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Affenpocken: Unheimliche Parallele zu Corona-Ausbruch? Das sagt der Medizin-Experte

WHO-Dringlichkeitssitzung wegen Affenpocken

Unheimliche Parallele zu Corona? Das sagt der Medizin-Experte

GO_INZIDENZ_in den Schulen_Durchseuchung_Schulkinder_Klasse_Maske_VirenGO-WEB, WEB, WEB-GO, GO, Teaser, Go web, GOWebTHEMA:Experten uneinig über richtige Corona-Strategie //Inzidenzen steigen: Droht die Durchseuchung unserer Schulen?https://www.rtl.d
Dr. Specht beantwortet Fragen zu Affenpocken

von Marius Olion

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beruft wegen Affenpocken eine Dringlichkeitssitzung ein: Warum? Gibt es Parallelen zum Corona-Ausbruch? Das und mehr beantwortet Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht im RTL-Interview.

Parallelen zum Corona-Virus?

Auf den ersten Blick ist die Parallele zum Corona-Ausbruch unheimlich: erst Fälle in anderen Ländern, dann ein Fall in Deutschland – erneut entdeckt in Bayern. Geht es mit den Affenpocken jetzt genauso weiter wie mit dem Corona-Virus? Mediziner Dr. Christoph Specht sagt im RTL-Interview dazu: „Es ist ein völlig anderes Virus.“ Denn schaut man sich die zwei Viren an, unterscheiden sie sich in zentralen Punkten.

  • Der Übertragungsweg

„Coronaviren und Influenza-Viren verbreiten sich über die Luft, das Pockenvirus wird über den direkten Hautkontakt beziehungsweise den Kontakt mit der Virusflüssigkeit übertragen.“

„Man ist nach aktuellem Kenntnisstand vor dem krank werden nicht infektiös. Also nicht wie bei Corona, schon ein bis zwei Tage vor Symptombeginn, wenn die Menschen überhaupt Symptome zeigen. Das heißt, hier hat man auch nicht die Gefahr der großen Verbreitung, ohne dass die Menschen es erkennen können.“

  • Affenpocken werden eher Kleinkinder treffen

„Corona ist für Kinder ziemlich ungefährlich, für Kleinkinder erst recht. Hier ist es umgekehrt. Hier sind insbesondere Kleinkinder betroffen. Also wenn es Todesfälle gibt, dann eher kleine Kinder.“

Dr. Specht: Kein Ausbruch wie bei Corona

Aber es werde jetzt zunehmend Fälle geben, ist sich Dr. Specht sicher. Denn die Menschen und auch die Ärztinnen und Ärzte seien sensibilisiert, dass eine Pockenerkrankung möglich sei und schauen deswegen jetzt genauer hin. Auch, weil sich die Affenpocken verändert haben:

„Ganz neu ist es ja nicht. Es hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder Affenpocken-Fälle gegeben. Allerdings als einzelne Übertragungen vom Tier auf den Menschen. Was wir jetzt sehen, und deswegen schaut man da näher hin, sind Übertragungen von Mensch zu Mensch.“

Trotzdem habe das Virus nicht das Zeug zum großen Ausbruch wie Corona. „Das Affenpocken-Virus ist nicht besonders gut an den Menschen und auf den Affen angepasst, aber es kann eben doch zu Infektionen kommen.“

Im Übrigen ist die Bezeichnung „Affenpocken“ ein wenig irreführend. Denn das Virus wird nicht etwa vom Affen weitergetragen, sondern von Nagetieren. „Es müsste also besser Hörnchenpocken heißen“, so Dr. Specht.

Lese-Tipp: Wie wird die Krankheit übertragen und wie schütze ich mich?

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Was könnte hinter der Dringlichkeitssitzung der WHO stecken?

Wenn die Affenpocken aller Voraussicht nach keine erneute Pandemie in der Corona-Dimension auslösen werden – warum beruft die WHO jetzt eine Dringlichkeitssitzung ein? Zum einen könnte dies dazu dienen, die Aufmerksamkeit auf die Pocken zu erhöhen, damit Ärztinnen und Ärzte es bei Patientinnen und Patienten mit entsprechenden Symptomen nicht leichtfertig ausschließen. Zum anderen könnte es daran liegen, dass die WHO nun lieber früher reagiert als zu spät. Kritiker hatten im Rahmen der Corona-Pandemie häufig gesagt, die WHO habe verschlafen.

„Das war ja ein Vorwurf, den die WHO immer wieder bekommen hat. Bei Corona aber auch schon vorher bei anderen Dingen, dass sie da zu langsam reagierte und zu wenig darauf beharrte, auch die Zahlen und Laborergebnisse aus China zu bekommen. Und meine Einschätzung ist, das möchte sich die WHO nicht noch einmal vorwerfen lassen“, so Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht.