Sie spielten Gott und mit dem Leben ihrer SchutzbefohlenenDie erschütterndsten Todes- und Mordfälle in Heil- und Erziehungsberufen

Anzahl der Opfer noch offen - Kinderkrankenschwester Lucy Letby soll im Countess of Chester Hospital mehrere Neugeborene getötet haben
Sie sieht unschuldig aus, soll aber mindestens sieben Frühchen auf dem Gewissen haben: Lucy Letby.
Chester Standard / SWNS.com / SW, action press

Einer könnte bis zu 400 Menschen auf dem Gewissen haben.
Am Dienstag (20. Januar) wird im Main-Taunus-Kreis eine Krankenpflegerin wegen des Verdachts des versuchten Mordes an drei Menschen festgenommen. Ihre Patienten liegen allesamt im Wachkoma. Weltweit gibt es Fälle von Menschen, auf deren Konto eine teils unglaubliche Anzahl an Morden gehen sollen. Diese Ärzte, Pfleger, Erzieher, waren alle der Meinung, über Leben und Tod entscheiden zu dürfen. Ein paar der krassesten Beispiele haben wir für euch hier aufgeführt.

Palliativarzt Johannes M. aus Berlin

Juni 2024: In der Wohnung der 87-jährigen Eva T. in Berlin-Neukölln bricht ein Feuer aus. Die schwer an Krebs erkrankte alte Dame steht anfänglich in Verdacht, es selbst gelegt zu haben. Sie kommt zwar noch lebend ins Krankenhaus, stirbt aber wenig später. Nach Angaben ihres Palliativarztes Johannes M. (heute 41) wolle sie nicht reanimiert werden. Sie habe sich nach dem Tod gesehnt und ihn um Sterbehilfe gebeten, gibt er bei der Polizei an. Bei einer Kriminalbeamtin kommen Zweifel auf. Die Obduktion zeigt, dass die Kohlenmonoxid-Werte von Eva T. zu gering für einen Tod im Feuer sind. Zudem befinden sich Medikamenten-Rückstände zur Muskelentspannung in ihrem Blut, die so auch bei anderen Verdachtsfällen rund um den Arzt nachzuweisen sind.

Lese-Tipp: Wie seine Chefin dem Palliativarzt auf die Spur kam

Das der noch lebenden Eva T. verabreichte Medikament legt unter anderem auch den Atemmuskel lahm. Bekommen es Patienten, die nicht künstlich beatmet werden müssen, setzt die Atmung binnen Minuten aus und der Tod tritt ein. Alle potenziellen Opfer, in deren Blut eine ähnliche Konzentration gefunden wurde, seien Patienten von Johannes M. gewesen.

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Bei Ermittlungen kommen 15 Taten ans Licht, die auf sein Konto gehen sollen. In vier Fällen sei auch ein Feuer gelegt worden. Mehr als 80 Verdachtsfälle werden derzeit noch überprüft, auch Exhumierungen haben bereits stattgefunden. Der mutmaßliche Täter schweigt zu den Vorwürfen. Die Termine im laufenden Prozess sind aktuell bis Mitte des Jahres angesetzt.

Pfleger Niels Högel aus Oldenburg und Delmenhorst

Niels Högel, Ex-Krankenpfleger, wird im Juni 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen 85-fachen Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt, eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist somit nahezu ausgeschlossen. Ein Berufsverbot geht damit einher. Högel soll für die bislang größte nachgewiesene Mordserie in Deutschland verantwortlich sein. Zwischen 2000 und 2005 hat Högel in Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst seinen Opfern Medikamente verabreicht, um sie dann wiederzubeleben und vermeintlich als Held dazustehen. Viele Patienten überleben das nicht.

Lese-Tipp: Eltern von Todespfleger Nies Högel: „Ich gebe mir keine Schuld!”

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Todespfleger Nies Högel vor Gericht
Pool DPA, picture alliance / ASSOCIATED PRESS, Mohssen Assanimoghaddam

Vermutet wird, dass viele weitere Menschen dem Ex-Pfleger zum Opfer fielen. Zahlreiche Tote können jedoch nicht mehr obduziert werden. Der Zustand der Leichen lässt dies nicht zu. Dazu kommt, dass mehr als 100 potenzielle Opfer nach ihrem Tod verbrannt wurden, auch hier ist keine Untersuchung mehr möglich. Immerhin: Niels Högel gesteht im Prozess die ihm zur Last gelegten Morde.

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Pfleger Ulrich S. aus Würselen

Anfang November 2025 fällt in Aachen das Urteil gegen Pfleger Ulrich S. (44), der auf der Palliativstation einer Klinik in Würselen tätig war. Zehn Menschen verlieren ihr Leben, 27 weitere überleben die Todesspritze des Serienmörders. Er wolle seine Ruhe in der Nachtschicht haben, so der Vorwurf der Anklage. Deshalb habe er seinen schwerstkranken Patienten Schmerz- und Narkosemittel gespritzt. Der Pfleger wird zu lebenslanger Haft verurteilt, und auch bei ihm wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Video-Tipp: Lebenslang für Ex-Krankenpfleger

Am Mittwoch (21. Januar) meldet der WDR: Die Staatsanwaltschaft Aachen hat 60 neue Exhumierungen angeordet, etwa die Hälfte habe bereits stattgefunden. Aktuell spreche man von „Verdachtsfällen”, so die zuständige Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Obduktionsergebnisse lägen noch nicht vor. Vor seiner Anstellung in Würselen hat sich der 44-Jährige in einer Kölner Klinik um schwerkranke Menschen gekümmert. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft und hat mehrere Exhumierungen angeordnet. Der Todespfleger könnte mehr als 100 weitere Menschen ermordet haben.

