Blutgerinnung

Gesundheitslexikon: Hämostase

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16. Oktober 2019 - 10:10 Uhr

Hämostase - überlebenswichtiges System aus Blutstillung und Blutgerinnung

Der Begriff Hämostase ist griechischen Ursprungs und lässt sich am besten mit Blutstillung (haíma: Blut; stasis: Stillstand, Stillung) übersetzen. Umgangssprachlich wird die Bezeichnung Blutgerinnung verwendet. Dahinter verbirgt sich ein komplexer Ablauf verschiedener Prozesse, an denen Thrombozyten (Blutplättchen) und andere Faktoren beteiligt sind. Sie sorgen dafür, dass bei einer Verletzung am Ort des Geschehens die Blutung gestoppt und die Wundheilung eingeleitet wird. Gleichzeitig verhindern parallel eingeleitete Reaktionen, dass sich die blutungshemmenden Vorgänge auf nicht betroffene Bereiche ausbreiten. Bei der Hämostase handelt es sich um ein sehr fein ausbalanciertes System verschiedener Komponenten.

Die Hämostase kann verhindern, dass Verletzungen zur Gefahr werden

Bereits bei kleineren Läsionen der Hautoberfläche kann Blut austreten. Diese Verletzungen werden jedoch innerhalb kurzer Zeit durch die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) abgedichtet. Stark blutende Wunden bergen die Gefahr eines massiven Blutverlustes, wenn dies nicht durch die einsetzenden Vorgänge innerhalb der Blutgerinnung verhindert wird. Neben äußerlich sichtbaren Wunden können im Körper Defekte auftreten, die zu inneren Blutungen führen, werden diese nicht durch ein Blutgerinnsel verschlossen. Die Gerinnselbildung muss kontrolliert ablaufen, um Verschlüsse im nicht geschädigten Teil durch eine überschießende Reaktion zu verhindern, die dann die Blutzirkulation beeinträchtigen würden. Deshalb sind neben den blutstillenden die entgegenwirkenden, hemmenden Vorgänge Teil des Blutgerinnungssystems.

Die drei Prozesse der Hämostase

Obwohl diese drei Prozesse parallel ablaufen und sich gegenseitig beeinflussen, hilft es, sie einzeln zu betrachten:

  1. Bildung eines Blutpfropfens, des Thrombus (thrombozytäres System)
  2. Blutgerinnung unter Beteiligung verschiedener Gerinnungsfaktoren (plasmatische Gerinnung)
  3. Abbau der Fibrinnetze (fibrinolytisches System)

Wesentlicher Bestandteil des thrombozytären Systems sind die Blutplättchen (Thrombozyten), die in der Blutbahn unterwegs sind. Kommt es zu einer Schädigung, ziehen sich die Gefäße in der Nähe vorsorglich zusammen und es werden Botenstoffe ausgeschüttet, die die Blutplättchen aktivieren. Sie heften sich an die geschädigte Stelle (Adhäsion), gemeinsam mit anderen aktivierten Thrombozyten (Aggregation). Es bildet sich innerhalb von wenigen Minuten ein Thrombus, der durch die plasmatische Gerinnung stabilisiert wird.

Plasmatische Gerinnung und Fibrinnetze

Plasmatische Gerinnung ist die Zusammenfassung der Vorgänge, die unter der Wirkung von zwölf verschiedenen, im Blutplasma befindlichen Gerinnungsfaktoren ablaufen. Als Blutplasma wird der flüssige Teil des Blutes bezeichnet, in dem sich keine Zellen befinden. Bis auf die Kalzium-Ionen (Faktor IV) sind alle Faktoren Eiweißmoleküle. Das Ziel dieses Zusammenspiels ist die Bildung eines Fibrinnetzes: ein festes, stabiles Eiweißnetz im Gerinnsel. Das fibrinolytische System sorgt dafür, dass sich die Fibrin-Gerinnsel schließlich wieder auflösen und sich deren Bildung auf die geschädigte Region beschränkt.

Zusammenspiel der Gerinnungsfaktoren

Die Wirkung der Gerinnungsfaktoren wird in einer Gerinnungskaskade, einer Abfolge von Aktivierungsschritten, dargestellt. Die verschiedenen Faktoren werden mit römischen Ziffern und teilweise mit Namen bezeichnet. Bekannt sind einige Faktoren geworden, weil Blutgerinnungsstörungen damit verbunden sind. Ein Mangel an den Faktoren VIII oder IX ist Ursache der sogenannten Bluterkrankheit. Während der Faktor IX als Christmasfaktor den Namen des ersten damit diagnostizierten Patienten erhielt, ist das von-Willebrand-Jürgens- Syndrom auf einen Mangel an Faktor VIII zurückzuführen, der durch zwei Ärzte, dem Finnen von Willebrand und dem Deutschen Rudolf Jürgens, entdeckt wurde.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.