Kreuz-Impfungen werden jetzt empfohlen

Neue Impf-Strategie für Deutschland: Kassenärzte fürchten Ansturm auf ihre Praxen

Corona-Impfung
Corona-Impfung
© dpa, Bernd Weissbrod, bwe exa vco

05. Juli 2021 - 9:12 Uhr

Kreuzimpfung soll die Impfkampagne ankurbeln

Es gibt eine überraschende Änderung im Impfplan: Nach der jüngsten Empfehlung für Kreuzimpfungen setzt der Gesundheitsminister auf AstraZeneca für Ungeimpfte. Bund und Länder erhoffen sich durch die neue Empfehlung kombinierter Corona-Impfungen weiteren Schub für die Impfkampagne. Aber kommen die impfenden Ärzte dann noch hinterher? Sie fürchten nun einen neuen Ansturm auf ihre Praxen.

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Stiko empfiehlt Kombination aus AstraZeneca und mRNA-Impfstoff

Zahlreich verfügbarer AstraZeneca-Impfstoff ermögliche viele Erstimpfungen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Mit einer Zweitimpfung mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna ergebe sich sehr guter Impfschutz, so Spahn nach Beratungen mit seinen Länder-Kolleginnen und -Kollegen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte am Vortag überraschend mitgeteilt, dass Menschen mit erster Dosis von AstraZeneca unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff erhalten sollen. Hintergrund ist auch die schnelle Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Virusvariante. Spahn sagte, die Kombination sei "eine der bestverfügbaren Impfkombinationen", die es gebe.

Wie wird die neue Impfempfehlung umgesetzt?

Allen mit einer ersten Spritze von AstraZeneca solle "so bald wie möglich" eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Amtschef Klaus Holetschek (CSU). Laut Spahn kann das teils sofort passieren - nämlich dort, wo mRNA-Impfstoff auf Lager sei. "Auch bei künftigen Erstimpfungen mit AstraZeneca wollen wir den Impflingen eine Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff anbieten", betonte Holetschek.

"Es wird sehr zügig gehen können, die Empfehlung umzusetzen, weil ausreichend mRNA-Impfstoff da ist", versicherte Spahn. Im Beschluss der Minister von Bund und Ländern heißt es: "Jeder volljährige impfwillige Person, die sich im Juli und August 2021 mit dem Impfstoff von AstraZenca erstmalig impfen lässt, wird zur Vervollständigung der Impfserie in einem Abstand von mindestens vier Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten."

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fürchtet einen neuen Run auf die Praxen, wie KBV-Chef Andreas Gassen sagte. "In den nächsten Wochen stehen in den Praxen über drei Millionen AstraZenca-Zweitimpfungen an." Alle Betroffenen schnell mit mRNA-Impfstoffen zu versorgen, könnten "nicht die Praxen ausbaden", mahnte KBV-Vizechef Stephan Hofmeister.

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Wie wirken die verschiedenen Corona-Impfstoffe?

Spahn betonte, jeder der angebotenen Impfstoffe und jede der Impfstoff-Kombinationen seien wirksam, sicher und gut. Das treffe auch auf zweimalige Impfungen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer oder Moderna zu - und auch auf zwei Spritzen von AstraZeneca. Nun habe sich aber erwiesen, dass die Kombination besonders gut schütze.

Bisher hatte die Stiko solche Kreuzimpfungen bereits jüngeren Menschen mit AstraZeneca-Erstimpfung geraten. Seit Ende März gilt, dass der AstraZeneca-Impfstoff in der Regel nur noch an Menschen ab 60 gespritzt wird, und jüngere ihn nur nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse bekommen. Hintergrund sind sehr seltene, schwere Nebenwirkungen bei Jüngeren.

Auch der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson regt nach Angaben des Unternehmens eine "starke und anhaltende" Immunantwort gegen die Delta-Variante an. Hier ist nur eine Spritze nötig.

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Was ist mit den Auffrischimpfungen?

Soll man sich um eine dritte Spritze von Biontech/Pfizer oder Moderna bemühen, wenn man bereits zwei Mal AstraZeneca bekommen hat? Laut Spahn ist es für eine Antwort darauf etwas zu früh. Politik und Gesundheitsbehörden prüften ständig die Daten darüber, für welche Gruppen welche Auffrischimpfungen ratsam seien. Vor allem an Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Pflegebedürftige sei zu denken.

Eine Stiko-Empfehlung sei in Arbeit, mehr Klarheit werde es im Juli oder August geben, so Spahn. "Wir werden ausreichend Impfstoff haben, um für alle Empfehlungen gewappnet zu sein", versicherte Spahn. Es werde im Herbst und Winter sogar allen eine Auffrischimpfung angeboten werden können, die dies wünschten. "Auch das werden wir möglich machen können."

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