RTL Docs SprechstundeNicht nur Bewegung! Was unsere Bandscheiben außerdem brauchen
Es drückt, es sticht, es schmerzt – manchmal sogar bis in die Beine.
Rückenbeschwerden gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen. Doch hinter den Schmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen stecken. Wann sollte ich zum Arzt? Und welche einfachen Übungen helfen wirklich? Diese und weitere eurer „Punkt 12”-Zuschauerfragen beantwortet unsere Orthopädin Dr. Cordelia Schott.
Warum gibt es schon jetzt mehr Rückenpatienten als im ganzen letzten Jahr?
Schon bis August 2026 waren mehr Menschen wegen Rückenschmerzen beim Arzt als im gesamten letzten Jahr. Wie kann das sein? „Das passt zu dem, was ich als Orthopädin seit Jahrzehnten sehe”, erklärt Orthopädin Dr. Cordelia Schott bei Punkt 12. „Es wird jedes Jahr schlimmer gefühlt. Meine persönliche Erklärung wäre, dass sich die Menschen immer weniger bewegen. Überleg mal, wie viel bist du früher zur Schule gegangen im Schnitt? Heute machen wir noch etwa 5.200 Schritte am Tag.” Das sei viel zu wenig. „Und wenn du dich nicht bewegst, verhungert die Bandscheibe.”
Wer hilft bei Ischiasbeschwerden?
„Einen Ischias haben wir im Prinzip alle. Das ist ein ganz dicker Nerv, so dick wie ein kleiner Finger”, sagt Schott. „Ein Nerv, der so dick ist, kann wahnsinnig wehtun. Der läuft praktisch aus dem Po unter dem Piriformis-Muskel. Ein Muskel, der gerne verspannt und drückt und dann durch das ganze Bein”.
Helfen könne bei Schmerzen ein Orthopäde, allerdings könne man auch ganz viel selbst tun, indem man seinen Piriformis-Muskel dehnt, rät die Medizinerin. „Ischias ist fast immer ein Ausdruck, dass hier insgesamt das Team nicht gut spielt. Also nicht nur Rücken, auch Hüfte und Beckenboden sind dann insgesamt zu schwach.” Darum sollte man zum einen dehnen, zum anderen aber auch die Muskeln kräftigen. „Und zwar nicht nur den Rücken, sondern auch Hüfte und Beckenboden.”
Dehnen könne man den Piriformis-Muskel folgendermaßen:
Beine übereinanderschlagen
Das obere Bein vorsichtig zur anderen Seite ziehen, bis man die Dehnung spürt
Mindestens zehn Sekunden halten, dann die Seite wechseln
Wie das Dehnen des Muskels aussehen sollte, zeigt Dr. Cordelia Schott oben im Video.
Was hilft bei einer Spinalkanalstenose?
Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, in dem Rückenmark und Nerven verlaufen. Dadurch können Nerven eingequetscht werden – mögliche Folgen sind Rücken- oder Beinschmerzen und Probleme beim längeren Gehen. Diese gelte es in erster Linie zu verhindern. Indem man sich viel bewege und Sport mache, verhindere man, dass die Bandscheiben verhungern, erklärt Schott. Zudem sei es wichtig, an seiner Haltung zu arbeiten, also gerade zu sitzen und gute Bauchmuskeln zu haben.
Habe man bereits eine Stenose, helfen Spritzen, die man in den Spinalkanal setzt. „Das ist nicht schlimm, mache ich den ganzen Tag. Viele Orthopäden sind darauf spezialisiert.” Dann könne für eine Abschwellung sorgen und man habe wieder Platz im Spinalkanal.
Zudem könne man die Spinalkanalstenose auch operieren. „Das machen wir Orthopäden sogar super gerne, weil es im Prinzip ist wie beim Zahnarzt. Mit so einer kleinen Kugelfräse nehmen wir nur den Knochen weg, der zu viel gewachsen ist. Das heißt, das ist eine sehr schöne Operation, die sehr erfolgreich ist und sehr hilfreich sein kann.”

Woran liegen Schmerzen im Iliosakralgelenk?
Das Iliosakralgelenk (ISG) sitzt unterhalb der Wirbelsäule zwischen den Beckenschaufeln. „Das ist eigentlich kein Gelenk. Wir nennen das nur so, das ist so eine Fuge. Und da haben wir ganz häufig Beschwerden, wenn wieder dieses Team nicht spielt, das heißt die Hüftmuskulatur, Beckenbodenmuskulatur”, erklärt Schott. Vor allem bei Frauen sei dies verbreitet, besonders wenn sie entbunden haben, dann werde es da häufig instabil. Mit der Wirbelsäule selbst habe das Iliosakralgelenk selber eigentlich nichts zu tun.
