Potenzial für weitere Übertragung im Sommer hoch

Affenpocken: WHO warnt vor Ausbreitung auf Festivals – Arzt ordnet Ansage ein

Dr. Specht und Festival Besucher
Der Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ordnet die aktuelle WHO-Festival-Warnung zu den Affenpocken ein.
iStockphoto

von Madeline Jäger

Der erste Festival-Sommer seit Corona steht bevor. Am Freitag (3. Juni 2022) startet „Rock am Ring“ und viele weitere Musik-Veranstaltungen und Partys sollen in ganz Deutschland folgen. Doch aktuell warnt die WHO vor einer Ausbreitung der Affenpocken auf Festivals und Partys. Wie ist diese Warnung zu verstehen und worauf sollten Festival-Besucher vor diesem Hintergrund achten? Medizinjournalist und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht ordnet die Ansage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im RTL-Gespräch ein.

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WHO-Warnung vor Ausbreitung der Affenpocken auf Festivals: „Potenzial ist hoch“

Das WHO-Regionalbüro Europa warnt aktuell vor einer Verbreitung der Affenpocken auf bevorstehenden Festivals und großen Partys. „Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo im Sommer ist hoch“, so steht in der entsprechenden Mitteilung.

Zusammen mit der Aufhebung von Corona-Maßnahmen, die Reisen und Großveranstaltungen eingeschränkt hatten, sei es zu einer schnellen, verstärkten Übertragung gekommen. Auch wenn viele bisherige Fälle mit sexuellen Aktivitäten in Verbindung stünden, dürfe man nicht vergessen, dass das Virus jeden treffen könne, so die Weltgesundheitsorganisation.

Lese-Tipp: Wie gefährlich wird das Virus für uns? Affenpocken-Liveticker - WHO Europa warnt vor Ausbreitung bei Festivals

Wegen Affenpocken: Besser kein Sex auf Festivals? „Promiskuitives Sexualverhalten ist ein Risiko“

Der Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht sieht die Lage im RTL-Interview nicht ganz so alarmierend. Die WHO-Warnung sei nicht als Bitte zu verstehen, gar keine Festivals zu besuchen. Sich bei einem Musikfestival mit den Affenpocken anzustecken sei sehr unwahrscheinlich, wenn kein enger Körperkontakt besteht.

„Die Warnung der WHO richtet sich in erster Linie an promiskuitiv lebende homo- oder heterosexuelle Frauen und Männer“, erklärt Dr. Specht. Das heißt: Wer wechselnde Sexualpartner hat, sei sehr viel stärker gefährdet, sich mit dem Affenpocken-Virus zu infizieren. Aktuell gehen die zuständigen Gesundheitsbehörden der Vermutung nach, dass „Gay-Pride“-Partys auf der Urlauberinsel Gran Canaria ein weiterer Ansteckungsherd für die Ausbreitung der Affenpocken gewesen sein könnten. Wie die Zeitung „El País“ berichtet, besuchten vor allem homosexuelle Männer die "Maspalomas Pride". Vom 5. bis zum 15. Mai hatten laut der Zeitung etwa 80.000 Menschen aus Spanien und vielen anderen Ländern teilgenommen. Unter anderem auf dieser Grundlage sei die WHO-Warnung ausgesprochen worden.

Lese-Tipp: Mediziner klärt auf – Affenpocken-Fälle in Deutschland: Wie wird die Krankheit übertragen und wie schütze ich mich?

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Affenpocken-Übertragung auf Festivals? Eher selten, wenn Sie hierauf achten

Klar sei trotzdem: „Affenpocken sind natürlich nicht abonniert auf homosexuelle Männer, die promiskuitiv leben, aber sie gehören zur Risikogruppe und die sollten natürlich auch auf Festivals aktuell vorsichtig sein“, so Specht.

Doch generell sei ein Festivalbesuch für niemanden ein Problem. „Wenn ein Festival nicht mit sehr engem Körperkontakt verbunden ist, dann besteht auch kein erhöhtes Ansteckungsrisiko, denn die Affenpocken lassen sich gar nicht so einfach von Menschen zu Mensch übertragen. Der bloße Besuch eines Festivals ist kein Problem“, so Specht deutlich. Vor allem im Hinblick auf Geschlechtsverkehr seien jedoch, je nach Festival, durchaus bestimmte Risiken gegeben. Daher gilt es laut des Arztes vor allem für die Risikogruppen auf Folgendes zu achten:

  • Affenpocken-Übertragung nur bei sehr engem Körperkontakt möglich (Austausch von Körperflüssigkeiten und Kontakt mit Schorf)
  • Daher: Engen Körperkontakt mit Fremden vermeiden und vor allem wechselnde sexuelle Kontakte vermeiden

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00:33 min
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Affenpocken versus Corona: Affenpocken-Übertragung viel schwerer

Doch generell sei die Übertragung der Affenpocken wesentlich schwieriger als beispielsweise die Ansteckung mit dem Coronavirus. „Selbst, wer auf einer Wiese bei einem Festival direkt gegenüber von einem Infizierten sitzt, kann sich gar nicht so schnell mit den Affenpocken anstecken. Nur, wenn jemand mit der Person knutscht oder Sex hat, kann man sich infizieren. Die Übertragung findet nicht über Aerosole mit Kleinst-Tröpfchen statt, so wie wir das von Corona kennen. Das müssen schon sehr große Tropfen sein! Die bekommt man nur dann ab, wenn man über lange Zeit einer Person sehr nah gegenübersteht“, so Specht. Hier müsste schon einiges zusammenkommen, fasst der Mediziner zusammen.