Morgens frieren viele noch im Pullover, mittags reicht in der Sonne plötzlich ein T-Shirt – Tage wie diese fühlen sich an wie eine echte Wetter-Achterbahnfahrt. Für den Körper bedeutet das Dauerarbeit. Er versucht konstant, die Temperatur bei rund 37 Grad zu halten – und muss dafür ständig gegensteuern.
Manche merken das kaum, andere kämpfen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder wiederkehrenden Schmerzen in Gelenken und Muskeln.
Was passiert bei Temperaturschwankungen im Körper?
Dr. Specht: „Als Menschen gehören wir ja zu den gleichwarmen Säugetieren, also die, die versuchen, immer die Körpertemperatur gleich zu halten, im Gegensatz zu den Reptilien. Das bedeutet aber, dass wir uns ständig anpassen müssen. Morgens, wenn es kalt ist, dann stellen sich die Gefäße eng, damit eben nicht so viel Wärme verloren geht nach außen, und am Mittag in der Sonne ist es genau das Gegenteil. Da ist es warm, die Gefäße stellen sich weit, damit sie möglichst viel Wärme verlieren. Das ist natürlich Belastung für den Kreislauf und wer da nicht ganz fit ist, der kann dadurch wirklich Probleme bekommen.“
Wie äußert sich das bei Betroffenen?
Dr. Specht: „Klassische Symptome bei Wetterfühligkeit sind Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen – das sind alles Symptome, die bei eigentlich gesunden Menschen, aber bei Wetterumschwüngen auftreten können. Bei den Wetterempfindlichen, also die, die durch Umschwünge dann ihre Erkrankungssymptome stärker erleben, da sind es dann Symptome wie zum Beispiel verstärkte Gelenkschmerzen, rheumatische Beschwerden, die sich verstärken, oder auch Menschen, die sowieso schon zu Migräneanfällen neigen, die dann dadurch Migräne bekommen.“
Welche Rolle spielt die Psyche dabei?
Dr. Specht: „Der Einfluss der Psyche ist natürlich gerade bei diesen unspezifischen Beschwerden sehr, sehr groß, häufig größer, als wir uns zugestehen wollen. Stellen Sie sich vor, Sie haben das auch mal erlebt, dass bei irgendeinem Wetterumschwung es Ihnen nicht so gut ging, irgendwelche Beschwerden sich vielleicht verstärkt haben oder sie haben Kopfweh bekommen, dann haben Sie natürlich vor dem nächsten Wetterwechsel auch wieder Angst, das könnte wieder passieren – das ist quasi klassische Konditionierung. Da spielt dann die Psyche mit hinein, gerade wenn Schmerzen damit verbunden sind, sagen wir mal Migräneanfälle, dann hat man geradezu Angst vor Wetterumschwüngen und so kann natürlich dann auch die Symptomatik noch verstärkt werden."
Wer aber an solchen Tagen immer wieder mit Schwindel, starken Kopfschmerzen oder Herzstolpern zu kämpfen hat, sollte das nicht nur aufs Wetter schieben, sondern ärztlich abklären lassen.