Omikron-Sublinie XBB.1.5

Superansteckende Corona-Mutation „Krake“: Müssen wir jetzt zurück in den Pandemie-Modus?

Neue Corona-Variante XBB.1.5 Droht die nächste Corona-Welle?
02:19 min
Droht die nächste Corona-Welle?
Neue Corona-Variante XBB.1.5

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In den USA ist sie schon jetzt für fast die Hälfte aller Corona-Fälle verantwortlich: die Omikron-Sublinie XBB.1.5 – Spitzname „Krake“. Was macht die Variante so ansteckend? Und wird sie uns auch gefährlich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Im Video: So verbreitet ist die Corona-Krake schon jetzt in Deutschland.

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Weltweite Besorgnis wegen XBB.1.5

Die Sublinie sei so leicht übertragbar wie keine der bisher bekannten Varianten, hat die Corona-Spezialistin Maria van Kerkhove von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch in Genf gesagt. Es werde angenommen, dass XBB.1.5 einen „großen Wachstumsvorteil“ gegenüber den zuvor zirkulierenden Linien in Nordamerika und Europa habe, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Donnerstag mit. Diese Annahme sei aber noch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

Auch Virologe Prof. Hendrik Streeck sagt im RTL-Interview: „Die XBB.1.5-Variante zeigt eine stärkere Übertragbarkeit, auch bei Geimpften oder gerade Genesenen.“

Darüber zeigt sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach besorgt. In einem Tweet schrieb er: „Hoffentlich kommen wir durch den Winter, bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann.“

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Warum ist "Krake" so ansteckend?

Mittlerweile grassieren Hunderte Corona-Varianten, viele sind wenig ansteckend und mutieren schnell weiter. Immer wieder entstehen aber auch sehr ansteckende Varianten, so wie XBB.1.5. In den USA ist diese Variante für mehr als 40 Prozent der aktuellen Infektionen verantwortlich.

Eine Mutation des Spike-Proteins ist für die hohe Ansteckungsrate verantwortlich, denn durch dieses Protein klammert sich das Virus an die Zellen – wie ein Krake.

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Welche Rolle spielt die Krake in Deutschland?

„Man kann mit einiger prognostischer Sicherheit sagen, dass die Variante auch bei uns die dominante Variante werden wird“, sagte der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Anlass zu großer Sorge gebe es aber nicht. „Wir sehen zwar etwas mehr Fälle in den USA, aber da läuft keine gigantische Welle ab.“

XBB.1.5 habe im Nordosten der USA schnell an Häufigkeit zugenommen und dominiere dort seit Mitte Dezember das Infektionsgeschehen, sagte Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. Außerhalb des Nordostens der USA sei die Variante noch seltener verbreitet, der Anteil nehme aber zu.

„Die grundsätzliche Variante ist seit Oktober bekannt“, sagte Zeeb, der Leiter des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung ist. „Da wurde erstmalig gesehen, dass die Kombination von Untervarianten aufgetreten ist.“ Die Besonderheit von XBB.1.5 sei die noch mal höhere Infektiosität. “Die war bei Omikron schon entwickelt, XBB.1.5 toppt das jetzt noch mal.

Wie geht es jetzt weiter mit der Corona-Krake?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurde die Sublinie Ende November das erste Mal in einer Stichprobe in Deutschland nachgewiesen. Laut ECDC könnte sie zunehmenden Einfluss auf die Zahl der Corona-Fälle in Europa haben, allerdings nicht schon innerhalb des nächsten Monats, da sie derzeit erst in geringem Umfang vorkomme. Die Häufigkeit von XBB.1.5 habe sich etwa jede Woche verdoppelt, teilte Neher mit. Wenn sich dieser Trend fortsetze, könne man in der ersten Januarhälfte einen Anteil von drei bis sechs Prozent erwarten.

Das ist etwas, das wir beobachten müssen, das gegebenenfalls wieder zu einem leichten Anstieg der Infektionszahlen für Corona führen kann“, schätzt Prof. Streeck schätzt ein. „Aber es ist nichts, weswegen man sich Sorgen machen muss.“

Wichtig sei, die Entwicklung genau zu beobachten, sagte Zeeb. Die fortlaufende Sequenzierung von Proben sei sehr wichtig und müsse auf hohem Niveau beibehalten werden. Dafür müsse man europaweit zusammenarbeiten. „Es sollte ein guter Anteil von Fällen aus allen Ländern sequenziert werden. Das ist wichtig, um dann wirklich relevante Veränderungen möglichst frühzeitig zu erkennen.“ (lra/dpa)