Lungenarzt beantwortet ZuschauerfragenStändiger Husten? Dahinter kann etwas ganz anderes als die Lunge stecken
Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben eine chronische Lungen- und Atemwegserkrankung.
Grund genug, einmal die wichtigsten Fragen zum Thema zu klären! Wie lange darf eigentlich ein Husten dauern? Kann Asthma geheilt werden? Wie erholt sich die Lunge nach dem Rauchstopp? Und wann steckt hinter dem Husten möglicherweise etwas ganz anderes? Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser, auch bekannt als Doc Esser, antwortet bei Punkt 12 auf eure Zuschauerfragen.
Inhaltsverzeichnis
- Wie lang darf ein Husten dauern?
- Welches Spray hilft bei chronischer Bronchitis?
- Was ist COPD?
- Woher kommt Druck auf der Brust und Atemnot am Abend?
- Was hilft bei Husten bei stillem Reflux?
- Was hilft bei Hustenreiz durch Parfüm anderer Menschen?
- Ist Asthma heilbar?
- Ist Asthma vererbbar?
- Kann man Asthmaspray einfach absetzen?
- Wie lange braucht die Lunge, um sich nach dem Rauchstopp zu regenerieren?
- Kann Sport eine Raucherlunge verbessern?
Wie lang darf ein Husten dauern?
Ein Husten dürfe sieben bis 14 Tage dauern, erklärt Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser. „Dann gibt es noch so eine Intermediärzone bis zu zwei Monate. Und dann spricht man aber schon vom chronischen Husten. Und da muss natürlich dringend differenzialdiagnostiziert werden. Ist das jetzt eigentlich noch der Infekt, der vielleicht nicht kontrolliert ist, oder ist es ein sogenanntes postinfektiöses Asthma bronchiale? Auch das kann mal passieren. Das kann auch durch ein cortisonhaltiges Spray durchbrochen werden. Aber alles, was deutlich länger andauert, gehört dann in die Hand des Lungenfacharztes oder -ärztin.”
Welches Spray hilft bei chronischer Bronchitis?
Hier müsse man dem Mediziner zufolge erst mal unterscheiden: „Eine chronische Bronchitis zeichnet sich dadurch aus, dass man in zwei aufeinanderfolgenden Jahren vermehrt auf der Lunge erkrankt.” Das könne durchaus mal vorkommen. „Und dann kann es bei manchen sein, dass es eben keine chronische Bronchitis ist, sondern eine chronisch obstruktive Bronchitis (COPD)”, erklärt Esser weiter. „Und dann sind wir bei der COPD und da gibt es ganz klar definierte Sprays, die man aber nicht nur während der jetzt anfangenden Krankheitsphase nimmt, sondern die nimmt man eigentlich über das ganze Jahr.”
Dasselbe gelte für den Asthmatiker, der ähnlich vulnerabel sei, weil er eben eine Lungenerkrankung habe. „Auch bei denen ist es so, dass die eigentlich ihre festen Kontrollsprays haben und die auch weiternehmen sollen. Prophylaktisch nimmt man bitte kein Spray ein, das bringt gar nichts. Es gibt allerdings Menschen mit einem hyperreagiblen Bronchialsystem. Das ist einfach ein bisschen sensibler und da kann es einfach sein, dass nach einem Infekt die Genesungsphase länger dauert, mit einem trockenen Husten und Ähnlichem. Da kann dann ein leichtes Cortisonspray wirklich Abhilfe schaffen und das wiederum verkürzen.”

Was ist COPD?
„Chronisch obstruktive Bronchitis wird zu 95 Prozent durch das Rauchen verursacht. Es kommt letztendlich zu einer Zerstörung der Atemwege. Vor allen Dingen der Lungenbläschen, die ganz wichtig sind, weil das sind die Alveolen. Die sind wichtig für den Sauerstoffaustausch. Das heißt, Sauerstoff geht über die Bläschen rein und Kohlendioxid geht über die Bläschen raus. Und wenn die einfach nicht mehr da sind, weil die kaputtgeraucht worden sind, dann spricht man von einem Emphysem. Dann kann man sich vorstellen, dann ist es mit der Sauerstoffversorgung nicht mehr so weit. Die Verengung in den Atemwegen, die kann man aber ganz gut in den Griff kriegen, eben über inhalative Medikamente, die die Lunge weiten.”
