In vielen Hausapotheken Standard und schnell zur Hand: Ibuprofen. 2024 verkaufen Apotheken rund 92 Millionen Packungen rezeptfreier Schmerzmittel. Mehr als die Hälfte enthält Ibuprofen.
Viele greifen bei Fieber, Kopf‑, Rücken‑ oder Regelschmerzen dazu. Oft häufiger, als Fachleute empfehlen.
Denn repräsentative Umfragen zeigen: Mehr als jede zweite Person in Deutschland nimmt mindestens einmal im Monat Schmerzmittel. Rund 17 Prozent wöchentlich, etwa 8 Prozent sogar täglich, teils als ärztlich begleitete Schmerztherapie, teils als Selbstmedikation.
Wann wird Ibuprofen zum Risiko?
Dr. Specht: „Ibuprofen ist ein sehr potentes Schmerzmittel, auch ein antientzündliches Mittel und ein solches, was das Fieber herunterbringen kann. Aber es kommt natürlich auch mit Nebenwirkungen einher. Deswegen ist die Dosis da schon relevant. Und ob man nun mehr oder weniger verträgt, ist zum einen genetisch bestimmt, aber hängt natürlich ganz stark auch von der Dosis ab, von der Dauer, wie lange man das Medikament nimmt, vom Alter und auch von den Vorerkrankungen. Also zum Beispiel ob man eine Herzschwäche hat, eine sogenannte Herzinsuffizienz oder vielleicht schon Nierenschäden, dann muss man damit besonders vorsichtig sein.“
Welche Organe kann Ibuprofen schädigen?
Dr. Specht: „Ibuprofen kann, wie viele andere Schmerzmedikamente auch, den Magen belasten, die Magenschleimhaut. Das passiert, dass die schützende Prostaglandin-Film beschädigt wird und dann kann es eben zu Entzündungen bis hin zu Geschwüren kommen, aus denen es dann blutet, mit inneren Magen‑Darm‑Blutungen. Wer zum Beispiel schon eine Herzschwäche hat, eine sogenannte Herzinsuffizienz, also eine Pumpschwäche, da kann sich dieses Krankheitsbild verschlimmern, auch Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Auftreten für diese Erkrankung kann erhöht sein und es kann die Niere belasten, dass die Filterleistung runtergeht.“
Wie viel Ibuprofen pro Tag ist empfehlenswert?
Dr. Specht: „Es gibt eine ganz klare Empfehlung, wie viel Ibuprofen man als Erwachsener nehmen kann. Das sind 400 Milligramm alle acht Stunden für den Fall, dass das dann eben notwendig ist. Viele wollen natürlich die Dosis erhöhen und nehmen dann mehr als 400, zum Beispiel gleich zwei. Das ist ein großer Irrtum. Es gibt bei Ibuprofen einen sogenannten Ceiling-Effekt, also Ceiling English Decke. Was die schmerzstillende Wirkung angeht, ist bei 400 Milligramm Ibuprofen absolut Schluss. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn Sie mehr als 400 Milligramm nehmen. Warum? Weil dann erhöhen Sie nur die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen, aber kriegen überhaupt keine bessere schmerzstillende Wirkung hin.“
Wichtig ist außerdem, Ibuprofen nicht auf nüchternen Magen und mit einem großen Glas Wasser einzunehmen.
Hält der Schmerz an, sollte man die Ursachen ärztlich abklären und Alternativen prüfen.