Umstrittene VergnügungsparksOrang-Utans im Boxring! Touristenattraktion löst Entsetzen aus

ARCHIV - 25.02.2026, Thailand, Bangkok: Ein Orang-Utan muss in einer der umstrittenen „Boxing Shows” im Vergnügungspark Safari World bei Bangkok auftreten und für die Zuschauer posieren. In Südostasien werden die bedrohten Menschenaffen nach wie vor für Shows zur Unterhaltung von Touristen missbraucht.
Beide Hände nach oben: Dieser Orang-Utan hat einen Boxkampf gewonnen.
Carola Frentzen/dpa

Boxen statt Baumkronen!
Orang-Utans im Leoparden-Slip oder im Boxring: Was bei Tierschützern Entsetzen auslöst, gehört in Teilen Asiens zum Alltag in umstrittenen Vergnügungsparks. Doch nicht wenige Touristen unterstützen das!

Touristen feiern die umstrittenen Box-Shows

Um zehn Uhr morgens findet nahe Bangkok ein Boxkampf statt. Hunderte Zuschauer drängen sich vor der Bühne, viele haben schon die Handy-Kamera gezückt. Aber in den Ring im thailändischen Vergnügungspark Safari World steigen keine Menschen, sondern zwei Orang-Utans. Die Besucher, darunter viele Kinder, klatschen und lachen.

ARCHIV - 25.02.2026, Thailand, Bangkok: Orang-Utans müssen bei einer der umstrittenen „Boxing Shows” im Vergnügungspark Safari World bei Bangkok gegeneinander antreten und für die Zuschauer posieren. In Südostasien werden die bedrohten Menschenaffen nach wie vor für Shows zur Unterhaltung von Touristen missbraucht.
Mit Handschuhen gehen die Affen im Boxring aufeinander los, zeigen einstudierte Haken und werfen sich zu Boden.
Carola Frentzen/dpa

„Denen würde das Lachen vergehen, wenn sie das Leid und die Folter sehen könnten, die diese gebrochenen Menschenaffen durchmachen”, sagt Daniel Merdes, Geschäftsführer der Tierschutz-Stiftung BOS Deutschland (Borneo Orangutan Survival).

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Kürzlich machte er sich im Nachbarland Kambodscha selbst ein Bild von den umstrittenen Shows. Im dortigen Phnom Penh Safari Park wird immerhin nicht mehr geboxt. Doch es geht kaum weniger fragwürdig zu: „Ohrenbetäubende Musik, oftmals rhythmisch, weil die weiblichen Orang-Utans sexualisierende Popobewegungen machen müssen”, erzählt er. „Das Publikum tobte, darunter nicht wenige westliche Touristen.”

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„Solche Shows wären in Ländern wie Deutschland illegal”

Sieger sind hier nur die Betreiber, bei denen jeden Tag die Kasse klingelt. Auf seiner Webseite wirbt der private Park mit „Unterhaltung pur” und „einer Show mit einem fantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis, bei der Sie sich vor Lachen auf dem Boden wälzen werden.” Von der Kritik der Tierschützer zeigt man sich unbeeindruckt.

Was die meisten Besucher wohl nicht wissen: Die faszinierenden Menschenaffen teilen 97 Prozent ihres Erbguts mit uns Menschen. „Orang-Utans gehören in die Baumkronen des Regenwaldes – nicht in Boxringe oder auf Bühnen, wo sie erniedrigende Kunststücke vorführen”, sagt Jason Baker, Präsident der Tierrechtsorganisation PETA Asien – und appelliert an Touristen, Einrichtungen zu meiden, die Tiere zur Unterhaltung missbrauchen. „Solche Shows wären in Ländern wie Deutschland illegal”, betont er. Wer dafür bezahle, mit Wildtieren in Kontakt zu treten, unterstütze die schmerzhafte Trennung von ihren Familien und die lebenslange Gefangenschaft.

Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht

Die faszinierenden „Waldmenschen” sind vom Aussterben bedroht und leben in der Wildnis nur noch auf den Inseln Borneo und Sumatra. Jeden Tag verlieren sie ein Stück mehr ihres Dschungelreichs. Gerodet wird vor allem für Palmöl, aber auch illegaler Schmuggel setzt der Population schwer zu.

Die meisten Orang-Utans in den Shows und Parks – oder ihre Mütter und Väter – seien gewaltsam ihrer Heimat entrissen worden, teilte BOS zuletzt mit. Sie sind Opfer des Wildtierhandels, ein organisiertes Verbrechen, das laut Interpol jährlich bis zu umgerechnet 17 Milliarden Euro einbringt. Damit gehört es zu den lukrativsten Verbrechen überhaupt.

„Das Leid der Menschenaffen in solchen Touristenattraktionen und privaten Zoos kann nur gestoppt werden, wenn sich damit kein Geld mehr verdienen lässt”, ist Merdes überzeugt. Nur mit großem Einsatz und viel Glück könne es gelingen, Orang-Utans zu befreien und in ihre Heimat Borneo zurückzubringen. (nlu mit dpa)

Verwendete Quellen: DPA