Woher kommt Druck auf der Brust und Atemnot am Abend?
„Im besten Fall ist es eine muskuläre Verspannung, dann ist das erst mal gar nichts Wildes.” Vor allem bei jungen Menschen könne das zutreffen. Hierfür könne man seine Position ändern, einen Lagewechsel machen. „Sobald der Lagewechsel schon Besserung macht, dann ist es nicht das Herz und dann ist es auch nicht die Lunge.”
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Bei Druck auf der Brust abends komme es zu einer Volumenverschiebung des Blutes, zu einer Belastung des Herzens. „Gerade bei älteren Bürgern oder Menschen mit Herzerkrankungen, würde ich hier auf jeden Fall mal das Herz abklären lassen. Natürlich muss man auch an die Lunge denken. Ganz profan kann es aber auch nur ein Reflux sein, wenn man sich hinlegt, steigt die Magensäure hoch und das empfinden manche Leute auch als Druck auf der Brust und das Gefühl, nicht so richtig ein- und ausatmen zu können. Das wäre eigentlich das Harmloseste.”
Um das zu testen, könne man beobachten, ob das immer nach speziellen Speisen kommt und ob es besser wird, wenn der Kopf hochgelagert wird. „Oder man probiert es einfach mal mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI). In vielen Fällen ist das die Lösung.”
Was hilft bei Husten bei stillem Reflux?
„Ich habe ganz viele Lungenpatienten, die haben sieben Millionen Asthmasprays schon bekommen, immer mit Verdacht auf Asthma, weil die husten, husten, husten. Immer auch morgens ein trockener, lästiger Husten und sind teilweise heiser. Wenn das alles nichts hilft, muss man immer an stillen Reflux denken”, rät Esser. Das sei letztendlich Magensäure, die in feinen Tröpfchen nachts hochsteige. „Das muss nicht immer dieser Schwung sein, den der eine oder andere vielleicht kennt, der wirklich eklig ist. Nein, das sind die feinen Tröpfchen, die sich dann wiederum auf meine Stimmlippen legen. Das geht man als Erstes mal an mit einem Magenschutz. Das sind diese Protonenpumpeninhibitoren und da muss man natürlich mal bei einem Facharzt für Magendarm, einem Gastroenterologen, vorstellig werden.”
Manchmal könne es sich auch um eine kleine Hernie handeln, ein Zwerchfellbruch, der dafür sorge, dass der Magen nicht mehr komplett verschlossen sei, die Magensäure aufsteigen könne und dann Beschwerden verursache. „Das ist sehr, sehr gut zu beheben, sehr gut zu therapieren und hat übrigens mit Asthma oder COPD nichts zu tun.”
Was hilft bei Hustenreiz durch Parfüm anderer Menschen?
„Hier spricht man von einem sogenannten hyperreagiblen Bronchialsystem. Das ist letztendlich so eine Art Vorstufe von einer asthmatischen Erkrankung. Wir haben ja ganz, ganz viele Sensoren, die bis in die Lunge und auch dort immer wieder alles aufnehmen. Wärme, Kälte, die nehmen unterschiedliche Düfte wahr und manche Sensoren schlagen dann einfach viel zu schnell Alarm. Dadurch kommt diese Hustenattacke. Die Therapie ist: Entweder meide ich die Gifte, wenn ich es einfach weiß oder man arbeitet hier auch mit einem Asthmaspray, das man dann bei Bedarf einsetzt.”
Ist Asthma heilbar?
„Heilen ist vielleicht zu viel gesagt”, erklärt Esser. „Wir haben mittlerweile tolle Therapieoptionen. Der Pneumologe freut sich über das kontrollierte Asthma, wir haben aber auch schwere, nicht kontrollierbare Asthmaformen.” Heilbar sei Asthma per se aber erst mal nicht. „Kinder und Jugendliche profitieren davon, dass das oft im jungen Erwachsenenalter deutlich besser wird, es wächst sich quasi aus. Das große Problem ist aber: Wir haben nicht nur das allergische Asthma, sondern verschiedenste Phänotypen, also Unterformen, Subgruppen des Asthmas. Und oft tritt es dann wieder in der zweiten Lebenshälfte auf. Das heißt, richtig heilbar ist es nicht, aber aufgrund guter neuer Medikamente und Therapien mittlerweile sehr gut therapierbar, sodass die Patienten und Patientinnen höchste Lebensqualität haben.”
