Rückgabewelle befürchtet

Immer mehr Tierheime verhängen wegen Überfüllung einen Aufnahmestopp

28. Juni 2021 - 9:33 Uhr

Tierschützer warnen vor Corona-Rückgabewelle

"Hundezwinger voll", heißt es im Bremer Tierheim. Wie in Bremen gehen Tierschützer in ganz Deutschland davon aus, dass es in den nächsten Wochen eine regelrechte Rückgabeflut von Haustieren geben wird. Grund seien die anstehenden Sommerferien. Nach den Corona-Lockerungen wollen die Menschen endlich wieder verreisen. Da stehen die Vierbeiner oft im Weg. Dabei haben die Tierheime schon genug zu tun mit der Versorgung von beschlagnahmten Tieren aus dem illegalen Welpenhandel.

Einige Tierheim schon jetzt überfüllt

Tierheim Bremen Aufnahmestopp wegen Überfüllung 3
Nach den Corona-Lockerungen und kurz vor den Sommerferien befürchten die Tierheime eine Welle von Hundeabgaben von überforderten Besitzern.
© RTL

Es ist laut im Bremer Tierheim, sehr laut. Aus jeder Ecke schallt Hundegebell. 60 Hunde können die Tierschützer hier betreuen. Und diese 60 Plätze sind komplett belegt. Vor eineinhalb Monaten waren die meisten Zwinger noch frei. Dann landeten mit einem Schlag 30 Welpen im Heim. Nach einem Schlag gegen den illegalen Welpenhandel wurden die Jungtiere von der Polizei beschlagnahmt und hier angeliefert. In den letzten Tagen wurden weitere 30 Hunde von ihren Besitzern abgegeben. Jetzt mussten die Tierheimbetreiber schweren Herzens einen Aufnahmestopp verhängen. So wie in Bremen ergeht es inzwischen zahlreichen Tierheimen im ganzen Land. Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund schlägt deshalb Alarm. "Die Tierheime haben in der Corona-Krise Tiere recht gut vermittelt, weil die Nachfrage da war, aber jetzt spürt man so langsam, dass sich das umkehrt. Es gibt schon wieder vermehrt Abgaben von Haustieren, wo die Leite sich die Tiere unüberlegt beim Züchter oder übers Internet angeschafft haben und teilweise gibt es Tierheime, die schon einen Aufnahmestopp verhängt haben."

Hundekauf in der Coronazeit wird zum Boomerang

Tierheim Bremen verhängt wegen Überfüllung Aufnahmestopp. Corona-Rücknahmewelle bei Haustieren erwartet
Normalerweise werden 1-2 Hunde pro Woche im Bremer Tierheim abgegeben. Jetzt sind die Anfragen sprunghaft angestiegen.
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Normalerweise werden 1-2 Hunde pro Woche im Bremer Tierheim abgegeben. Doch jetzt sind die Anfragen sprunghaft angestiegen. So schön es war, dass die Nachfrage nach Haustieren auch in den Tierheimen während der Corona-Zeit anstieg. Viele Menschen haben sich beim Hundekauf keine Gedanken darüber gemacht, dass der eigene Vierbeiner viel Zeit und Zuwendung beansprucht, so wie ein Kind. Cora Kwasny, Tierpflegerin im Bremer Tierheim hat kein Verständnis für das Verhalten der Menschen. "Ich finde es einfach traurig, dass mit den Tieren nicht mitgefühlt wird. Es ist so wie mit einem Schrank, den man wieder loswerden möchte, weil der ein Fehlkauf gewesen war. Es macht auch einfach nichts Gutes mit den Tieren".

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Haustiere nicht einfach aussetzen

Wohin das jetzt vor den Sommerferien noch führen wird – darüber machen sich die Tierschützer keine Illusionen. Sie rechnen damit, dass zahlreiche Haushalte, die sich während der Pandemie ein Tier angeschafft haben, dieses jetzt wieder loswerden wollen. Ein Aufnahmestopp bedeute aber nicht, dass die Tierheime nicht weiterhelfen können, sagt Tierheimleiterin Gaby Schwab. Ihre Botschaft lautet daher: "Wir bitten aber trotzdem alle, ihr Tier nicht auszusetzen. Wenn das Tier wirklich abgegeben werden muss, aus welchen Gründen auch immer, können sich die Leute trotzdem bei uns melden. Wir nehmen dann die Daten auf und wir haben ja auch immer noch Anfragen von Menschen, die gerne Tiere adoptieren möchten. Manchmal kann man dann Halter und Käufer zusammenbringen". Das klingt mehr nach einem frommen Wunsch, doch die harte Realität ist meist eine andere. Die Zahlen der abgegeben oder ausgesetzten Tiere werden in den nächsten Wochen wohl wieder sprunghaft ansteigen.