Alle aktuellen Entwicklungen hier im ÜberblickAffenpocken-Liveticker - USA verhängen nationalen Notstand

Menschen stehen in einer Schlange vor einer Affenpocken-Impfstelle im Stadtbezirk Brooklyn. Die New Yorker Gouverneurin Hochul hatte wegen der zunehmenden Fälle von Affenpocken im Bundesstaat den Katastrophenzustand ausgerufen.
deutsche presse agenturEigentlich ist ihr Vorkommen selten, und eigentlich ist die Viruserkrankung in Europa ausgerottet. Doch Anfang Mai meldete Großbritannien den ersten Affenpocken-Fall, kurz darauf schlugen auch andere europäische Länder sowie Israel, die USA und Kanada Alarm. Am 20. Mai tauchte der erste Fall auch bei uns in Deutschland auf. Was kommt da nun auf uns zu, wie gefährlich wird das Virus für uns? Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.
Madeline Jäger
USA verhängen nationalen Notstand wegen Affenpocken
Die US-Regierung hat wegen der sich weiterverbreitenden Affenpocken den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Mit dem Schritt sollen unter anderem Mittel des Bundes freigegeben werden können, um das Virus zu bekämpfen. „Wir sind bereit, unsere Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Virus auf die nächste Stufe zu heben, und wir fordern jeden Amerikaner auf, die Affenpocken ernst zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen, um uns bei der Bekämpfung dieses Virus zu helfen“, sagte US-Gesundheitsminister Xavier Becerra am Donnerstag.
Angesichts der schnellen Verbreitung der Affenpocken hatte die WHO vor knapp zwei Wochen die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Ausbruch sei eine „Notlage von internationaler Tragweite“, hatte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärt. Die internationale Verbreitung der Infektionskrankheit ist ungewöhnlich. Bisher war sie im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt. Laut Gesundheitsministerium gibt es in den USA mittlerweile rund 6.600 Fälle. Rund 1,1 Millionen Impfdosen würden für die Menschen im Land bereitgestellt, sagte Becerra. Er kündigte an, die Kapazitäten bei den Tests auf 80. 000 pro Woche zu erhöhen. Einzelne US-Bundesstaaten und große Städte, etwa der Bundesstaat New York und San Francisco, hatten bereits zuvor den Notstand ausgerufen und um Hilfe des Bundes gebeten.
Aktuell konzentriert sich der Ausbruch weitgehend auf Männer, die Sex mit Männern haben. In den USA wurden jedoch nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC bereits Fälle bei Kindern bestätigt. Bei einer Affenpocken-Infektion können Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten sowie Fieber, Schüttelfrost und Muskelschmerzen auftreten. In der Regel verläuft die Krankheit nicht tödlich, allerdings wurden am vergangenen Freitag und Samstag die ersten beiden europäischen Todesfälle in Spanien bekannt.
Sandy Liesen
Erstes Kita-Kind in Deutschland mit Affenpocken infiziert
Das erste Kita-Kind in Deutschland hat sich mit dem Affenpocken-Virus infiziert. Das hat laut das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration RTL bestätigt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel.
Madeline Jäger
Bremen bietet anonyme Beratung und Tests auf Affenpocken
Das Gesundheitsamt Bremen reagiert mit einem anonymen und kostenlosen Beratungs- und Testangebot auf die Verbreitung der Affenpocken-Fälle. Seit Juni gebe es im Land Bremen vereinzelte Fälle, teilte die Gesundheitssenatorin am Donnerstag mit. Bislang wurden acht Infektionen in dem Bundesland gemeldet. In Bremerhaven gibt es eine telefonische Beratung, über die ein Test vermittelt werden kann.
Das Beratungs- und Testangebot sei eingerichtet worden, weil im Fall einer Erkrankung mit einer Stigmatisierung zu rechnen sei, hieß es. Nach einer vorherigen telefonischen Terminvereinbarung können demnach Informationen rund um die Infektion erfragt und eine anonyme Testung vereinbart werden. Allerdings fällt die Anonymität bei einem positiven Ergebnis weg, weil dann das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen nachverfolgen muss. Bei einer Infektion mit Affenpocken muss die betroffene Person für 21 Tagen in Isolation.
Laut Robert Koch-Institut erfolgen viele Infektionen über sexuelle Aktivitäten zwischen Männern. Allerdings handelt es sich nicht um eine rein sexuell übertragbare Krankheit; alle Geschlechter können erkranken.
Madeline Jäger
Zwei Jugendliche in Deutschland infiziert
Rund drei Monate nach dem ersten Affenpocken-Nachweis in Deutschland spricht das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals von bekannt gewordenen Ansteckungen bei Minderjährigen. Bei allen Fällen, außer zwei Jugendlichen, handele es sich um Erwachsene, heißt es in der Lage-Einschätzung des RKI vom Dienstag (2. August 2022). Zunächst hatte der „Spiegel“ über zwei Betroffene im Alter von 15 und 17 Jahren berichtet. Wie aus einer RKI-Datenbank hervorgeht, stammen die Fallmeldungen aus Stuttgart und Erfurt, beziehen sich auf die erste Julihälfte (Meldewochen 27 und 28) und auf männliche Jugendliche.
Insgesamt sind dem RKI mittlerweile 2.724 Infektionen aus allen Bundesländern übermittelt worden, fast ausschließlich handelt es sich um Männer. „Die Übertragungen erfolgen in diesem Ausbruch nach derzeitigen Erkenntnissen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern haben“, erklärt das RKI. „Bislang sind nur fünf weibliche Fälle in Deutschland übermittelt worden.“ Mit Abstand am höchsten ist die Inzidenz in Berlin. „Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer“, schreibt das RKI.
Die Mortalitätsrate in den Ländern außerhalb Afrikas bleibe „extrem gering“, teilte der Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Bonn, Jürgen Rockstroh, auf Anfrage mit. Zwar sind in den vergangenen Tagen mehrere Affenpocken-Todesfälle in Ländern bekannt geworden, für die die Erkrankung neu ist - zwei davon in Spanien. Der Experte sieht hierfür aber mehrere Gründe: So könne etwa das Ausrufen der gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einigen Tagen zu einer verbesserten Überwachung geführt haben. Gleichzeitig gebe es nun mehr als 20. 000 Fälle weltweit, so dass auch mehr Fälle ausgewertet würden. Rockstroh betonte darüber hinaus, dass Erkrankungen der Betroffenen erfasst werden müssten, um Faktoren zu finden, die das Risiko für Krankenhauseinweisung und Tod erhöhen. Schwere Immunsuppression scheine das Risiko für einen ungünstigen Verlauf zu vergrößern.


