RTL testet, wie fair Goldankäufer wirklich sind: Den besten Preis erzielen! Darauf müsst ihr beim Goldverkauf achten
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Ob Kette, Ring oder sogar Zahngold – in vielen Schubladen schlummern kleine Goldschätze. Doch wie fair sind Ankäufer wirklich? RTL hat den großen Praxis-Test gemacht und ein Goldarmband bei gleich drei Geschäften und einem Online-Händler angeboten – mit einem überraschenden Ergebnis. Wie ihr euer Gold richtig verkauft und so das meiste Geld aus euren Schmuckstücken macht, zeigt das Video oben.
Die Faszination für Gold ist ungebrochen! Gerade in Krisenzeiten gilt das Edelmetall als besonders wertstabil. Und auch wenn der Kurs an der Börse nach einem Rekordhoch zu Jahresbeginn wieder etwas gefallen ist: Gold hat im Laufe der Jahre extrem an Wert gewonnen. Deshalb erinnern sich viele von uns auch an Schmuck, der zu Hause verstaubt. So wie RTL-Zuschauerin Sarah Bräuer. Sie zeigt uns die drei Schmuckstücke, die sie eventuell in Bares umwandeln will.
Sarah Bräuer: „Ich hatte sowieso Interesse daran, grundsätzlich das mal schätzen zu lassen, wie viel das überhaupt wert ist.
Gerrit Obermann: „Was glauben sie, was die wert sein könnte?”
Sarah Bräuer: „Es kommt ja auch auf die Legierung an.”
Ganz genau! Und um das alles besser einzuschätzen, hilft uns: Markus Reinecke. Jahrelang war er bei den RTL-Superhändlern der Experte für die Goldgeschäfte. Hier in seinem Geschäft in Hildesheim bekommt er täglich Gold angeboten.
Markus Reinecke: „Oft ist es dann so, dass sie gefragt haben – ich habe die Tochter gefragt, die Enkel gefragt. Keiner will vielleicht die Uhr haben, die goldene Uhr, die vielleicht viel zu klein ist. Heute geht der Trend zu größeren Uhren. Und dann bringen die das hier her. Und dann sind sie immer ganz überrascht, dass es so viel gibt.”
Und auch das hier kann noch einiges einbringen: Zahngold im Gebiss!
Markus Reinecke: „Und dann sagen die: Wollte ich schon wegwerfen. Und dann kriegen die von uns hier 500, 600, 700, 800 Euro. Das ist natürlich schon was.”
Jetzt soll der Experte den Goldschmuck von Sarah Bräuer bewerten. Für uns wird er eine Erstbewertung ausnahmsweise außer Haus vornehmen.”
Markus Reinecke: „Alles, was wir jetzt hier machen, das sieht ein bisschen aus, wie man es nicht machen sollte mit einer Waage, die man mitbringt. Ich kann das mit Säure machen. Ich würde, wie gesagt, auch ein Angebot machen, was ich, was auch fix ist, es sei denn, wir haben hinterher, was weiß ich, wenn ich es hinterher noch mal prüfe im Geschäft, das mehr bei rauskommt.”
Reinecke kann etwas Gold von den Schmuckstücken abreiben. Mit einer Säure kann er dann den Goldanteil bestimmen. Die gängigsten sind 375er, über 585er und 750er Gold, aber es gibt auch 999er, was dann quasi reines Gold ist. Mit einer Prägung, einer sogenannten Punze, ist diese Angabe aber auch in die meisten Schmuckstücke eingraviert. Markus Reinecke legt mit der Prüfung des Rings los.
Markus Reinecke: „585er. Also wie gesagt, es hat eine typische Legierung und dann können wir natürlich gucken, wie viel Gramm das Ganze wiegt. Für den Ring könnten wir 110 Euro bezahlen. Jetzt guck ich mir mal die Ohrringe an und die sollen nicht mehr getragen werden?”
Sarah Bräuer: „Nee.”
Markus Reinecke: „Das ist aber auch 585er. So, und für die würde es 160 Euro geben.”
Markus Reinecke: „Das ist jetzt so eine Mini-Panzerkette. So, da wären wir schon bei 392 Euro, also 395 Euro. Wir machen immer – runden für unsere Kunden nach oben auf.”
Am Ende rechnet der Juwelier: Grammzahl, mal Goldanteil, mal aktueller Goldkurs und er nimmt seine Marge von fast 1/10.
Sarah Bräuer: „Knapp 400 Euro hätte ich jetzt nicht erwartet bei der Kette und der Ring hätte ich tatsächlich ein bisschen mehr erwartet.”
Markus Reinecke: „Alles zusammen wären 665 Euro. Das ist eigentlich für das – Für mich ist es immer, wenn ich so drei Schmuckstücke sehe, so eher kleine Schmuckstücke, finde ich das schon immer momentan sehr enorme Preise.”
Im Geschäft überprüft Reinecke mit der geeichten Waage dann nochmals die exakte Grammzahl. So sollte ein seriöser Goldankauf stattfinden.
