Experte deutlich: "Die Leute haben sich nicht genügend infiziert"

Corona: Warum sterben in China so viele Menschen?

Corona-Tote werden angeblich auf offener Straße verbrannt Schockierende Szenen in China
00:38 min
Schockierende Szenen in China
Corona-Tote werden angeblich auf offener Straße verbrannt

30 weitere Videos

von Diana Heuschkel und Jessica Bürger

Seit China seine Null-Covid-Strategie abgeschafft hat, steigen die Corona-Zahlen im Land unaufhörlich. Bereits Mitte Dezember berichteten Medien von überfüllten Krankenhäusern und überlasteten Krematorien, nun sollen laut Medienberichten Familien ihre verstorbenen Angehörigen sogar auf den Straßen verbrennen. Mehr dazu sehen Sie oben im Video.

Doch wieso sterben in der Volksrepublik nach fast drei Jahren Corona mit einem Mal so viele Menschen an dem Virus?

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

In China sterben aktuell 5.000 Menschen täglich

Dr. Christoph Specht schätzt die aktuelle Lage in China ein.
Dr. Christoph Specht schätzt die aktuelle Lage in China ein.

Lockdowns, Zwangsquarantäne. Massentests – so sieht bis Dezember 2022 die Corona-Politik in China aus. Von jetzt auf gleich endet jedoch die Null-Toleranz-Strategie in China. Wer infiziert ist, darf nun sogar weiterhin zur Arbeit gehen, sofern die Betroffenen keine oder nur leichte Symptome aufzeigen. So berichtet es die Deutsche Presse-Agentur Ende letzten Jahres. Seitdem steigen jedoch nicht nur die Corona-Zahlen in China immer weiter an, sondern vor allem die Todeszahlen. Laut der Informationswebsite „Corona in Zahlen“, die ihre Zahlen unter anderem von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bezieht, sterben aktuell über 5.000 Menschen täglich in der Volksrepublik. Doch wie kann das sein?

Lese-Tipp: Corona-Lage in China eskaliert! Müssen wir uns Sorgen machen?

Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht erklärt auf RTL-Anfrage: „Das liegt daran, dass viele Menschen dort überhaupt keine oder nur eine völlig unzureichende Immunität haben.“ Das liege vor allem an zwei Fehlern, die China in den vergangenen Jahren gemacht habe. Erstens habe China seine Null-Covid-Strategie zu lange durchgezogen. „Die Leute haben sich nicht infiziert und keine natürliche Immunität ausbilden können“, so Specht. Zweitens sei nicht genügend geimpft worden.

Ihre Meinung zählt!

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Hat China zu wenig geimpft?

Die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet bereits im Februar 2022 von einer zu geringen Impfquote im Land. Demnach habe man in Peking, Chinas Hauptstadt, sofort versucht, eine Herdenimmunität herzustellen, die ländlichen Regionen jedoch außen vorgelassen. Außerdem seien zwar Risikopatienten geimpft worden, die meisten Impfungen seien jedoch vor allem an die 18- bis 59-Jährigen gegangen. Man sei unsicher gewesen, wie junge und alte Menschen auf die in China zugelassenen Impfstoffe Sinopharm und Sinovac reagieren würden. Statt breit gefächert zu impfen, habe man sich eben auf bestimmte Schlüsselgruppen konzentriert.

Nach offiziellen Angaben liegt die Impfquote in China bei über 90 Prozent, doch Specht zweifelt die Zahlen schon im Dezember im ntv-Interview an. Und auch jetzt sagt er: „In China ist nicht genügend geimpft worden.“ Gerade bei den über 60-Jährigen und auf dem Land gebe es noch eine ganze Menge Ungeimpfter.

Im Video: Corona in Deutschland - Wie Kinder unter der Pandemie gelitten haben

Wie Kinder und Jugendliche unter Corona gelitten haben Schließungen von Kitas und Schulen nicht notwendig
02:12 min
Schließungen von Kitas und Schulen nicht notwendig
Wie Kinder und Jugendliche unter Corona gelitten haben

30 weitere Videos

"Gott sei Dank ist das jetzt eine Epidemie mit Omikron"

Und: „Gott sei Dank ist das jetzt eine Epidemie mit Omikron in China und nicht mit Delta“, sagt Specht weiter, „denn sonst hätten wir wahrscheinlich Infektionen mit dem Faktor zehn und noch höhere Todeszahlen".

Lese-Tipp: Ulrike kämpft mit Long Covid: „Ich habe mich gefühlt, als wäre ich dement.“

Er gehe davon aus, dass es in China am Ende genauso ablaufen werde wie im Rest der Welt. Die jüngere Bevölkerung werde die Infektionen gut wegstecken, aber viele Ältere eben nicht. „Wir stehen hier in Deutschland nur so gut da, weil wir diese Kombination aus Immunität durch Impfung haben, plus natürliche Infektionen mit dieser „leichteren“ Omikron-Variante“, so Specht.