Anne Will-Talk zum Ukraine-Krieg

Baerbock : "Momente in der Außenpolitik, wo man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen kann"

Annalena Baerbock Buendnis 90/Die Gruenen, Bundesaussenministerin, gibt bei ihrer Ankunft am NATO-Hauptquartier einen Doorstep. Baerbock reist zu Treffen der NATO-Aussenministerinnen und Aussenminister, sowie der G7-Aussenministerinnen und Aussenmini
Annalena Baerbock: "Wenn wir den Krieg, das Leiden von Vätern, Müttern und Kindern in dieser Minute beenden könnten, würden wir das tun. Aber wir haben auch eine Verantwortung für alle Europäer in ihren Ländern."
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von Marko Schlichting

Das zweite Kriegswochenende ist in der Ukraine zu Ende gegangen. Viele Menschen sind auf der Flucht, vor allem Frauen und Kinder. Männer unter 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen. Sie müssen kämpfen, und sie wollen kämpfen – für ihr Recht, für ihre Heimat. Der Krieg ist in den großen Städten angekommen, und er ist besonders grausam geworden. Die russischen Soldaten, die die Ukraine erobern wollen, werfen vor allem Bomben aus Flugzeugen. Darum hat der ukrainische Präsident Selenskyj eine Flugverbotszone gefordert, die die NATO überwachen soll. Die hat aber nein gesagt.

Warum, das hat am Sonntagabend Außenministerin Annalena Baerbock bei Anne Will im Ersten erklärt.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Baerbock: "Haben die Verantwortung zu verhindern, dass dieser Krieg zu einem dritten Weltkrieg wird"

In der Ukraine tobe ein grauenvoller Krieg, " die Worte des ukrainischen Präsidenten treffen ins Herz", sagt Baerbock. Dabei zittert ihre Stimme. Doch dann erklärt sie: "Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren." Eine Flugverbotszone über der Ukraine bedeute im Ernstfall, dass die NATO russische Flugzeuge abschießen müsste, wenn Russland die Flugverbotszone verletzen würde - und das würde es.

"Wenn wir den Krieg, das Leiden von Vätern, Müttern und Kindern in dieser Minute beenden könnten, würden wir das tun. Aber wir haben auch eine Verantwortung für alle Europäer in ihren Ländern. Und wir haben die Verantwortung zu verhindern, dass dieser Krieg zu einem dritten Weltkrieg wird", sagt die Ministerin. Man habe viele Möglichkeiten genutzt, Druck auf Russlands Präsident Wladimir Putin auszuüben. Dazu gehörten auch Waffenlieferungen. "Aber wir können ein Überschwappen des Krieges auf weitere Länder wie Polen und das Baltikum nicht verantworten", macht Baerbock klar. Das seien die Momente in der Außenpolitik, wo man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen könne.

Ukrainischer Botschafter: Die Angst vor einem Angriff auf die NATO eine Ausrede

 Andrij Melnyk bei Anne Will 2022-06-06, Deutschland, Berlin - Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, zu Gast bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen. Thema der Politik-Talkrunde in der ARD: Krieg gegen die Ukra
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk: "Das Argument mit dem Dritten Weltkrieg ist für uns nicht tragbar."
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Der einzige, der in der Sendung die Außenministerin kritisiert, ist der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk. "Das Argument mit dem Dritten Weltkrieg ist für uns nicht tragbar", sagt er. "Wir glauben, dass die Angst vor einem Angriff auf die NATO nur eine Ausrede ist." Gleichzeitig beklagt Melnyk, dass außer den bereits versprochenen Waffen keine weiteren angekommen seien. Nur 50.000 Esspakete für die Soldaten seien geliefert worden.

Als andere Gäste gar vor einem Atomkrieg warnen, sagt er: "Den Atomkrieg verzögern Sie nur. "Dieser Krieg könnte auf Deutschland zukommen, ob Sie wollen oder nicht." Verhindern könne man das nur mit Waffenlieferungen, die Diplomatie jedenfalls habe versagt.

Dass Russlands Präsident Putin die NATO angreift, glauben die Gäste nicht. Vorher würde er gestoppt werden, sagt der Vizepräsident der Europäischen Union, Frans Timmermans. Er weiß aber nicht, von wem. Vielleicht seien es die jungen Leute in Russland, vielleicht sein eigenes Umfeld, vielleicht würden die Sanktionen dabei helfen.

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