Sie holen sich gerne einen frischen Kaffee to go auf dem Weg zur Arbeit? Und bestellen sich mit Freuden ein leckeres Mittagessen bequem vom Lieferdienst? Doch jeden Tag Einwegbecher, Styroporverpackungen, Aluschalen und Plastiktüten wegschmeißen — das klingt weniger gut. Um den Verpackungsmüll zu vermeiden, stellen viele Restaurants, Coffee Shops, Supermärkte und Lieferdienste auf Mehrwegpackungen um. Wir haben uns den Trend etwas genauer angeschaut.
Das Problem mit den Kaffeebechern
Besonders in den letzten Jahren ist das Plastik-Problem größer geworden. In der Pandemie liefen Mülleimer mit Kaffeebechern über und die Zahl der Plastikverpackungen stieg ins Unermessliche. Doch auch nach der Pandemie ist das Problem noch lange nicht gelöst. 2022 wurden mehr als 390 Milliarden Tonnen Plastikmüll generiert. In Deutschland werden jährlich ca. 225 kg Verpackungsmüll pro Person erzeugt. Besonders die Gastronomie produziert tonnenweise Kaffeebecher, Styroporverpackungen, Aluschalen und Plastiktüten.

Die Mehrwegpflicht ist da
Seit Januar 2023 sind alle Restaurants, Bistros und Cafés mit to go-Angebot dazu verpflichtet, Mehrwegverpackungen anzubieten. Dieser Beschluss wird als wichtiger und notwendiger Schritt für Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit angesehen.
“Mein Ziel ist: Ich will Mehrweg zum neuen Standard machen. Kundinnen und Kunden sollen ihr Take-away-Essen oder To-Go-Getränke ganz einfach in umweltschonenden Mehrwegbechern oder -behältern erhalten können. Durch die neue Pflicht zum Mehrwegangebot […] werden wir die Verpackungsflut vor allem im To Go Bereich wirksam eindämmen.”
Bundesumweltministerin Svenja Schulze
Die Revolution der Mehrweg-Start-ups
In den letzen Jahren haben diese Start-ups clevere Mehrwegsysteme entwickelt, die das Problem Verpackungsmüll in Deutschland lösen sollen.
Relevo
Das Münchener Start-up hat ein System für wiederverwendbare Verpackungen entwickelt, mit dem bereits knapp 3 Millionen Einweg-Plastikbehälter eingespart wurden. Die App kann kostenlos heruntergeladen werden. Nach der Registrierung werden alle teilnehmenden Restaurants, Bistros und Cafés angezeigt, die in Ihrer Stadt teilnehmen. Sie können das recycelbare Geschirr dann bei der Bestellung hinzufügen und dies beim nächsten Mal in einem der teilnehmenden Filialen zurückgeben. Laut Unternehmen können die Behälter bis zu tausendmal wiederverwendet werden.
Vytal
Vytal ist ein digitales, pfandfreie Mehrwegsystem mit über 6.500 Partnern in ganz Europa. So funktioniert’s: Sie laden die kostenlose App herunter, registrieren sich und können bei Ihrer nächsten Bestellung in einer der teilnehmenden Restaurants das Vytal-Geschirr ohne Gebühr ausleihen — und das ganz einfach und kontaktlos mit QR-Code. Die genutzten Vytals müssen dann innerhalb von 14 Tagen gereinigt zurückgegeben werden. Es gibt Behälter für alle Speisen, egal ob Suppen, Pizza, Salat, Sushi, Menüs, Hamburger, Smoothies oder Heißgetränke.