„Die Gefahr ist, dass die Leute sich gerne immer wieder selber einrenken oder einrenken lassen. Aber dann wird es eigentlich immer nur lockerer und nicht fester”, warnt die Orthopädin. Besser: konkretes Training. Dabei müsse die Kombi stimmen: Jeden Tag den Beckenboden anzuspannen und zusätzlich den Piriformis-Muskel zu dehen, dann hat man schon viel getan.
Wie kann man einen Bandscheibenvorfall verhindern?
„Einen Bandscheibenvorfall verhindern können wir leider immer noch nicht, weder wir Orthopäden noch irgendjemand”, sagt Schott. Allerdings könne man vorbeugen. „Wir haben schon ganz viel gesagt: viel bewegen, Beckenboden nicht vergessen, tatsächlich trinken die Leute auch oft zu wenig. Die Bandscheibe besteht zum größten Teil aus Wasser. Also ab und zu ein Glas Wasser, mehr als man vielleicht trinken würde, hilft schon gut.”
Außerdem hat die Expertin noch einen Tipp: „Vitamin C und Vitamin D sind auch unterschätzt. Vitamin C brauchst du, damit die Kollagenfasern sich verbinden und Bandscheiben und Bindegewebe besteht aus Kollagen.” Also ruhig mal auf den eigenen „Vitamin C und D”-Wert schauen. „Vitamin C, Vitamin D, genug Wasser und genug Bewegung – da ist schon ganz viel Prophylaxe gemacht.”
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Wie behandelt man einen Bandscheibenvorfall?
„In aller Regel braucht man einen Bandscheibenvorfall nicht operieren”, erklärt Schott. „Der wichtigste Spruch ist, glaube ich erst mal: Keine Panik! Bandscheibenvorfälle haben ganz viele Leute und selten muss man operieren. Man kann extrem starke Schmerzen haben, die muss man auch behandeln. Also da nicht an Schmerzmitteln sparen, aber in aller Regel räumt der Körper die Bandscheibe, die rausgefallen ist, auch wieder auf.”
Was bei einem Bandscheibenvorfall genau passiert? „Die Bandscheibe fällt immer nach hinten raus in den Spinalkanal. Da kommen auch Nerven raus und dann drückt diese Bandscheibe auf den Nerv.” Das könne zu starken Schmerzen in Rücken oder Beinen führen, in manchen Fällen bis hin zur Lähmung. „Die Bandscheibe baut sich aber wieder ab und der Nerv erholt sich wieder und verliert die Entzündung.”
Unterstützen können Spritzen und Übungen. „Physiotherapie ist da eine sehr gute Sache und meistens regeneriert sich der Körper innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. Eine Operation ist wirklich nur notwendig, wenn es eine große massive Lähmung gäbe oder alles andere versagt.”
Geht ein Hexenschuss von allein weg?
„Ein Hexenschuss kann wahnsinnig wehtun, aber geht immer von selber wieder weg.” Es sei aber unbedingt ratsam, Schmerzmittel zu nehmen. „Du kommst sonst in einen Teufelskreis: Diese Verspannung macht starke Schmerzen. Jetzt nimmst du keine Schmerzmittel, die Verspannung nimmt zu, der Schmerz nimmt zu. Dadurch nimmt wieder die Verspannung zu und auch der Schmerz nimmt weiter zu. Also hier tapfer sein ist nicht sinnvoll. Da brauchst du wirklich Schmerzmittel.”
Bekomme man aber häufiger einen Hexenschuss, sollte man hingucken. „Dein Körper will dir was sagen. Das würde ich jetzt nicht weglächeln. Da musst du einmal hinschauen”, rät Schott.
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Welche Sportart hilft bei Rücken - und Schulterproblemen?
„Also erst mal finde ich, jede Sportart besser als keine Sportart. Und dann gibt es natürlich günstigere Sportarten. Das sind in der Regel die symmetrischen, also Turnen, Kampfsport ist sehr gut, Boxen.” Kampfsport sei deshalb gut, weil man symmetrisch mit dem Rumpf und dem Bauch arbeitet. „Du hast viele Rotationsbewegungen drin und bist insgesamt sehr gut trainiert von Bauch und Rücken. Ruderer sehe ich praktisch auch nicht in meiner Sprechstunde, Kletterer auch nicht. Alles, was asymmetrisch ist, ist ein bisschen ungünstiger wie Tennis, Padel, Squash oder Badminton. Aber Sport ist immer noch besser als kein Sport.” Auch Schwimmen könne bei einer guten Technik gut sein.
Verwendete Quellen: RTL
































