Muss es eine Brottasche für fast 10 Euro sein?: Günstiger Döner fällt bei RTL-Test durch – wegen „Täuschung des Verbrauchers"
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Döner für fast 10 Euro? Solche Preise sieht man heutzutage in immer mehr Dönerbuden. Doch muss es wirklich die teure Brottasche sein – oder kann auch ein günstiger Döner für fünf Euro überzeugen? Gemeinsam mit Lebensmittelkontrolleur Bernd Stumm hat RTL den großen Test gemacht. Welche Preisklassen bei Geschmack, Qualität, Frische und Fleisch überzeugen und wer aufgrund der Laborergebnisse durchfällt, zeigt das Video oben.
WALL
bei WT hinterlegt https://wolftech.netrtl.com/backend/api/shared-link/story/438272
Dönerfleisch auf Waage
Alle lieben Döner! Sollte man meinen bei dem riesigen Angebot! Aber was steckt in der Brottasche? Wir wiegen nach und schicken Proben ins Labor.
Wir machen den Test mit versteckter Kamera und stellen fest: Nicht immer ist das drin, was drin sein soll.
A: Vor allem in Großstädten reihen sich mehrere Dönerläden aneinander. Und mittlerweile sind die beliebten Brottaschen mit Fleisch- und Salatfüllung ganz schön teuer.
B: So ein Bio-Döner für 12 Euro ist wirklich nicht günstig. Mit versteckter Kamera haben wir den Test gemacht. Abklatschproben in den Läden genommen und Dönerfleisch ins Labor zur Analyse geschickt.
A: und leider haben wir festgestellt: Nicht immer ist das drin, was drin sein soll.
Skript:
01:10-01:15
Bernd Stumm
Lebensmittelkontrolleur
06:22-06:27
Bericht: Elisabeth Wätjen, Johanna Kalt
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OFF
INTRO
Der Döner: gerade so beliebt wie nie – in ganz unterschiedlichen Variationen. Das Angebot ist groß und die Preisunterschiede auch. Aber was bekommt man für sein Geld?
Bernd Stumm: „Das ist einfach lecker“.
Ist wirklich das drin, was versprochen wird?
Bernd Stumm: „Irreführung, ganz klar Irreführung und Täuschung beim Verbraucher. Das ist nicht zulässig.“
Unsere Reporterin Elisabeth kauft drei verschiedene Döner zwischen 5 und 9,50 Euro mit Lamm- oder Kalbsfleisch ein.
Elisabeth Wätjen: „Ich hätte gern einen Döner mit Lammfleisch. Also einfach nur ein Dönerbrot mit Lammfleisch.“
Verkäufer: „Wir haben ein Döner-Sandwich mit Lamm.“
Elisabeth Wätjen: „Ja, perfekt.“
Verkäufer: „Zum Mitnehmen oder hier essen?“
Elisabeth Wätjen: „Mitnehmen, bitte.“
Während wir warten, nehmen wir Abklatschproben von Tischen und später auch von den Dönerverpackungen.
Mit den Proben und den Dönern geht es ins Labor. Hier werden die Proben ausgewertet und analysiert, ob wirklich das Fleisch drin ist, das drin sein soll.
In der Zwischenzeit schaut sich Lebensmittelexperte Bernd Stumm nochmal alle drei Döner ganz genau an. Er weiß, Döner ist nicht gleich Döner. Ein Kebap-Döner darf nur dann so heißen, wenn:
Bernd Stumm: „Keine Fremdzusätze, 60 Prozent Hackfleischanteil. Alles, was anders ist, ist kein Döner-Kebab mehr. Was häufig passiert, ist das der Hackfleischanteil erhöht ist und da Bindemittel reinkommen. Also Paniermehl, Flüssiggewürze oder, oder, oder. Somit verfälsche ich somit den Döner-Kebab. Die Qualität ist dadurch gemindert.“
Für Dönerspieße mit Paniermehl, Sojaeiweiß oder Stärke als Bindemittel gibt’s eine Kennzeichnungspflicht. Bernd startet mit dem teuersten unter unseren Dönern für:
Bernd Stumm: „9,50 Euro.“
Bernd Stumm: „Wir haben hier richtige Fleischscheiben. Man kann hier tatsächlich die Schichten noch erkennen. Das ist eigentlich ein guter Hinweis für einen Döner-Kebab. Habe ich eine reine Hackfleischmasse, wo ich keine Schichten erkenne, dann weiß ich: Aha, hier geht es nicht um einen Döner, sondern um einen Drehspieß.“
Genauer gesagt um einen Drehspieß nach Döner-Art und somit kein richtiger Döner, das ist ganz genau geregelt. Wir wiegen den Fleischanteil:
Bernd Stumm: „167 Gramm, also durchaus im handelsüblichen Segment, wo wir ja sagen zwischen 150 und 180 Gramm Fleischanteil.“
Und der Geschmack?
Bernd Stumm: „Die Gewürzmischung von dem Lamm, die hat man auch sehr gut ausgewogen, das schmeckt sehr gut.“
Genau wie es sein sollte: gut gewürzt und schön saftig, anstatt trocken oder verbrannt.