Rebowl & Recup
Recup und Rebowl bilden mit mehr als 21.100 Restaurants, Cafés, Kantinen, Tankstellen, Bäckereien, Kioske das größte Mehrwegsystem Deutschlands. Laut Hersteller kann jede Rebowl bis zu 500 Einwegverpackungen und jeder Recup bis zu 1.000 Einwegbecher ersetzen. Die Mehrwegbowls gibt es in 4 verschiedenen Ausführungen und sie sind spülmaschinenfest, BPA- und schadstofffrei, hitzebeständig und luftdicht. Sie bestellen einfach Ihr Lieblingsgetränk oder -essen to go im Recup oder der Rebowl und hinterlegen 1 Euro bzw. 5 Euro Pfand. Becher und Bowls können nach Nutzung bei allen Partnern zurückgegeben werden — und Sie bekommen Ihren Pfand zurück.
reCIRCLE
reCIRCLE ist der kleinste Anbieter mit rund 2.400 Partnern europaweit. Der Anbieter funktioniert nicht mit App, sondern Sie können alle mitwirkenden Restaurants auf der Website einsehen. Dann funktioniert das Ganze ähnlich wie Recup: Sie bestellen Ihr Essen im Mehrweggeschirr, zahlen 5 Euro bzw. 10 Euro Pfand und können Cup oder Box bei jedem Partnerlokal zurückbringen.
Lieferdienste mit Mehrweg-Angebot
Auch Supermärkte und Lieferdienste schließen sich der Mehrweg-Revolution an und haben immer bessere Plastik-Alternativen zu bieten.
Rewe
Rewe hat das Einfach-Mehrweg-Pfandsystem entwickelt, mit dem Sie bewusster einkaufen können. Dabei wird die Nutzung von Mehrweggeschirr so einfach wie der Gebrauch von Pfandflaschen gemacht. Es sind weder App noch Registrierung notwendig und die praktischen Behälter können bequem an jedem Pfandautomaten zurückgegeben werden. Die Pfandgebühren liegen zwischen 1 Euro für die Becher und max. 2,50 Euro für die Behälter.
Edeka
Bei Edeka gibt es verschiedene Ansätze für weniger Plastik. Es werden Mehrweg-Tragetaschen, -Kühltaschen und -Netze angeboten. Außerdem kann an Fleisch- & Wurst-, Käse-, Fisch- sowie an der Backwaren-Bedientheke mit der eigenen Dose eingekauft werden. Wenn Sie Ihren eigenen Kaffeebecher mit frisch gebrühtem Kaffee füllen lassen, erhalten Sie sogar 10 % Rabatt.
Wolt
Wer leckeres Essen ohne Plastikmüll bestellen will, der ist bei Wolt genau richtig. Das Unternehmen hat sich mit Vytal zusammengetan. So geht’s: Sie suchen sich lhr Lieblingsgericht bei Wolt heraus, fügen die Vytal-Bowl unter Besteck-Optionen zu Ihrer Bestellung hinzu, schreiben Sie den 6-stelligen VYTAL Token aus der Vytal App in das Kommentarfeld für das Restaurant und schon werden Ihnen alle Gerichte in Vytal Mehrwegschalen geliefert.
4 Tipps gegen to go Verpackungsmüll
Wenn Sie to go Gerichte oder Speisen vom Lieferservice genießen möchten, ohne dabei viel Müll zu produzieren, finden Sie hier ein paar Ideen, wie Sie bei der nächsten Bestellung den Abfall to go so weit wie möglich reduzieren können.

- Bestellen Sie mehr: Bestellen Sie so viel Essen, dass die Reste für den darauffolgenden Tag reichen. Auf diese Weise müssen Sie die Behälter zum Mitnehmen nur einmal und nicht mehrmals kaufen. Sie sollten auch darauf achten, welche Art von Essen Sie bestellen. Burritos, Subs, Sandwiches und Spieße benötigen oft weniger Verpackung und sind daher automatisch einfacher ohne übermäßigen Abfall zu liefern.
- Sagen Sie nein zu Besteck und Co.: Eine der einfachsten Möglichkeiten, bei der Bestellung von Essen to go Abfall zu vermeiden, ist auf Serviette, Besteck und Co. zu verzichten. Wenn Sie in Ihrer eigenen Küche essen, brauchen Sie all diese Extras, die man Ihnen in die Tüte legt, nicht.
- Bringen Sie Ihren eigenen Behälter mit: Wenn Sie in der Nähe des Restaurants wohnen, sollten Sie persönlich hingehen, um Ihr Essen zu bestellen und abzuholen. Bringen Sie Ihren eigenen Behälter mit. Sie werden überrascht sein, wie viele Restaurants kein Problem damit haben.
- Versuchen Sie, neue Rezepte zu Hause zu kochen: Jeden Abend ein neues Gericht zu kochen, kann eine echte Herausforderung sein. Aber das bedeutet nicht, dass Sie immer auf den Lieferservice zurückgreifen müssen. Es ist an der Zeit, kreativ zu werden! Ob Sie nun ein Profikoch sind oder neu in der Küche, das Experimentieren mit verschiedenen Rezepten kann wirklich Spaß machen. Kochboxen bieten interessante Möglichkeiten zum Ausprobieren.
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