Verschmelzung von Keimzellen

Gesundheitslexikon: Befruchtung

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18. April 2019 - 13:01 Uhr

Die Befruchtung - der Beginn eines neuen Lebens

Die Befruchtung gehört zu den wichtigsten Vorgängen während der geschlechtlichen Fortpflanzung. Sie findet sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren und Menschen statt. Dabei werden Erbanlagen von männlichen und weiblichen Individuen miteinander kombiniert. Es entsteht so ein neuer Organismus mit den Merkmalen beider Eltern. Die geschlechtliche Fortpflanzung inklusive Befruchtung sorgt für genetische Vielfalt und Gesundheit der nachfolgenden Generationen.

Was ist die Befruchtung?

Die Befruchtung stellt die Verschmelzung von männlichen und weiblichen Keimzellen dar. Dabei wird jeweils die Hälfte des genetischen Materials beider Elternteile innerhalb der befruchteten Eizelle vereinigt. Vor dem Befruchtungsvorgang liegt eine unbefruchtete Eizelle als weibliche und das Spermium als männliche Keimzelle vor. Nach der Befruchtung sind die haploiden Zellkerne der beiden Keimzellen zu einem diploiden Zellkern - der sogenannten Zygote (befruchtete Eizelle) - verschmolzen. Dabei enthalten die haploiden Zellkerne den halben und die diploiden Zellkerne den vollständigen Chromosomensatz. Meist kommt die Befruchtung auf natürlichem Weg durch den Geschlechtsakt zustande. Manchmal kann jedoch nur eine künstliche Befruchtung den bestehenden Kinderwunsch erfüllen.

Wer kann eine künstliche Befruchtung durchführen lassen?

Eine künstliche Befruchtung ist biologisch sinnvoll, wenn Paare jahrelang kinderlos bleiben, der Lebenspartner unfruchtbar ist oder wenn bei lesbischen Partnerschaften und alleinstehenden Frauen Kinderwunsch besteht. Die rechtlichen Voraussetzungen dazu sind in jedem Land unterschiedlich. In Deutschland können kinderlose Paare eine homologe oder heterologe Insemination in Anspruch nehmen. Bei der homologen Insemination erfolgt die Samenspende vom Ehe- oder Lebenspartner, während bei der heterologen Insemination ein fremder Samenspender zum Einsatz kommt. Die Samenspende für alleinstehende und lesbische Frauen ist in vielen Ländern erlaubt. In Deutschland besteht eine Richtlinie der Bundesärztekammer, in der für die Insemination der Familienstand verheiratet oder fest verpartnert gefordert ist.

Wie läuft die Befruchtung ab?

Der eigentliche Vorgang der Befruchtung stellt das Eindringen der männlichen Keimzelle in die Eizelle dar. Dieser Vereinigung gehen sowohl Eisprung als auch Geschlechtsakt, der zur Insemination führt, voraus. Früher wurde bereits das Eindringen des Ejakulats in die Vagina als Befruchtung bezeichnet. Deshalb gibt es teilweise immer noch Missverständnisse bei der Verwendung dieses Begriffs. Nach der Verschmelzung der haploiden Zellkerne zur befruchteten Eizelle mit diploidem Chromosomensatz kommt es zur Rekombination von Erbmaterial innerhalb homologer Chromosomen. Dadurch werden die erblichen Merkmale neu verteilt. Die befruchtete Eizelle (Zygote) beginnt sofort nach ihrer Entstehung, sich zu teilen, und es entwickelt sich ein neuer Organismus.

Warum ist die Befruchtung so weitverbreitet?

Die Befruchtung ist im Pflanzen- und Tierreich so weit verbreitet, weil sie einen Überlebensvorteil gegenüber ungeschlechtlich vermehrten Individuen bietet. Organismen, die sich nur ungeschlechtlich vermehren, geben immer dieselbe Erbinformation an Nachkommen weiter. So können sie auf Änderungen der Umwelt kaum reagieren. Bei geschlechtlich vermehrten Individuen werden die Erbinformationen immer wieder neu kombiniert und durch Mutationen erweitert. Dabei entstehen zwar schädliche, aber auch neutrale und sogar nützliche Mutationen. Die schädlichen Erbinformationen verschwinden, weil sie keine Vorteile bringen. Nützliche Mutationen sind im Vorteil und vermehren sich. Außerdem können auch viele neutrale Mutationen bei Umweltänderungen nützlich werden.