Ist Asthma vererbbar?
„Teilweise hat man da auch eine genetische Komponente. Das sind dann zum Beispiel Patientinnen und Patienten, die Schuppenflechte haben. Die neigen zum Beispiel auch sehr, sehr gerne zu einem allergischen Asthma, aber die profitieren von der Antikörpertherapie. Das ist eine Spritze, die setzt man sich alle zwei Wochen. Dann ist die Schuppenflechte weg und das Asthma auch oft sehr kontrolliert.”
Kann man Asthmaspray einfach absetzen?
„Oft hat man ja diese Cortisonangst und wir kennen das alle, dass man, wenn man eine Cortisontablette nimmt, teilweise mal über eine längere Zeit, dann sagt der Arzt oder die Ärztin bitte ausschleichen. Muss ich ein Spray auch ausschleichen? Nein, von der Wirkstoffkonzentration her nicht. Das ist völlig okay, weil es nur topisch wirkt, also nur in der Lunge. Es gelangt nur ganz wenig in den Körperkreislauf.”
Setze man das Spray von jetzt auf gleich ab, müsse man als Asthmatiker damit rechnen, dass es danach zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes komme. „Wenn man aber zum Beispiel als saisonaler Asthmatiker merkt, dass die Frühblüher weniger werden, dann kann man anfangen, das Spray auszuschleichen und dann irgendwann abzusetzen. Wenn man denkt, das ist eine falsche Diagnose, wir sind wieder beim Reflux, dann kann man auch mal einen Auslassversuch machen. Der sollte dann aber engmaschig durch den behandelnden Arzt oder die Ärztin kontrolliert werden.”
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Wie lange braucht die Lunge, um sich nach dem Rauchstopp zu regenerieren?
„Die Lunge erholt sich innerhalb weniger Minuten in bestimmten Bereichen, also erst mal nach 20 Minuten ist der Blutdruck und die Herzfrequenz wieder normalisiert. Innerhalb von zwölf bis 24 Stunden senkt sich das Kohlenmonoxid in meinem Blut. Dadurch habe ich eine viel besseren Sauerstofftransport und Sauerstoffsättigung. Innerhalb weniger Wochen kommen innerhalb der Lunge und der Trachea, also der Atemröhre, die Flimmerhärchen wieder zum Vorschein. Die, die ich früher einfach wegen dem Rauchen weggeteert habe. Das führt übrigens dazu, dass viele Ex-Raucher an dieser Stelle sagen ‘Ja, jetzt habe ich aufgehört zu rauchen, aber ich habe einen viel stärkeren Hustenstoß. Hat sich ja gar nicht gelohnt’. Nein, die Lunge versucht sich jetzt über die Flimmerhärchen wieder vom Schmutz zu befreien. Das ist auch nur kurz andauernd. Und dann innerhalb von ein bis fünf Jahren kommt es zu einem deutlich gesenkten Risiko für Schlaganfall, für den Herzinfarkt. Das Lungenkrebsrisiko senkt sich. Das wird ehrlich gesagt nie wieder so wie bei einem Gesunden. Aber es senkt sich schon dramatisch, sodass es sich wirklich für jeden lohnt, so früh wie möglich aufzuhören. Also das ist auf jeden Fall ein Appell.”
Kann Sport eine Raucherlunge verbessern?
„Nein. Also ein ganz klares No-Go”, sagt der Mediziner. „Man verhindert ja nicht, dass die krebserregenden Substanzen, die Substanzen, die die Alveolen, die Lungenbläschen schädigen, dass die nicht doch in die Lunge reinkommen. Klar, ich erhalte mir eine gewisse körperliche Fitness. Aber ich bin mir auch selbst das größte Hindernis. Denn wenn du rauchst, dann sorgst du dafür, dass es im Körper zu extremen Entzündungen kommt. Das heißt, der Muskelaufbau kann gar nicht mehr so toll passieren wie bei einem, der nicht raucht. Also ich sage mal so: Jemand, der raucht und der Sport treibt, ist besser als jemand, der raucht und keinen Sport treibt. Aber es ist sicherlich keine Absolution, die man hier von mir bekommt, sondern am besten ist nur Sport.”
Verwendete Quellen: RTL, Bundesministerium für Gesundheit
































