Polizist Simon Bohr (†34) in Völklingen erschossenZeuge sieht Ahmet G. mit Unterhose auf dem Kopf und verfolgt ihn bis zum Tatort

Ahmet G. (19) soll einen Polizisten getötet haben
Ahmet G. (19) steht vor Gericht, weil er in Völklingen einen Polizisten erschossen haben soll.
RTL
von Rico Heller, Emilio Nigrelli und Johanna Grewer

„Schau mal, wie verrückt muss man sein.“
Hans Werner M. (53) hält im August 2025 zusammen mit seiner Frau an einer Tankstelle in Völklingen. Das Paar will das Auto waschen, doch dann entdeckt der Ehemann plötzlich jemanden mit einer Unterhose auf dem Kopf. Erst im nächsten Moment wird dem Lagerarbeiter klar, was gerade in der Tankstelle passiert.

Zeuge erlebt die tödlichen Schüsse in Völklingen mit

Vor dem Landgericht Saarbrücken erzählt der Zeuge, wie ihm plötzlich klar wird, dass der Mann mit der Unterhose auf dem Kopf gerade die Tankstelle ausraubt. Er habe dann sofort den Notruf gewählt und den Täter verfolgt, um der Polizei zu sagen, wohin er läuft.

Hans Werner M. berichtet, dass die Polizei versucht habe, den Tankstellenräuber zu stellen, doch die Situation eskaliert. Plötzlich fallen Schüsse und der 53-Jährige kauert sich hinter einem Auto zusammen. „Ich habe mich gefühlt wie in einem schlechten Film“, berichtet der Lagerarbeiter.

Nach der Tat ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Mordes. (Archivbild)
Im August 2025 wird in Völklingen ein Polizist erschossen.
Patrick von Frankenberg/dpa

Simon Bohr stirbt nach Schüssen in Völklingen

Er ist noch immer am Telefon mit der Notrufzentrale, darum kann er dem Beamten am Telefon direkt sagen, dass ein Polizist zu Boden gegangen ist. Der Zeuge bittet dann auch um einen Rettungswagen. Der getroffene Beamte ist der 34 Jahre alte Simon Bohr, der wenig später an seinen Schussverletzungen stirbt. Während der dramatische Notruf im Gerichtssaal abgespielt wird, steht die Witwe des toten Polizisten auf und verlässt den Gerichtssaal.

Lese-Tipp: Witwe von totem Polizisten will Ahmet G. (19) im Gerichtssaal in die Augen sehen

Vor Gericht erzählt der Zeuge, er habe beobachtet, dass der Täter über dem Polizisten gestanden und ihm dann zwei- oder dreimal in den Kopf geschossen habe. Dann sei der Schütze vom Tatort geflohen. Hans Werner M. verfolgt ihn diesmal nicht weiter, sondern versucht, dem Polizisten zu helfen. Er sieht, dass Simon Bohr in den Bauch, am Auge und in die Brust getroffen ist. Der Polizist sei zuerst noch ansprechbar gewesen, aber immer schwächer geworden. „Man konnte vor Ort leider Gottes nicht viel für ihn machen“, erinnert sich der Zeuge.

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Auch andere Zeugen sehen Ahmet G. mit Unterhose auf dem Kopf

Der heute 19 Jahre alte Ahmet G. muss sich vor dem Landgericht Saarbrücken wegen Mordes, versuchten Mordes und schweren Raubs verantworten. Er räumt am ersten Verhandlungstag ein, dass er auf den Polizisten Simon Bohr geschossen hat – angeblich aus Panik. Der Angeklagte soll seit längerer Zeit unter psychischen Problemen und Angstattacken leiden. „Er ist nicht der brutale Killer, sondern er ist vermutlich ein sehr kranker junger Mann“, erklärt sein Verteidiger Michael Rehberger.

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Auch ein ehemaliger Klassenkamerad sieht Ahmet G. am Abend der Tat mit einer Unterhose auf dem Kopf durch die Stadt laufen, sagt er dem Gericht. Er habe Ahmet trotz der Kopfbedeckung sofort an seinem Laufstil erkannt. Er habe die Unterhose damals lustig gefunden, erinnert er sich. In dem Moment ahnt er noch nichts von dem Überfall auf die Tankstelle und den tödlichen Schüssen.

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Da der Angeklagte Heranwachsender ist, steht er vor der Jugendkammer des Landgerichts. Wenn er für das Tötungsdelikt nach Jugendstrafrecht verurteilt werde, drohten bis zu 15 Jahre Haft, sagte der Gerichtssprecher. Der Prozess ist bis zum 14. April terminiert. (mit dpa)

Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, dpa