„Sie bedeutet alles für mich”: Spenderin trifft Knochenmarkempfänger – sie schenkte ihm ein zweites Leben
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Tina Ewens wartet am Flughafen Köln/Bonn auf Joshua. Die beiden haben sich noch nie gesehen, und doch sind sie sich näher als viele andere Menschen. Sie spendete ihm Knochenmark. Und ermöglichte ihm damit ein zweites Leben. Jetzt begegnen sich Tina und Joshua zum ersten Mal.
Tina Ewens ist nervös. Hier am Flughafen in Köln wird sie gleich den Mann treffen, dem sie mit einer Knochenmarkspende das Leben gerettet hat. „Ich bin maximal angespannt und aufgeregt und freue mich einfach nur, wenn er jetzt kommt und ich ihn zum ersten Mal sehe und mal leibhaftig vor mir habe.“ Tina ist eine von 120.000 Menschen in Deutschland, für die es ein Perfect Match gab, also einen genetischen Zwilling. Der Anruf der DKMS bedeutet ihr viel. „Das war schon ein besonderer Moment, wo ich glaube ich auch das erste Mal registriert habe, hier geht es tatsächlich um was. Das ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt von Daten, die von mir in irgendeiner Datenbank leben, sondern da ist vielleicht jemand dran, der wirklich diese Hilfe braucht."
Bei der Datenbank der Deutschen Knochenmarkspende kann sich jeder zwischen 18 und 55 registrieren lassen. Ganz einfach mit einer Speichelprobe. Sollte es einen genetisch passenden Patienten geben, kann man freiwillig spenden. Entweder wird Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Oder man gewinnt Stammzellen aus dem Blut. Ein Verfahren ähnlich einer Dialyse. So wie bei Tina Ewens. „Man fühlt sich danach, als sei man ein Halbmarathon oder Marathon gelaufen, aber ansonsten keinerlei körperliche Einschränkungen. Ich bin auch zwei Tage später wieder arbeiten gegangen. Das ist alles überhaupt gar kein Problem. Also wirklich ein Klacks.“
Ein Klacks, der in Ihrem Fall ein Leben rettet. Doch die DKMS sucht dringend Menschen, die sich neu als Spender registrieren. Der Grund: das Alter. „Wir werden dieses Jahr alleine 150.000 Leute verabschieden, weil sie über 60 Jahre alt geworden sind. Und dann darf man nicht mehr Stammzellen spenden. Die müssen wir alleine wieder neu auffüllen durch neue Spender, damit wir nicht schlechter werden.“
Junge Menschen sind also besonders aufgefordert, zumal sie statistisch diejenigen sind, die am Ende, wenn es konkret wird, eher tatsächlich spenden. So wie Tina. Das lange Warten hat endlich ein Ende. Und sie sieht Joshua, den Mann, dem sie das Leben gerettet hat. „Lass dich anschauen. So bist du in echt. That's real, Josh. Ja.“
Das Kennenlernen mit Joshua aus Washington wird sie wohl nicht mehr vergessen.
„Das ist so ein Geschenk, das hier erleben zu dürfen und den Josh das erste Mal zu sehen. Und er lächelt genauso wie auf den Fotos.
Und auch der Amerikaner ist seiner Spenderin dankbar, denn sie hat ihm ein zweites Leben geschenkt. Ich habe erlebt, wie meine Töchter den Schulabschluss gemacht haben. Meine Älteste macht nächsten Monat den Uniabschluss. Ich hätte alles verpasst, gäbe es Tina nicht. Also sie ist ein wichtiger Teil meiner Familie und ein wichtiger Teil meines Lebens. Ohne sie wäre da gar nichts. Sie bedeutet alles für mich. Und sie zu sehen, bedeutet alles für mich. Ein Treffen, das wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Man könnte sagen, Tina und Joshua sind jetzt Blutsverwandte.