Der Salat macht für unseren Experten einen frischen Eindruck und auch das Brot fällt positiv auf.
Bernd Stumm: „Das ist ein bisschen knackig, das ist nochmal getoastet, geröstet worden.“
Außen leicht knusprig, innen weich - ein weiteres Merkmal für einen guten Döner. Hier wurde es sogar selbst gebacken:
Bernd Stumm: „Einmal habe ich eine sehr frische Qualität, weil das wird ständig gebacken. Ich bekomme immer ein frisches Brot, ich bekomme kein altes. Und wer sich die Mühe macht, frisches Brot zu backen, der gibt sich auch sicherlich die Mühe, einen ordentlichen Döner zu haben.“
Selbstgebacken ist das Brot bei diesem Test-Döner mit Kalbfleisch nicht. Gekostet hat der 8 Euro.
Bernd Stumm: „Der einen Fleischanteil hat von 173g. Ist auch Kalbsfleisch, man schmeckt es, alles ok. Ich finde auch, dass hier die Qualität und die Menge im Vergleich Preis-Leistung durchaus okay ist.“
Passt das Preisleistungs-Verhältnis auch bei dem günstigsten Döner für 5 Euro?
Bernd Stumm: „Optisch muss ich sagen ist der Salat nicht so frischaussehend wie die anderen.“
Darauf kann man schon in der Theke vom Geschäft achten: knackigen Salat und reife Tomaten.
Und auch beim Fleischanteil kann der 5-Euro-Döner nicht mithalten:
Bernd Stumm: „Wir haben hier eine Fleischeinwaage von 80 Gramm.“
Also gerade mal die Hälfte von dem, was eigentlich drin sein sollte.
Fleischscheiben erkennt Bernd Stumm hier nicht. Und auch der Geschmackstest deutet auf etwas hin.
Bernd Stumm: „Geht in Richtung Gummi. Ich vermute mal, dass der Hackfleischanteil sehr hoch ist. Wir haben hier einen deutlichen Qualitätsunterschied, einmal vom Salat und einmal vom Fleisch.“
Und genau das zeigt auch das Labor: Es ist nicht, wie versprochen, 100 Prozent Kalbfleisch. Tatsächlich sind es nicht einmal 10 Prozent. Stattdessen handelt es sich überwiegend um ein Gemisch aus Hähnchen mit rund 60 Prozent und Pute mit etwa 30 Prozent.
Bernd Stumm: „Irreführung, Täuschung des Verbrauchers, das ist nicht zulässig. Wenn die Lebensmittelüberwachung das feststellt, wird das beanstandet oder bekommt ein Bußgeldverfahren.“
Wir konfrontieren das Geschäft, allerdings verweist der Mitarbeiter auf den Chef, der nicht vor Ort ist. Auf schriftliche Anfragen erhalten wir bis heute leider keine Antwort.
Die Laboranalyse zeigt: Der Mittelpreisige 8-Euro-Döner besteht wie beschrieben aus 100 Prozent Kalbsfleisch. Bei dem teuren Döner für 9,50 Euro sollte es Lammfleisch sein. Hier testet das Labor.
Bernd Stumm: „Einen Anteil von 93 Prozent Lamm oder Schaf und einen kleinen Anteil von Rindfleisch. Aber grundsätzlich, wenn ich schon über 90 Prozent Lammanteil habe, dann geht das auch als Lammspieß durch.“
Außerdem sind diese beiden Fleischsorten qualitativ ähnlich und haben einen ähnlichen Preis. Aber was sagt die Hygiene? Bei den Verpackungen findet das Labor nichts. Die Proben von den Tischen bei günstigem und teurem Döner sind auch unauffällig. Nur der mittelpreisige Laden zeigt Auffälligkeiten:
Bernd Stumm: „Ein Rasenwachstum, Rasenwachstum heißt: Das sind so viele, das kann ich nicht mehr auslesen. Da ist eine Menge drauf. Aber es ist keine Gesundheitsgefahr.“
Ein ordentlicher und sauberer Eindruck ist auf alle Fälle schon mal ein gutes Zeichen für einen leckeren Döner.
Bernd Stumm hat einen klaren Favoriten.
Bernd Stumm: „Dieser hochpreisige schmeckt mir besser. Angefangen am Brot: das Brot, das selber hergestellt worden ist und auch schön in der Kruste ist. So wie die Gewürzmischung von dem Lamm. Also die hat man auch sehr gut ausgewogen. Das schmeckt sehr gut. Und das alles zusammen ergibt einen tollen Geschmack. Es ist einfach lecker.“
Auch der mittelpreisige Döner schmeckt unserem Experten, der günstige fällt durch, denn der Salat und auch das Fleisch haben eine schlechte Qualität. Einen leckeren, guten Döner zu finden ist gar nicht schwer, ist das Fleisch saftig, das Brot und der Salat frisch und die Sauce schön geschmacksvoll, ohne zu fettig zu sein? Und macht der Laden insgesamt einen sauberen Eindruck? Dann können sie es sich schmecken lassen, beim Dönerladen ihres Vertrauens.
