Flugbegleiter erklärt, was im Notfall wichtig istLaptop statt Leben? Passagier behindert Lufthansa-Evakuierung

„Alles liegen lassen, raus, raus!”
Nach einer Notlandung am Montag (11. Mai) riecht es in der Kabine eines Lufthansa-Flugzeugs plötzlich nach Kerosin. Die Crew löst die Notrutschen aus, um die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Doch statt sofort das Flugzeug zu verlassen, suchen einige Passagiere nach ihrem Handgepäck – eine Verzögerung, die Menschenleben gefährden kann.
„Du brauchst dein Laptop nicht, du brauchst dein Leben.”
Ein Video beim Kurznachrichtendienst zeigt, was während der Evakuierung in dem Flugzeug vor sich ging. Über die Lautsprecher gibt die Pilotin das Kommando zum Räumen: „Passenger Evacuation, Passenger Evacuation!” Daraufhin springen Passagiere verängstigt auf und drängen zu den Notausgängen.
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Es ist zu hören, wie Menschen schreien und weinen. Das Video zeigt aber auch, wie Reisende zuerst ihr Handgepäck schnappen, bevor sie die Wege zum Notausgang freigeben. Ein Passagier will sogar noch seinen Laptop raussuchen. Eine Flugbegleiterin bringt ihn davon ab: „Du brauchst dein Laptop nicht, du brauchst dein Leben.”
„Für die Crew ist eine Evakuierung das letzte Mittel”
Flugbegleiter erleben immer wieder, dass Passagiere auch in Notsituation als erstes zu ihrem Handgepäck greifen. „Das Handgepäck ist etwas ganz Persönliches”, meint der ehemalige Flugbegleiter David Shen im Interview mit RTL. Für viele Reisende gehört da auch der Laptop, das Tablet oder Handy dazu – schließlich finde auf den elektronischen Geräten heute viel vom Leben statt.
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Doch gerade in Notsituationen wird der Griff zum Handgepäck zum Problem. Bei einer Evakuierung muss es schnell gehen. „Das wichtigste ist, dass man raus kommt”, erklärt Shen. Evakuiert werde nicht vorsorglich, sondern wenn die Gefahr so groß ist, dass die Passagiere wirklich aus der Maschine müssen. „Für die Crew ist eine Evakuierung das letzte Mittel.”

Handgepäck suchen – Gefahr für andere und sich selbst
Wenn Passagiere vor dem Verlassen des Flugzeugs erst noch im Gepäckfach nach ihren persönlichen Gegenständen suchen, koste das nicht nur Zeit. Es könne noch aus einem anderen Grund richtig gefährlich werden, erklärt David Shen.
Denn der Passagier am Gepäckfach könne zu einem Hindernis für andere Passagiere werden, die verängstigt zum Ausgang drängen. Es bestehe die Gefahr, bei der Gepäcksuche überrannt zu werden. „Man kennt das ja auch von Konzerten”, meint der ehemalige Flugbegleiter, wenn in einer großen Menschenmenge Panik ausbreche.
In 90 Sekunden müssen alle raus
Den Ablauf einer Evakuierung trainiere die Crew jährlich, so Shen. Flugbegleiter müssen ihn im Schlaf kennen, denn in den Trainings soll eine Maschine in 90 Sekunden vollständig evakuiert sein.
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In echten Situationen könne es ein wenig länger dauern. Wenn die Gefahr für die Passagiere ersichtlich sei, würde die Räumung des Fliegers meist zügig klappen. Zu Verzögerungen könne es jedoch kommen, wenn Passagiere die Anweisungen nicht sofort verstehen, weil sie die Sprache nicht sprechen. Ungünstig sei auch, wenn Reisende vor dem Abflug bei der Sicherheitseinweisung nicht aufgepasst haben.
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Mehr als Kellner der Lüfte
Für den Notfall müssen Passagiere die Sicherheitsanweisung drauf haben, mahnt der ehemalige Flugbegleiter. Schließlich gebe es einige Notausgangtüren, die selbstständig von Passagieren geöffnet werden müssen. „Wenn sich Leute widersetzen, ist das Stress für die ganze Crew.” Zeit, im Ernstfall nochmal etwas zu erklären, gebe es nicht.
„Man denkt vielleicht, Flugbegleiter sind die Kellner der Lüfte”, sagt David Shen. Doch an dem Beruf hänge viel mehr Verantwortung und Training, als viele Menschen ahnnen würden. Im Flugzeug kümmere sich die Crew um das Wohl der Reisenden, aber eben auch um deren Sicherheit.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, X
