Jetzt wollen wir mit versteckter Kamera testen, was wir bei anderen Händlern für unser Gold bekommen. Jeder kennt schließlich die Werbung aus dem Internet, beim Goldhändler um die Ecke oder in der Zeitung. Unser Reporter möchte versuchsweise dieses Goldarmband zum Verkauf anbieten. Auch hier ermittelt RTL-Superhändler Markus Reinecke zunächst, was es wirklich wert ist.
Markus Reinecke: „Auf alle Fälle ist es schon mal gepunzt mit 585. Fühlt sich auch ganz gut an.”
Reineckes Sohn ermittelt den finalen Wert auf der Präzisionswaage.
Sohn von Markus Reinecke: „1.755 Euro kommen dabei raus.”
Gerrit Obermann: „1.755 Euro. Gut, damit gehe ich mal jetzt auf Tour und mal sehen, ob ich wirklich dafür 1.755 Euro kriege.”
Die Branche Goldankauf ist durch einige wenige schwarze Schafe etwas unter Generalverdacht geraten. Manche Inserate in Wochenblättchen entpuppen sich als Betrugsversuche. Aber muss man deshalb auch Angst haben, im Schmuckgeschäft abgezockt zu werden? Unser Reporterteam und ein Kameramann im Hintergrund starten den Test. Erster Ankäufer: ein Juwelier in einer Kleinstadt in NRW.
Gerrit Obermann: „Ich wollte, dass wir den Schein in Scheine umwandeln.”
Der Händler prüft den Goldanteil und zeigt auch das Gewicht auf seiner Waage. 585er und 28,65 Gramm, alles korrekt.
Juwelier in einer Kleinstadt in NRW: „1.675 Euro.
Gerrit Obermann: „Was sie daran dann noch verdienen, sagen sie nicht?”
Juwelier in einer Kleinstadt in NRW: „Das tut ja nichts zur Sache. Ich gebe dir das Geld und dann ist ein Ende.”
Also 80 Euro unter dem Wert, den unser Experte ermittelt hat. Trotzdem kein schlechtes Angebot.
Unser zweiter Versuch: Bei einem Goldankäufer in der Nähe von Bonn.
Goldankäufer in der Nähe von Bonn: „Also, das wäre jetzt hier, was wir momentan auszahlen können. 1.420 Euro. Heute ist der Kurs wieder 2 Euro das Gramm gesunken, kann aber im Laufe des Tages wieder steigen. Wir müssen ein bisschen Risikopauschale lassen.”
Das sind gute 300 Euro weniger als der Wert, den unser Experte ermittelt hat – ein großer Unterschied. Unser Armband bieten wir noch ein drittes Mal an, in einem Geschäft bei Köln – hier werden uns gerade mal 1.340 Euro geboten, also noch einmal einhundert Euro weniger. Kein Betrug, aber eine fette Marge für den Käufer. Und der geht sehr offen damit um, als wir ihn darauf ansprechen.
Geschäft in Köln: „Wir schmelzen das und machen neuen Schmuck draus. Dann haben wir circa 400 Euro Verdienst.”
Gerrit Obermann: „Also Sie 1/3 und ich 2/3.”
Geschäft in Köln: „Wir machen es ja nicht umsonst.”
Unsere Kollegen ziehen Bilanz. Die gebotenen Preise waren durchaus unterschiedlich. Wirklich abgezockt wurden sie nicht, aber hier schon einmal unser Tipp: unbedingt in mehreren Geschäften nachfragen, und dabei auch sehr genau darauf achten, wie viel Gramm das Wiegen jeweils ergibt.
Zum Schluss wagen wir noch den versuchten Verkauf an einen Onlinehändler. Wir suchen und versenden an den ersten Google-Treffer, hier: moneyGold. Man bekommt eine Versandtasche, da soll das Schmuckstück rein. Und 24 Stunden später soll man ein Angebot haben.
08.21 P2Gerrit Obermann: „Ein klein bisschen mulmig ist mir schon, jetzt dieses 1.700 Euro wertvolle Goldarmband einfach so in einen Umschlag zu tun und dann in einen Briefkasten zu stecken. Aber wir wollen ja testen, ob wir ein seriöses Angebot bekommen.”
Alles geht gut, das Armband kommt an, und kurz darauf bietet uns moneyGold 1.606,66 Euro per Mail an. Wir lehnen ab, wollen das Armband zurück. Da erhöht moneyGold sein Angebot auf 1.700 Euro. Als wir schreiben, dass wir beim Händler im Ort 1.750 Euro bekämen, erhöht Moneygold in einer dritten Mail dann auch auf 1.750 Euro.
Handeln oder zumindest nachfragen kann man also offenbar immer – auch online.
Unsere Zuschauerin Sarah Bräuer verkauft am Ende übrigens nicht – auch wenn sie positiv überrascht ist, dass ihre drei vergleichsweise kleinen Schmuckstücke 665 Euro wert sind. Aber sie entscheidet, dass sie ihren Schmuck zunächst doch behalten will, denn Gold bleibt nicht nur ein Hingucker, sondern im Wert auch in möglichen, weiteren Krisenzeiten ziemlich stabil.