Erzieherin Sandra M. aus Viersen

Die kleine Greta ist in der Covid-Notbetreuung in ihrer Kita. Es ist Ende April 2020, Corona hat die Welt fest im Griff. Das Kind ist das einzige an diesem Tag, das von zwei Erziehern betreut wird. Eine davon: die damals 25-jährige Sandra M. Als Greta ihren Mittagsschlaf hält, verabschiedet sich der Kollege von Sandra M. und sie ist mit der Kleinen allein. Wenig später alarmiert sie Erzieherinnen einer Nachbargruppe, weil Greta nicht mehr ansprechbar ist. Nach einer Reanimation wird das Kind in die Klinik gebracht, wo verdächtige rote Punkte auf den Augenlidern festgestellt werden. Diese weisen auf Sauerstoffmangel durch Gewalteinwirkung hin. Wenige Tage später, einen Tag nach seinem dritten Geburtstag, stirbt das Mädchen in der Klinik.

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Knapp zwei Wochen später fällt der Verdacht auf Sandra M. und man beleuchtet die Erzieherin genauer. Dabei fällt auf, dass es schon knapp drei Jahre zuvor Auffälligkeiten im Umgang mit Kindern gab. Im November 2017 soll ein von ihr betreuter Dreijähriger im Schlafraum mit verdrehten Augen, schlaff und nicht ansprechbar aufgefunden worden sein. Sandra M. wechselt in den nächsten Jahren oft den Kindergarten, die Vorfälle ähnlicher Art häufen sich allerdings. Immer wieder kommt es zu Atemproblemen bei Kleinkindern in ihrer Obhut. Im März 2021 wird die Erzieherin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt.

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Lucy Letby aus Großbritannien

In Großbritannien schlägt ein Fall seit Jahren hohe Wellen. Lucy Letby, Kinderkrankenschwester aus dem Nordwesten Englands, sitzt wegen des Mordes an sieben Babys und Mordversuchs an sieben weiteren im Gefängnis. Die Meinungen schwanken zwischen „schlimmste Kinderserienmörderin“ und „Justizopfer“. Doch was ist passiert? Im Sommer 2015 sterben auffällig viele Frühchen, insgesamt 13, und alle werden von Lucy Letby betreut.

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Die Ärzte haben keine Erklärung, warum sich der Gesundheitszustand der Babys rasant verschlechtert und sie schließlich sterben. Bei einer Prüfung der Vorfälle fällt aber auf: Immer war Lucy Letby im Dienst. Nach vielen Querelen im Team, bei dem die Verdächtige von den meisten ihrer Kollegen in Schutz genommen wird, sterben zwei Frühchen binnen 48 Stunden. Die Kinderkrankenschwester wird von der Station in ein Büro versetzt. Und es gibt keine weiteren Todesfälle. Die Ermittlungen laufen aber weiter.

Anzahl der Opfer noch offen - Kinderkrankenschwester Lucy Letby soll im Countess of Chester Hospital mehrere Neugeborene getötet haben
Sie sieht unschuldig aus, soll aber mindesten sieben Frühchen auf dem Gewissen haben: Lucy Letby
Chester Standard / SWNS.com / SW, action press

Zwei Jahre später finden Beamte bei einer Durchsuchung von Lucy Letbys Wohnung Protokolle, die sie illegal mit nach Hause genommen hatte. Darauf: Zettel mit krakeliger Schrift. „Ich bin böse“ ist da zu lesen oder „Ich habe sie absichtlich umgebracht“. Im Sommer 2023 schließlich die Verurteilung. Letby soll den Frühchen Luft gespritzt, sie überfüttert und Insulin gegeben haben. Ein kanadischer Experte, selbst jahrelang Kinderarzt mit Spezialisierung auf Frühchen, arbeitet sich in den Fall ein. Und kommt zu dem Schluss, dass die Babys auf natürliche Weise gestorben sein sollen oder aufgrund schlechter medizinischer Versorgung. Seither diskutiert das Land, ob die wegen Mordes verurteilte Lucy Letby schuldig ist oder nicht.

Charles Cullen aus New Jersey/USA

Auch in den USA macht der Fall eines Pflegers Schlagzeilen. Charles Cullen gesteht im Dezember 2003, dass er bis zu 45 Patienten während seiner 16 Arbeitsjahre getötet habe. Er injiziert seinen Opfern jeweils eine Überdosis verschiedener Medikamente. Mal ist es Insulin, mal ein Herzmittel. Auch sein Privatleben ist von Gewalt und Quälereien geprägt. Es dauert 16 Jahre, bis seine Taten an zehn verschiedenen Krankenhäusern aufgedeckt werden.

Charles Cullen aus den USA
Ist er der schlimmste Serienmörder aller Zeiten? Charles Cullen aus den USA
IMAGO

Cullen gesteht 45 Morde, wenn auch nur scheibchenweise. Ermittler gehen aber davon aus, dass er bis zu 400 Menschen umgebracht haben könnte. Schon aufgrund der bisherigen Verurteilungen wird Cullen das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen. Einen Podcast über Charles Cullen und seine unfassbaren Taten könnt ihr jederzeit auf RTL+ abrufen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, WDR