Undercover in der Liebesfalle!: Reporter entlarvt skrupellose Partnervermittlung
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Für seinen neuesten Fall hat sich RTL-Reporter Robert Keckeis extra zehn Jahre älter schminken lassen. Er wollte selbst erleben, wie eine dubiose Partnervermittlung bei einsamen, älteren Menschen abkassiert. Denn Zuschauerin Jana Baum hatte den Reporter um Hilfe gebeten, nachdem ihr Großonkel eigentlich nur auf eine kleine Zeitungs-Annonce reagieren wollte, dann aber plötzlich 7.000 Euro ärmer war – und immer noch allein.
Was Sie hier sehen, soll der Anfang meiner neuen großen Liebesgeschichte sein. Ich habe Besuch von einer Partnervermittlungsagentur. Bei meinem Untercover-Einsatz bin ich auf ein dubioses System gestoßen, das die Einsamkeit von Menschen nutzt, um damit Kasse zu machen.
„Jetzt hatten wir vorhin schon darüber gesprochen. Bargeld. Wie viel haben Sie denn im Hause?“
Der Reihe nach. Ich bin in Minden und mit Jana Baum verabredet. Sie hat mich um Hilfe gebeten – nicht für sich selbst, sondern für ihren Großonkel. Jana Baum glaubt, auf eine betrügerische Masche gestoßen zu sein, bei der vor allem ältere, alleinstehende Menschen über den Tisch gezogen werden.
„Ja also ich war ein Nachmittag zu Hause und mein Großonkel Heinz hat mich angerufen und hat mir gesagt, er bräuchte einen Widerruf für eine Partnervermittlung. Und dann habe ich gedacht, okay es geht vielleicht um 20 Euro, die er da abgeschlossen hat. Dann habe ich ihn gefragt, was er da bezahlt hat, und er hat gesagt das waren 7.140 Euro.“
Über 7.000 Euro für eine Partnervermittlung. Jana Baum zeigt mir die Annonce, mit der alles anfing. Die Anzeige ist in einem privaten Stil geschrieben, so dass man glauben könnte, dass Sonja sie persönlich geschrieben hat: Sonja, 68 J., mit schöner weibl. Figur und viel Liebe im Herzen. Ich bin keine Reisetante und eher häuslich, habe keine großen Ansprüche. ... Rufen Sie üb. PV an und lassen Sie es uns zusammen versuchen.
Was man schnell überlesen kann: PV – steht für Partnervermittlung und übrigens: eine Sonja, wird der Großonkel in diesem Fall nicht treffen. Wie geht die fragwürdige Partnervermittlungsagentur genau vor? Das will ich selbst herausfinden und habe für den nächsten Tag einen Termin vereinbart. Doch vorher sind Jana Baum und ich bei ihrem Großonkel. Er erwartet uns bereits.
„Was hat er mit Ihnen denn am Telefon gesagt?“ – „Wir schicken eine Frau vorbei, die sie aufklärt. Da hätte man mir sagen müssen, was der Preis ist für diese Sache.“
Die sogenannte Beraterin kommt zu Heinrich Baum nach Hause. Auch mich wird die Frau später zuhause aufsuchen. Doch Vorsicht: Eine Expertin wird mir später bestätigen, dass man zuhause unvorsichtiger ist.
„Die Dame, die bei Ihnen war. Wie war die so? War sie freundlich oder war sie?“ – „Ich würde sagen, Geschäftsfrau. Sie hat sich nicht mal vorgestellt, als sie die Tür reinkam.“
Gemeinsam trinkt man Kaffee, füllt offenbar gemeinsam einen Vermittlungsbogen aus. Heinrich Baum ist da immer noch in der Hoffnung, dass er Sonja kennenlernt. Dann folgt der Vertrag. Er soll unterschreiben – jetzt sofort – ohne Bedenkzeit.
„Kam Ihnen das nicht seltsam vor?“ – „Das kam mir seltsam vor, aber wissen Sie: Ich hatte gerade die Frau verloren, da ist man irgendwie doch durch den Wind."
Die Partnervermittlung schreibt später dazu, dass Heinrich Baum ausreichend Gelegenheit gehabt und es keine Überrumpelungssituation gegeben habe. Der Witwer hätte laut dem Anwalt auch die Wahl gehabt, wie er bezahlen möchte. Doch ich werde später etwas anderes erleben.
„Fühlen Sie sich überrannt?“ – „Ja, ja.“ – „Wenn Sie das jetzt hören?“ – „Das macht mich traurig und wütend.“ – „Was glauben Sie, was dazu geführt hat, eine Rolle gespielt, dass Ihr Großonkel am Ende so leichtsinnig war?“ – „Na ja, ich denke schon, dass das viel mit ihm gemacht hat, dass Bärbel gestorben ist.“ – „Nicht nur die Frau – der Sohn auch. In einem Jahr vier Tote. Bruder, Sohn, Frau und Schwägerin.“
Hat die Verkäuferin Baums Verlustschmerzen gezielt ausgenutzt? Der Agentur-Anwalt wird dies später bestreiten. Fakt ist: für die 7.140 Euro hat er zwar über 30 Kontakte bekommen, doch eine Sonja war offenbar nicht darunter. Ich möchte selbst herausfinden, wie die Partnervermittlung arbeitet. Aus dem Reporter Robert Keckeis, wird dank einer Maskenbildnerin Robert Keller, 73 Jahre alt und pensionierter Bäckermeister. Die Lockvogel-Wohnung rüsten wir mit versteckten Kameras aus. Die Verkäuferin kommt zu mir nach Hause. Später schreibt mir der Anwalt, ich hätte entscheiden können, wo das Treffen stattfindet. Doch davon war in dem kurzen Vorgespräch nie die Rede. Dann klingelt es an der Wohnungstür. Vor mir steht dieselbe Frau, die auch bei Heinrich Baum zuhause war. Wir gehen ins Wohnzimmer. Mit warmen Worten erzählt sie mir von „Sonja“. Doch ob es diese Frau wirklich gibt, lässt sich nicht überprüfen. Die Aussagen der Frau wirken auf mich einstudiert.
