Faktencheck: Woher kommt unser Fleisch?

Alles, was Sie jetzt über Fleischproduktion wissen müssen

25. Juni 2020 - 10:09 Uhr

Zahlen und Fakten rund ums Thema Fleisch

Der Corona-Ausbruch in Schlachtbetrieben bringt vielen nochmal ins Bewusstsein, unter welchen fragwürdigen Bedingungen unser Fleisch produziert wird. Auf engstem Raum arbeiten und leben die Angestellten in den Fabriken, schlachten und zerlegen Tiere am Fließband. Dabei sind sie nur ein Glied in der Kette der Fleischproduktion: Angefangen bei den Tieren und Bauern bis hin zum Konsumenten: Wir machen den großen Faktencheck rund ums Thema Fleisch und fassen zusammen: Welche Haltungsformen für Masttiere gibt es? Was verdient ein Arbeiter in einer Fleischfabrik? Und wie viel kostet das Fleisch am Ende den Verbraucher?

Ein Kilogramm Fleisch für weniger als fünf Euro

59,5 Kilogramm – so viel Fleisch haben die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich pro Kopf gegessen. Die beliebteste Fleischsorte ist das Schwein. Deswegen beziehen sich die folgenden Fakten auch auf Schweinefleisch.

Ein Blick in die aktuellen Angebote verschiedener Supermärkte und Discounter zeigt: Ein Kilo Kotelett oder Rücken bekommt man schon für unter fünf Euro. Trotz Fleisch-Krise unterbieten sich die Supermärkte bei den Preisen. Nur mal so zum Vergleich: Ein Kilo Tomaten kostet im Schnitt mit sechs Euro sogar mehr.

Die Haltungsformen schlagen sich im Preis nieder

Haltungsform Stallhaltung
Das von der ITW entwickelte Kennzeichnungssystem besteht aus vier Stufen. Die erste Stufe "Stallhaltung" entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen. Foto: Initiative Tierwohl
© deutsche presse agentur

Wie viel das Fleisch kostet, hängt natürlich auch damit zusammen, unter welchen Bedingungen das Schwein gehalten wurde. Um die Haltungsform für den Verbraucher transparenter zu gestalten, wurde im April 2019 eine einheitliche Kennzeichnungsform zur Haltung eingeführt.

Das bedeuten die vier verschiedenen Stufen:

  • Stufe 1 – Stallhaltung. Das Fleisch der Tiere mit diesem Label entspricht dem gesetzlichen Standard. Für die Schweine heißt das, jedem Tier stehen 0,75 m² zu, sie stehen ausschließlich im Stall, meistens auch ohne Tageslicht.
  • Stufe 2 – StallhaltungPlus. Die Schweine bekommen mindestens 10 Prozent mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben. Außerdem haben sie Beschäftigungsmaterial, wie zum Beispiel Holzstücke in ihren Gehegen.
  • Stufe 3 – Außenklima. Jedes Tier erhält 40 Prozent mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben. Das entspricht etwas mehr als 1 m² pro Tier. Außerdem muss ihr Stall Fenster oder Öffnungen haben, um frische Luft hereinzulassen und in den Gehegen muss Stroh oder ähnliches organisches Material liegen.
  • Stufe 4 – Premium. Mit 1,5 m² pro Tier haben die Schweine hier doppelt so viel Platz, wie gesetzlich vorgeschrieben. Neben eingestreuten Ställen muss für die Tiere außerdem immer Zugang zu Auslauf an der frischen Luft oder eine komplette Freilandhaltung gewährleistet sein.

Natürlich schlägt sich die Premium-Haltungsform im Preis nieder – Rund 25 Euro muss man im Supermarkt für ein Kilo Bio-Schweinefleisch ausgeben.

Landwirte verdienen zu wenig am Fleisch

Die Bio-Schwein-Aufzucht macht nur einen kleinen Teil aus. Die meisten Schweine stammen aus Mastbetrieben. Seit einigen Jahren schon kritisieren Tierschützer: Es gibt immer weniger Betriebe mit immer mehr Tieren. Das bedeutet: Die Massentierhaltung nimmt zu. Nur so können sich Landwirte die Schweine-Mast überhaupt leisten. Denn trotz Kosten für Stall, Ausstattung, Futter und Medikamente verdient ein Bauer an einem Kilo Schweinefleisch durchschnittlich nur 1,66 Euro! Umgerechnet auf ein ganzes Schwein hat der Bauer nach allen Ausgaben und Abzügen dann 10 Euro verdient.

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Wie geht es den Mitarbeitern an den großen Schlachthöfen?

55 Milliarden Schweine werden pro Jahr in Deutschland insgesamt geschlachtet. Die Firma Tönnies ist mit einem Schlachtaufkommen von 17 Millionen Schweinen der größte Fleischverarbeiter bei uns. Die meisten Arbeiter kommen aus dem Ausland – offiziell wird ihnen der Mindestlohn von 9,35 Euro die Stunde gezahlt. Überstunden und Einsätze am Wochenende gehören aber ganz normal dazu. Warum nun gerade auf Schlachthöfen die Infektionszahlen mit dem Corona-Virus so hoch ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen können häufig nicht die Abstandsregeln eingehalten werden. Zum anderen macht die schwere körperliche Arbeit anfälliger für Infektionen. Außerdem leben die Arbeiter oft in Gemeinschaftsunterkünften – das kann eine Ansteckung begünstigen.

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