Atomkraftwerke laufen bis April

AKW-Verlängerung: Kabinett winkt den "Basta"-Beschluss durch

 Atomkraft Atomkraftwerk Das Kernkraftwerk Isar, auch Kernkraftwerk Isar/Ohu liegt in Niederbayern im Dorf Unterahrain Markt Essenbach Kreis Landshut, 14 Kilometer flussabwärts von Landshut, auf dem Gebiet des Marktes Essenbach. Auf dem Werksgelände
Grünes Licht vom Kabinett: Die drei letzten am Netz befindlichen Atomkraftwerke laufen weiter.
www.imago-images.de, IMAGO/Smith

Die Bundesregierung hat die geplante Laufzeitverlängerung der drei letzten am Netz befindlichen Atomkraftwerke beschlossen. Das Kabinett gab dafür jetzt grünes Licht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte dies am Montagabend mit einem Machtwort angeordnet und so den wochenlangen Streit in der Ampel-Koalition - vor allem zwischen Grünen und FDP - beendet.

Das parlamentarische Verfahren für die Gesetzesänderung soll bis Ende November abgeschlossen sein.

FDP hatte auf längere Nutzung gedrängt

Die Meiler Isar 2, Neckarwestheim 2 und im Emsland können damit in der Energiekrise bis zum 15. April 2023 laufen. Eigentlich hätten alle drei zum Jahresende abgeschaltet werden müssen. Insgesamt können die drei Meiler im Jahr 2023 dem Gesetzentwurf zufolge rund 5,4 Terawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch Berlins in einem halben Jahr.

Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) betonten, neue Brennstäbe für eine längere Nutzung sollten nicht mehr angeschafft werden. Das hatte Scholz vorgegeben. Deswegen signalisierten die Grünen ihre Zustimmung zu dem Kompromiss. Die FDP hatte auf eine deutlich längere Nutzung der Meiler gedrungen. Die hält auch die Industrie für nötig.

Lemke sprach von einer guten Lösung, Mitte April sei endgültig Schluss mit der Atomkraft. Der Weiterbetrieb für wenige Monate sei vertretbar. Habeck ergänzte, bis April würden die Meiler im Streckbetrieb sein. Das könne sich in diesem Winter vor allem in Süddeutschland positiv auswirken. "Das wird helfen in der angespannten Situation." Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar haben sich die Strompreise massiv verteuert, Gas ist ein knappes Gut geworden. Viele Unternehmen stehen deswegen mit dem Rücken zur Wand, auch immer mehr Haushalte fürchten, ihre Rechnungen nicht mehr zahlen zu können.

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Isar 2 muss im Oktober eine Woche lang repariert werden

Isar 2 muss laut Gesetzentwurf im Oktober für eine Reparatur für eine Woche heruntergefahren werden. Neckarwestheim und Emsland müssen Anfang 2023 jeweils rund zwei Wochen lang aussetzen für eine neue Konfiguration des Reaktorkerns. Die Brennelemente von Isar 2 würden dann wohl Anfang März aufgebraucht sein, die anderen könnten bis 15. April laufen.

Das Münchner Ifo-Institut rechnet wegen der Laufzeitverlängerung mit einer deutlichen Entspannung bei den Strompreisen. Der Streckbetrieb könnte sie über das ganze kommende Jahr gerechnet um etwa neun Prozent drücken, sagte Ifo-Energieökonom Mathias Mier der "Augsburger Allgemeinen". "Die kritische Phase ist vor allem von Dezember bis April, in diesen Monaten ist mit einem spürbaren Preiseffekt zu rechnen." Andere Experten bewerten den Effekt auf den Strompreis als nicht hoch. (dpa/eku)

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