Nach Corona haben manche Hunde oder Katzen "ausgedient"

Tierheime fürchten "Rückgabe-Welle"

Nicht mehr alleine sein: Im Lockdown haben sich viele einen Begleiter durch die Corona-Zeit im Tierheim gesucht.
Nicht mehr alleine sein: Im Lockdown haben sich viele einen Begleiter durch die Corona-Zeit im Tierheim gesucht.
© imago stock&people, imago

15. Juni 2021 - 7:12 Uhr

Nach dem Haustier-Boom: Tierheime bereiten sich auf viel Arbeit vor

Im Corona-Lockdown konnte man vor allem eines: Spazierengehen. Viele Menschen hatten sich daher Hunde angeschafft, damit sie nicht so alleine sind. Auch Katzen waren beliebte Begleiter durch die Pandemie.

Tierschutzbund: Mit den Corona-Lockerungen kommen wieder mehr Tiere in die Heime

In ganz Deutschland war die Nachfrage in Tierheimen und bei Züchtern riesig. "Schon vor Corona haben sich Menschen Tiere angeschafft, ohne genau darüber nachzudenken, ob sie in die Lebensphilosophie oder Familienplanung passen. Das ist in der Corona-Zeit natürlich noch verstärkt worden", sagt Andreas Lindig vom Tierschutzbund in Rheinland-Pfalz.

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"Die Tierheime werden die Probleme noch bekommen", ist er überzeugt. "Bis zum Winter - und je mehr sich die Corona-Bestimmungen lockern, umso mehr Tiere werden wieder abgegeben." Nicht nur, weil für viele dann das Homeoffice ende, wieder Urlaub möglich sei und die Tierhaltung neue Probleme mit sich bringe, sondern auch, weil sie feststellten, dass Hunde oder Katzen Zeit und Geld kosten.

Hohe Nachfrage: Tierheime hatten zuletzt Interessenten genauer geprüft

Frederick Guldner
Frederick Guldner ist Sprecher des Tierschutzvereins 1924 in Saarbrücken.
© deutsche presse agentur

Im Bertha-Bruch-Tierheim in Saarbrücken bewegen sich die Rückläufer aktuell noch im üblichen Rahmen. Auch ein Junghund war jetzt dabei. "Wir prüfen, ob es einer dieser Corona-Fälle ist", sagt Frederick Guldner vom Tierschutzverein 1924 aus Saarbrücken. Das wäre dann der erste Fall von jenen spontan angeschafften Tieren, die mit dem Abklingen der Pandemie-Welle wieder "über" sind - aber vermutlich nicht der letzte.

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Viele Tierheime haben in den letzten Wochen verstärkt Wert auf die Auswahl der richtigen Halter gelegt. "Wir hatten mehr Anfragen als sonst, aber bei uns war nicht das Motto "Hauptsache raus", sondern wir waren sehr vorsichtig und haben viele lange Gespräche geführt", sagt Ilena Ertner aus dem Tierheim Mainz. Nicht jeder, der ein Tier haben wollte, habe es tatsächlich auch bekommen. "Nur die, die sich Gedanken gemacht haben, wie es nach dem Homeoffice weitergeht, ob der Hund dann noch versorgt ist oder ob er dann mit ins Büro genommen werden kann."

Dass man noch keinen "Rückläufer" bekommen habe, führt Ertner auch auf die gewissenhafte Auswahl der Interessenten zurück: "Wenn sie berufstätig waren, mussten sie teilweise wirklich dokumentieren, wie die Tiere nach dem Lockdown weiter versorgt sind oder ob sie beispielsweise einen Gassigeh-Service haben."

Auch im Saarbrücker Bertha-Bruch-Tierheim wurden bei vielen intensiven Gesprächen vorab die nicht geeigneten Bewerber aussortiert: "Wir haben natürlich geguckt, dass es nicht der Hund zur Überbrückung der Einsamkeit ist, der in Corona-Zeiten angeschafft wurde", berichtet Frederick Guldner. Rückläufer habe es vermutlich auch deshalb noch nicht gegeben.

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Doch nicht alle Hunde, die in Corona-Zeiten angeschafft wurden, stammten ja tatsächlich aus deutschen Tierheimen oder von seriösen Züchtern, die die Tiere bei Problemen auch wieder zurücknehmen. "Wir warnen zwar gebetsmühlenartig davor, aber leider gibt es immer noch viele, die die Hunde im Internet und von Importvereinen kaufen", sagt Andreas Lindig. Und diese würden dann nach ein paar Wochen oder Monaten wieder im Tierheim landen, "weil viele irgendwann keine Lust haben, sich ihr Leben weiter einschränken oder von Haustieren diktieren zu lassen".

Auch Frederick Guldner fürchtet eine Rückgabewelle, "auch wenn wir bisher davon verschont wurden". Er hoffe, dass es sich nicht nur um die 'Ruhe vor dem Sturm' handle. Der Tierschützer glaubt, dass die Besitzer ihre Hunde nicht nur abgeben wollen, weil sie nicht wüssten, wohin mit ihnen, wenn sie jetzt wieder in den Urlaub fahren könnten, sondern auch deshalb, weil sie mit der Erziehung überfordert sind.

Was tun bei Überforderung mit Haustier?

Hundehaltern, die sich mit ihrem Tier überfordert fühlen, empfiehlt die Stiftung Vier Pfoten den Besuch einer Hunde- oder Welpenschule. "Zur Überbrückung voller Arbeitstage können zum Beispiel Hundetagesstätten aushelfen", sagt eine Sprecherin der Organisation.

(dpa/bho)