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Affenpocken: Bereits drei Ansteckungen bestätigt in Deutschland

1 Fall in München, 2 Fälle in Berlin

Affenpocken: Bereits drei Ansteckungen bestätigt in Deutschland

Affenpocken
Diese elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r), die aus einer menschlichen Hautprobe stammt. Foto: Cynthia S. Goldsmith/Russell Regner/CDC/AP/dpa
deutsche presse agentur

Auch der zweite Verdacht von Affenpocken in Berlin ist bestätigt. Nachdem der erste Fall am Freitag in München bestätigt worden ist , gibt es nun auch zwei bestätigte Infektionen in der Hauptstadt. Das teilt die Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Beide Patienten seien stabil, nun müssen mögliche Kontaktpersonen ermittelt werden. Ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Virusstamm handelt, soll eine Sequenzierung ergeben. Gesundheitssenatorin Ulrike Gote warnt: „Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen eventuell noch weitere Infektionen registriert werden.“ Trotzdem sei kein Grund zur Panik! „Expertinnen und Experten gehen jedoch davon aus, dass wir keine neue Pandemie fürchten müssen. Wir müssen jetzt aber schnell und konsequent handeln, um Infektionsfälle zu erkennen und einzudämmen.“

In einem Berliner Club angesteckt

Der erste Infizierte in Berlin leide unter leichten Symptomen wie Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen und habe zwei der für die Erkrankung typischen Pocken. Das erfuhr RTL/ntv von dem behandelnden Arzt des Betroffenen, der eine Praxis in Berlin Schöneberg betreibt..

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Der Betroffene habe sich vermutlich bereits am 8. Mai beim Geschlechtsverkehr angesteckt. Sein behandelnder Arzt betreut derzeit einen weiteren Verdachtsfall mit ausgeprägteren Symptomen - einer Pockenbildung am ganzen Körper. Er geht davon aus, dass das RKI auch diesen Fall im Laufe des heutigen Samstags bestätigen wird.

Erster Fall von Affenpocken in Deutschland nachgewiesen Es besteht kein Zweifel

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Epidemiologe: Übertragung „hauptsächlich auf sexuellem Wege“

„Diese Fälle sind insgesamt wirklich sehr begrenzt“, sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs. Denn Affenpocken würden „hauptsächlich auf sexuellem Wege übertragen“. Man könne, auch wenn die Inkubationszeit lange sei, doch wegen der Hauterscheinungen sehr gut sehen, wer infiziert ist. Durch Isolieren, Pocken-Impfstoff und allgemeine öffentliche Gesundheitsmaßnahmen könne gegen gehalten werden. Einen guten Impfschutz in der Gesamtbevölkerung gebe es zwar nicht mehr. „Aber das ist nicht schlimm, weil die Pocken eigentlich wirklich sehr, sehr selten auftreten“, so Ulrichs bei RTL/ntv.

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Deutsche Aidshilfe warnt vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zu einer rigorosen Nachverfolgung aller Kontakte von Betroffenen aufgerufen. Kliniken und Bevölkerung müssten für die Symptome sensibilisiert werden. Am stärksten gefährdet für eine Ansteckung sind Mediziner Norbert Brockmeyer zufolge Menschen, die sexuelle Kontakte zu vielen verschiedenen Menschen haben. Brockmeyer ist Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft. STI steht für sexuell übertragbare Infektionen.

Die Deutsche Aidshilfe warnte angesichts der Fälle bei schwulen Männern vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung. „Natürlich gibt es bei den Affenpocken oberflächliche Ähnlichkeiten zu HIV damals - es ist wieder eine Erkrankung aus Afrika, die auch schwule Männer betrifft. Aber in vielen anderen Punkten passt der Vergleich nicht“, sagte Aidshilfe-Sprecher Holger Wicht. (dpa/ija)