer, die krisenchat.de im ersten Lockdown herausgebracht haben.

"Wir machen uns ja viele Gedanken über ältere Menschen und über Einsamkeit, aber ich meine für die jungen Menschen ist das auch schon eine einschneidende Erfahrung. Es hat ja im Grunde nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland keine Generation gegeben, die so etwas erlebt hat, dass sie keine Schule hat, oder dass wenn man jetzt Abitur gemacht hat oder einen anderen Schulabschluss, kein Praktikum möglich ist, man viel mehr auf Ablehnung stößt."

Dem pflichtet Janning bei. Man sehe ganz deutlich, dass es Kinder und Jugendliche gebe, die jetzt gestresst seien und denen es nicht gut gehe durch die Corona-Situation. Wenn die aber in gesunden Familien seien, in denen sie Struktur und Stabilität bekommen, dann seien die Probleme in der Regel etwas geringer als bei Kindern, die ohnehin vorbelastet sind, " also die, denen es vorher schon nicht besonders gut ging. Sehr tragisch ist es eben dann, wenn sie sogar schon eine Therapie angefangen haben, wenn jemand schon gelernt hat, mit einer Angststörung in die Öffentlichkeit zu gehen, mit anderen zu sein, im Verein zu sein, sich abzulenken. Wenn das alles weggebrochen ist, kommen natürlich sehr viele alte Glaubenssätze hoch von "ich darf sowieso nirgendwo dabei sein", "ich gehöre nicht dazu". Und das ist etwas was uns auch sehr bewegt."

Auch nach Corona wird es das Angebot weiter geben, weil man den Bedarf erkannt habe, so Janning.

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.

Das Angebot von krisenchat.de ist eine anonyme Chatmöglichkeit für junge Menschen. 250 Ehrenamtler sind rund um die Uhr Ansprechpartner für große und kleine Probleme. Im Chat ist aber keine Therapie möglich. Die Experten beraten aber bei Problemen und können Empfehlungen für Therapien aussprechen.

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