RTL-Medizinexperte gibt Einschätzung

Wie gut schützen unsere Impfstoffe vor der Delta-Variante?

Neue Studie aus Paris: Welcher Impfstoff bietet den besten Schutz gegen die Mutation Delta?
Neue Studie aus Paris: Welcher Impfstoff bietet den besten Schutz gegen die Mutation Delta?
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24. Juni 2021 - 14:30 Uhr

Coronavirus: Sorge vor der Delta-Mutation wächst

Viele Deutsche haben bereits eine (erste) Impfung erhalten und die sinkenden Inzidenzwerte lassen auf einen Sommer mit mehr Normalität hoffen. Wären da nicht die verschiedenen Coronavirus-Mutationen, die uns immer noch Sorgen bereiten.

Eigentlich hieß es, dass die Impfstoffe nicht nur gut gegen eine Covid-19-Erkrankung schützen, sondern auch gegen die neuartigen Virus-Mutationen. Eine neue Studie aus Paris will nun allerdings herausgefunden haben, dass der Schutz gegen das Coronavirus bei der Delta-Mutation, bisher als indische Variante bekannt, gar nicht mal so hoch ist. RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht schätzt ein.

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Wie wirken die aktuell eingesetzten Impfstoffe gegen B.1.617?

Eine Studie aus Paris, die allerdings noch nicht von weiteren Wissenschaftlern und Experten begutachtet wurde, zeigt, dass Genesene und Biontech-Geimpfte deutlich schlechter gegen die Delta-Coronavirus-Variante geschützt sind, als bisher angenommen. Dazu postete auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf seinem Twitter-Account. Dennoch würde eine Impfung ausreichen, um einen schweren Krankheitsverlauf zu verhindern. Darüber hinaus seien Genesene untersucht worden. Auch sie seien deutlich schlechter geschützt. Laut der Pariser Studie biete auch eine einmalige Impfung mit AstraZeneca kaum Schutz gegen die B.1.617-Variante.

Eine neuere Antikörper-Studie der Oxford University fand nun allerdings heraus, dass der Impfstoff von AstraZeneca sowohl gegen die Virusvariante Delta als auch gegen die Kappa-Variante schützt. Auch diese wurde zunächst in Indien nachgewiesen.

Lese-Tipp: Überblick: Diese Corona-Mutanten gibt es - und so gefährlich sind sie

Biontech-Impfstoff: Neue Informationen geben Entwarnung

Laut eines Unternehmensvertreters soll der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer eine sehr hohe Wirksamkeit gegen die Delta-Variante haben. Der medizinische Direktor von Pfizer, Alon Rappaport, teilte dem israelischen Armee-Rundfunk zudem mit, dass bisher alles darauf hindeute, dass das Vakzin zu rund 90 Prozent Covid-19 verhindern könne. Das geht aus den bislang vorliegenden Daten hervor.

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Delta-Mutation beeinträchtigt Impfstoff-Wirkung: Was meint Medizinexperte Dr. Specht?

Dr. Christoph Specht beantwortet Ihre Fragen rund um das Thema Coronavirus.
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© rtl.de

Auch Medizinexperte Dr. Christoph Specht gibt zunächst Entwarnung. Es gäbe ständig neue Varianten mit neuen Mutationen, da das Virus sich an den Wirt – also den Menschen – andocken und weiter verbreiten möchte. Es verändert sich dann so, dass es trotzdem in unser Immunsystem eindringen kann.

Wenn sich die verschiedenen Mutationen weiter vom Ursprungstyp entfernen und weiterentwickeln, hat unser Immunsystem Probleme damit, das Virus zu blockieren, so der Allgemeinmediziner. Eine Infektion wäre also auch noch möglich, auch wenn man als genesen oder vollständig geimpft gilt. Symptome können aber erst dann auftreten, wenn sich die Variante immer mehr vom Ursprungstyp entfernt hat, da die aktuellen Corona-Impfstoffe eben genau für diesen Ursprungstyp des Coronavirus entwickelt wurden. Allerdings ist ein schwerer Verlauf dennoch ausgeschlossen.

Dr. Specht betont außerdem, dass es hierbei nicht um ein "Alles oder nichts"-Gesetz geht: Auch nach einer 2. Biontech-Impfung besteht ein Schutz von 88%, bei einer Impfung mit Astrazeneca sind wir zu 60% gegen die Delta-Mutation geschützt. Man ist einer neuen Mutation also nicht so ausgesetzt, wie als Nicht-Genesener oder Nicht-Geimpfter. Schwere Verläufe und Todesfälle gelten als unwahrscheinlich.

Lese-Tipp: RKI: Delta-Variante in Deutschland jetzt schon bei 15 Prozent

Was genau hat es mit der Delta-Mutation B.1.617 auf sich?

Die SARS-CoV-2 B.1.617-Linie wurde zum ersten Mal im Oktober 2020 in Indien nachgewiesen. Seitdem ist sie nicht nur dort auf dem Vormarsch, sondern auch in einigen anderen Ländern, wie zum Beispiel in Großbritannien. Das Problem: Sie ist ansteckender als das "normale" Virus, sie verbreitet sich schneller und ist unempfindlicher gegenüber Antikörpern. Bedeutet: Möglicherweise schützen die vorhandenen Impfstoffe nicht so gut gegen die Delta-Variante. Das zumindest befürchten einige Experten bereits seit Wochen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft B.1.617 als "besorgniserregend" ein. (vdü)

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