Über 70 Patienten werfen Schönheitschirurg Pfusch vor

Während Beauty-OP wacht Christina auf: „Gefühlt habe ich mich, als würde ich auf dem Foltertisch liegen“

28. November 2019 - 12:05 Uhr

„Ich habe versucht mich zu wehren, aber es ging nicht“

Es ist eine Geschichte wie aus einem schlechten Horror-Film: Eigentlich wollte sich Christina nur ihre Brüste straffen lassen. Doch während ihrer Beauty-OP wacht sie plötzlich auf. Sie leidet Höllenqualen, schreit und weint - doch Schönheitschirurg Dr. Sebastian V. soll sie lediglich dazu aufgefordert haben, sich zusammenzureißen.

"Die Arme waren fixiert, ich konnte nicht eingreifen. Ich habe versucht, mich zu wehren, aber es ging gar nicht", erinnert sich Christina an die grauenhafte Situation. "Für mich war das die Hölle höchstpersönlich." Noch immer ist sie traumatisiert von der Horror-OP und befindet sich in psychologischer Behandlung. Christinas unfassbare Geschichte - im Video. 

Und nicht nur die Operation selbst war eine Höllentortur - auch das Ergebnis sieht zum Fürchten aus. Dr. Nektarios Sinis, plastischer Chirurg und Gutachter ist schockiert, als er sich das Operations-Ergebnis ansieht: "Das sieht furchtbar aus. So möchte keine Frau aussehen, wenn sie sagt, sie möchte sich ihre Brüste schön machen lassen."

„Hannibal Lector ist eine harmlosere Version von Dr. V.“

Christina ist nur eines der Opfer, die bei Schönheitschirurg Dr.Sebastian V. unter dem Messer lagen: wuchernde Narben, verzerrte Lippen, abgestorbene Nasen - die Liste der PatientInnen, die der Münchner Beauty-Doc entstellt haben soll, ist lang. ​Bei seinen Recherchen stellt RTL-Reporter Sven Schümmer fest, dass die Patienten, die er getroffen hat, offenbar nur ein Teil von mutmaßlich 70 Menschen sind, die als Patienten kamen und als deformierte Opfer aus der Praxis des vermeintlichen Beauty-Docs aus München nach Hause gingen. 

​Kevin beispielsweise wollte lediglich eine Begradigung seiner Nasenscheidewand. Seine Nase wurde von Dr. Sebastian V. jedoch so entstellt, dass an der Stelle, an der sich der Nasenflügel befindet, nur ein Loch klafft. Und die Nasenspitze fehlt. "Hannibal Lector ist eine harmlosere Version von Dr. V." - davon ist Christina überzeugt.

Dr. Sebastian V. wurde die Approbation entzogen

Christina hat sich mit einer Gruppe anderer Patienten zusammengetan, die gegen den vermeintlichen Beauty-Doc vorgeht. Ihr gemeinsamer Vorwurf: Dr. Sebastian V. soll nicht nur gepfuscht, sondern sogar unter Drogeneinfluss operiert haben. Dabei hatte der Arzt im Internet viele gute Bewertungen. Allerdings findet man nichts zu seiner Vita, seiner Facharztausbildung und seinen Kompetenzen. 

​Mittlerweile wurde dem Arzt laut Angaben der Regierung Oberbayern mit sofortiger Wirkung die Approbation widerrufen. Das heißt, Dr. Sebastian V. darf ab sofort nicht mehr als Arzt arbeiten. 

Der Arzt fühlt sich zu Unrecht beschuldigt: "Das sind boshafte Menschen", behauptet V. und vermutet eine Hetzkampagne. Wie er sonst noch auf die Vorwürfe reagiert, sehen Sie hier.

Im Video: So hat Dr. Sebastian V. seine Patienten verunstaltet

Deformierte Brüste, missglückte Nasenkorrekturen, Augenlider, die sich nicht mehr schließen lassen - RTL-Reporter Sven Schümmer hat zahlreiche schockierende Fälle aufgedeckt, in denen Beauty-Doc Sebastian V. seine Hand im Spiel hatte. In unserer Dokumentation sehen Sie die unglaublichen Geschichten. 

Wie Sie sicherstellen, dass Sie einen guten plastischen Chirurgen finden, erfahren Sie hier.​