Wie schnell arbeitet unser Körper?

Verdauung, Heilung und Zunehmen: So lange dauern Körperprozesse

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picture alliance, Zoonar / CarmelStudio

Ob essen, trinken oder verdauen: Die meisten Prozesse im Körper laufen nebenher und von uns völlig unbemerkt ab. Aber was genau passiert währenddessen im Körper? Und wie viel Zeit nehmen diese Prozesse eigentlich in Anspruch? Ein überraschender Überblick.

Verdauung: rund 24 Stunden

Auch wenn das Essen vergleichsweise schnell erledigt ist, brauchen Nahrungsmittel bis zu einen Tag, bis sie am Ende ihres Weges durch den Körper wieder ausgeschieden werden. Sobald die Nahrung den Magen erreicht, wird sie mit Hilfe der Magensäure zerkleinert. Je größer und fettiger die Mahlzeit, desto länger dauert der Verdauungsprozess dementsprechend, so das Londoner University College Hospital.

Ein 600-Kalorien-Mittagessen etwa verweilt zwei bis drei Stunden im Magen. Danach wird es im Dünndarm weiter verdaut und Nährstoffe herausgefiltert, bevor es nach weiteren zwei bis drei Stunden in den Dickdarm transportiert wird. Der Weg durch den Dickdarm dauert mit rund 20 Stunden mit Abstand am längsten. Anschließend wird die Nahrung wieder ausgeschieden.

Wie viel Zeit die Verdauung in Anspruch nimmt, ist von Mensch zu Mensch höchst verschieden: Der ganze Prozess kann 16 bis hin zu 30 Stunden dauern. Frauen verdauen übrigens etwas langsamer als Männer - wahrscheinlich, weil ihre Darmhormone langsamer arbeiten. Auch mit zunehmendem Alter wird die Verdauung immer langsamer.

Lese-Tipp: Warum Kaffee die Verdauung anregt

Gewichtszunahme: drei Stunden

Teller mit einer Portion Lasagne und Salat
Wie schnell landet die Lasagne auf den Hüften?
Sebastian Gollnow, picture alliance, dpa

Etwa eine Stunde nach der Mahlzeit gelangt das darin enthaltene Fett ins Blut und bereits nach drei Stunden ist der Großteil ins Fettgewebe rund um den Bauch gelangt, so Forschungen der Universität Oxford. Von einer Mahlzeit mit 30 Gramm Fett (so viel steckt etwa in einer Portion Lasagne) sind nach dieser Zeit etwa zwei bis drei Teelöffel Fett im Bauchgewebe zu finden. Dieses lagert sich dort aber zunächst nur vorübergehend an und wird vom Körper als Energiequelle genutzt. Essen wir jedoch zu viel, bleibt es auf den Hüften kleben, vermehrt sich und wir nehmen zu.

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Wasserdurchlauf: eine Stunde

Wasserdurchlauf: Wie schnell nach dem Trinken muss man zur Toilette?
Wie schnell nach dem Trinken muss man normalerweise zur Toilette?
Getty Images/iStockphoto, gpointstudio

Durchschnittlich dauert es eine Stunde, bis getrunkene Flüssigkeit vom Bauch in die Blutbahn absorbiert, von den Nieren gefiltert und durch die Blase als Urin wieder ausgeschieden wird, so das Royal Hampshire County Hospital im englischen Winchester. Kaffee und Tee gelangen nicht wie häufig angenommen schneller durch den Körper, sondern enthalten Stoffe, die die Blase stimulieren und den Harndrang vermehren. Alkohol wie etwa Bier ist dagegen tatsächlich harntreibend und führt dazu, dass mehr Urin produziert wird.

Eine gesunde, durchschnittliche Blase fasst etwa 300 ml Flüssigkeit und muss etwa alle drei bis vier Stunden entleert werden, was durchschnittlich 20 bis 30 Sekunden dauert. Wer häufig zur Toilette muss und vergleichsweise wenig Urin ausscheidet, könnte an einer überaktiven Blase leiden: Hier ist die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase gestört. Das Gehirn denkt frühzeitig, die Blase sei voll und sendet ihr entsprechende Signale.

