Französin veröffentlicht ihre Memoiren Das Vermächnis der Gisèle Pélicot: Wegen ihr hat die Scham die Seite gewechselt!
Ihr Schicksal bewegte die ganze Welt.
Nun lässt sie uns erneut alle daran teilhaben, diesmal mit ihren Augen, in ihren Worten. Gisèle Pelicot veröffentlicht ihre Memoiren. Darin offenbart sie unter anderem, wie wichtig die moralische Unterstützung durch die Menschen im Gericht für sie war.
Gisèle Pelicot wird Vorbild und feministische Ikone
Sie wollte kein Opfer sein, und sie beeindruckte durch ihr entschlossenes Auftreten: Gisèle Pelicot beschreibt in ihren Memoiren den Moment, in dem sie sich entschloss, eine öffentliche Gerichtsverhandlung gegen ihre 51 mutmaßlichen Vergewaltiger zu fordern. „Die geschlossene Tür des Gerichtssaals, die mich eigentlich vor Blicken und vor der Presse schützen sollte, machte mir zunehmend Sorgen”, schreibt sie laut einem Auszug, den die Zeitung „Le Monde“ veröffentlichte.
Lese-Tipp: Gisèle Pelicot fragt ihren Ex-Mann: „Wie konntest du diese Fremden in mein Schlafzimmer bringen?“

„Ich wäre ihnen ganz allein ausgesetzt“, so Pelicot. „Würde ich ihnen nicht genau damit einen Gefallen tun?“, fragte sie sich. Niemand hätte gewusst, was sie ihr angetan hatten. Kein Journalist hätte die Geschichte aufgeschrieben. „Wäre ich 20 Jahre jünger gewesen“, hätte ich es vielleicht nicht gewagt, auf den Ausschluss der Öffentlichkeit zu verzichten“, räumte Pelicot ein.
Welle der Solidarität trägt Pelicot durch die schwere Zeit
Viele Menschen hatten ihr Mut gemacht und auf vielfältige Weise ihre Solidarität gezeigt: Transparente und Graffiti in vielen französischen Städten zeigen davon, insbesondere in Avignon, im Herzen der Provence, wo der Jahrhundertprozess um das monströse Geschehen stattfand. Wann immer die heute 73-Jährige vor Gericht erschien, konnte sich freundlicher Reaktionen und des Beifalls ihrer Unterstützer und Unterstützerinnen sicher sein.
In ihrem Buch unterstreicht Pelicot, wie wichtig die moralische Unterstützung durch die Menschen im Gericht für sie war. „Diese Menschenmenge hat mich gerettet“, sagt sie. Sie sei „schützend und beruhigend“ gewesen und habe ihr geholfen, bei ihren Aussagen die richtigen Worte zu finden.
„Wille und Entschlossenheit, diese patriarchale, machistische Gesellschaft zu verändern”
Aber sie erinnerte sich auch an einzelne Begegnungen am Rande des Prozesses, etwa mit einer jungen Frau, der die Tränen in den Augen standen. „Ich habe ihr gesagt, sie solle nicht weinen, sonst müsste ich auch weinen, aber ich müsse doch stark bleiben“, schreibt Pelicot. Sie habe auch an diese junge Frau gedacht, als sie sich am Ende des Prozesses vor den Kameras äußerte. „Viele danken mir für meinen Mut, und ich möchte ihnen sagen: Das ist kein Mut, sondern Wille und Entschlossenheit, diese patriarchale, machistische Gesellschaft zu verändern”, sagte sie damals.

Pelicots Memoiren erscheinen am 17. Februar weltweit in 22 Sprachen gleichzeitig. Auf Deutsch trägt das Buch den Titel „Eine Hymne auf das Leben“ und wird vom Piper Verlag herausgebracht.
US-Magazin kürt Gisèle Pelicot zur Frau des Jahres 2025
Gisèle Pelicot war von ihrem damaligen Mann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. Im vergangenen Jahr wurde ihr Ex-Mann zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen 3 und 15 Jahren. Kein einziger Angeklagter wurde freigesprochen.

Pelicot wurde durch ihr entschiedenes Auftreten in dem Prozess in Frankreich zur feministischen Ikone. Sie hatte entschieden, das Verfahren nicht hinter verschlossenen Türen führen zu wollen, auch um anderen Missbrauchsopfern Mut zu machen. Sie wolle, dass diese keine Schande verspürten. Im Februar wurde vom US-Magazin „Time“ zur Frau des Jahres 2025 gekürt.
Verwendete Quellen: AFP; dpa
