„Was ist die Sonja für ein Mensch?“ – „Sie ist eine ganz sympathische. Auch eine ganz schnucklige vom Aussehen her. Und ja das gleiche Schicksal. Ihr Mann ist auch gestorben. Klingt komisch, aber eine gute Basis. Man kann mal darüber reden.“
Bis zu diesem Moment habe ich offiziell keine Ahnung, wer wirklich vor mir sitzt. Dass es sich um eine Verkäuferin einer Partnervermittlungsagentur handelt, sagte sie mir am Telefon nämlich nicht. „Was ich jetzt nicht ganz verstanden hatte. Sie hatten am Telefon ja gesagt, Sie suchen für Sonja die Menschen raus.“ – „Wir sind eine Partnervermittlung!“ – „Ach so, die PV hatte sich mir noch nicht erschlossen.“
Die Frau macht mehrfach zweifelhafte Aussagen. Immer wieder betont sie, „für mich da zu sein“. Das mag noch glaubwürdig klingen – doch ein tatsächlicher Erfolg, wie sie mir verspricht ist damit längst nicht garantiert. „Wie ist denn da die Erfolgsquote?“ – „100 Prozent!“ – „ Ja, 100 Prozent?“ – „Genau. Weil dafür bin ich ja da.“
Ein Versprechen, das es laut Anwalt so angeblich nicht gegeben habe. Als nächstes geht es um meine finanziellen Möglichkeiten. Sicher ein Aspekt bei der Partnervermittlung, aber dass man von mir gesamten Ersparnisse abfragt, halte ich für fragwürdig. Was mir eine Expertin später auch bestätigen wird.
„Was haben Sie sparen können? Was haben Sie auf der hohen Kante?“ Dann ändert sich die Situation plötzlich: Die Frau setzt sich direkt neben mich. Im wahrsten Sinne des Wortes rückt sie mir auf die Pelle. Vor so einer Situation hat mich die Expertin Christa Appelt schon im Vorfeld gewarnt: „Wenn ich in einem Büro sitze, als Partner suchende, dann habe ich immer die Möglichkeit zu gehen. Ich kann den Vertrag einstecken und kann sagen ich danke schön ich überlege mir das ich nehme alles mit und ich rufe die morgen oder oder morgen an wie auch immer. Das ist leichter, als wenn das Ganze zu Hause passiert. Da bin ich ja schon zu Hause. Da kann ich nicht weglaufen.“
Zurück zu meiner Undercover-Recherche. Ich fülle mit der Verkäuferin den Vermittlungsbogen aus. Dann folgt der Vertrag. Ich soll ihn unterschreiben. Mein Eindruck, alles soll jetzt schnell über die Bühne gehen. Zeit zum Durchlesen gibt sie mir nicht. Dann geht es um die Bezahlung.
„Jetzt hatten wir vorhin schon drüber gesprochen – Bargeld. Wie viel haben Sie denn im Hause? Die Summe eventuell.“ 7.140 Euro Cash oder mit EC-Karte – etwas anderes akzeptiert die Frau nicht. Ich frage nochmal nach: „Also, wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, dann Bargeld … Aber überweisen, dass ich auf die Bank gehe…?“ – „Nee, wir sind ja fortschrittlich heutzutage. Da können Sie mit der EC-Karte zahlen.“ – „Aber jetzt nicht auf die Bank und dann ein Überweisungsformular ausfüllen?“ – „Nee, das machen wir heutzutage nicht mehr.“
Später schreibt mir der Anwalt, dass die Mitarbeiterin eine klassische Überweisung nie abgelehnt hätte. Eine Widerrufsbelehrung, so wie sie auch Heinrich Baum vorlegt wurde, lässt sie in meinem Fall in ihrer Handtasche stecken. Das will ich mir gleich noch genauer ansehen. Ich gebe vor, im Schlafzimmer das Geld zu holen und komme kurz darauf mit meinem Kamerateam zurück.
„Ist das, was Sie tun, finden Sie das seriös? Sie haben gerade über die Widerrufsbelehrung gesprochen. Das ist schon vorangekreuzt. Finden Sie das ok, wie Sie die Menschen anlügen?“ Mehrmals versucht die Frau mir den Vertrag aus der Hand zu reißen. Ich versuche noch mit ihr zu reden, doch am Ende fährt sie davon. Der Anwalt wird später jegliches Fehlverhalten weit von sich weisen. Dann treffe ich mich noch einmal mit Heinrich und Jana Baum und berichte von meinen Recherchen. Beiden war es wichtig andere vor dem Vorgehen der fragwürdigen Partnervermittlung zu warnen. Die Partnervermittlung hat angeboten, Heinrich Baum 500 Euro zu erstatten. Vor Gericht hätte er wohl kaum eine Chance alles wiederzubekommen. Denn den Vertrag und den Widerrufs-Verzicht hatte er ja bereits unterschrieben.
Ich kann nur jedem raten, schließen Sie nie zuhause Verträge ab und haben Sie immer einen Zeugen dabei.