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Wundheilung: bis zu zwei Jahre

Eine tiefe Wunde, wie etwa nach einer Operation, ist erst nach zwei Jahren vollkommen verheilt - auch wenn der Heilungsprozess schon Sekunden nach der Verletzung beginnt. Weniger als eine Sekunde dauert es, bis die Blutgefäße sich zusammenziehen, der Blutfluss verringert wird und die Blutgerinnung für den Verschluss der Wunde sorgt, wurde in einer Studie der Columbia University herausgefunden. Etwa drei Wochen nach der Verletzung formt sich das Narbengewebe, was sich innerhalb von bis zu zwei Jahren verdichtet und verblasst.

Bestimmte Umstände und Medikamente können die Wundheilung verlangsamen, etwa die Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Aspirin, weil sie das Netz aus Blutplättchen schwächen, das die Wunde zusammenhält. Vitamin C dagegen fördert die Heilung von Wunden.

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Blutproduktion: bis zu sechs Wochen für 500 ml

Nach einer Blutspende oder größerem Blutverlust als Folge einer Verletzung dauert es etwa 24 Stunden, bis das Blutplasma ersetzt ist. Doch die Neubildung der roten Blutzellen, die Sauerstoff enthalten, dauert mit vier bis sechs Wochen viel länger. Daher dürfen Männer nur alle drei Monate zur Blutspende, Frauen müssen zwischen zwei Spenden sogar vier Monate pausieren. Die Pause ist für Frauen deshalb länger, weil sie einen geringeren Eisenspeicher haben, der für die Produktion der roten Blutzellen nötig ist.

Lese-Tipp: Das sollten Sie zur Blutspende wissen

Nagelwachstum: zwei bis vier Millimeter pro Monat

Frau feilt ihre Fingernägel
Wie schnell wachsen Fingernägel?
—Töü –ΖØ

Die menschlichen Nägel wachsen durchschnittlich 3,55 mm pro Monat und damit schneller als noch in den 1950er Jahren (3,06 mm) und 1938 (3 mm), hat eine Studie der Universität North Carolina herausgefunden. Grund für das schnellere Nagelwachstum ist vermutlich die moderne Ernährungsweise, die reich an Proteinen und Nährstoffen ist. Wachsen die Nägel überdurchschnittlich langsam, ist im Umkehrschluss häufig eine unausgewogene Ernährung Schuld.

Übrigens wächst der Nagel des Mittelfingers am schnellsten, der am kleinen Finger am langsamsten (nur 3,08 mm im Monat). Das kann daran liegen, dass längere Finger, die häufiger benutzt werden, eine bessere Blutzirkulation haben, was auch das Nagelwachstum beschleunigt. Im Sommer wachsen Nägel schneller, weil das durch das Sonnenlicht aufgenommene Vitamin D das Wachstum anregt.

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Empfängnis: 30 Minuten

Ein Spermium dringt in die Eizelle ein.
Bei der Befruchtung ist das Spermium nach etwa 30 Minuten in der Eizelle angelangt.
imagesource/science and medicine I

Ein Spermium braucht nur etwa eine halbe Stunde, um den Gebärmutterhals zu durchqueren und im Eileiter ein Ei zu befruchten, so Forschungen der University of California. Dabei setzt das Ei ein Hormon frei, das das Spermium anzieht. Wird nicht genug von diesem Hormon freigesetzt oder erkennen die Spermienzellen es nicht, kommt es zu Fruchtbarkeitsproblemen.

Ist das Ei erst einmal befruchtet, kann die Dauer der Schwangerschaft aber erheblich variieren: Alles zwischen 37 und 42 Schwangerschaftswochen gilt als normal.

Lese-Tipp: Schnell schwanger werden – so klappt’s