Beschwerden in den Wechseljahren

Verbraucherzentrale warnt: Viele Pillen gegen die Menopause dürften nicht verkauft werden

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21. Oktober 2019 - 20:22 Uhr

Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen

Die natürliche Menopause tritt in den meisten Fällen bei Frauen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren auf. Während manche Frauen keine schwerwiegenden Veränderungen spüren, klagen andere über Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, mentale Verstimmungen und Trägheit. Deswegen greifen viele Frauen zu einer Hormon-Behandlung oder zu vermeintlich natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln wie Rotklee-Produkte. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigt aber jetzt, dass viele dieser frei verkäuflichen Mittel nicht zugelassen sind und somit nicht verkauft werden dürften. Gesundheitliche Schäden seien nicht auszuschließen.

Helfen Mittel wie Rotklee oder Soja bei Wechseljahresbeschwerden?

In ihrem Buch "Wechseljahre? Keine Panik!" teilt RTL-Moderatorin Katja Burkard ihre eigenen Erfahrungen über die Wechseljahre und erzählt, warum die Hormon-Therapie für sie der richtige Weg war. Doch viele Frauen entscheiden sich für eine hormonfreie Therapie und behandeln ihre Beschwerden mit bisher frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel, die Rotklee oder Soja enthalten.

Diese Produkte enthalten aber in den meisten Fällen Isoflavone, sogenannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe mit schwach östrogener Wirkung (Phytoöstrogene), die im Körper ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirken sollen. Mit Einnahme dieser Produkte sollen die enthaltenden Isoflavone den Verlust der Östrogene während der Wechseljahre ausgleichen und so die Beschwerden lindern. Hört sich zunächst plausibel an, lässt sich laut Verbraucherzentrale aber nicht belegen.

Sehen Sie im Video: Katrja Burkard spricht über ihre Hormon-Therapie

Fehlende Höchstmengen und keine eindeutigen Beweise für vorteilhafte Wirkungen

Die Verbraucherzentralen haben in einem Marktcheck 22 isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel auf Zusammensetzung, Dosierung und die Gültigkeit der Werbeaussagen geprüft. Das beunruhigende Ergebnis: Über 60 Prozent der Produkte überschritten die empfohlene maximale Tagesdosis für Isoflavone. Laut der Verbraucherzentrale empfiehlt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine maximale tägliche Verzehrsmenge für isolierte Isoflavone von 100 mg für Soja-Isoflavone und 43,5 mg für Rotklee-Isoflavone.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung beruft sich auf die Orientrierungswerte der EFSA: Demnach sollten Produkte mit Soja-Isoflavonen nur maximal zehn Monate eingenommen werden, Produkte mit Rotklee maximal drei Monate. Auf den getesteten Produkten wurden aber keine Warnhinweise zur maximalen Einnahmedauer angegeben.

Hinzu kommt, dass viele dieser Produkte, damit werben, dass sie einen positiven Einfluss bei Wechseljahresbeschwerden hätten. Bisher konnte aber keine Studie eindeutige Beweise für eine vorteilhafte Wirkungen im Kapf gegen die gängigen Symptome der Wechseljahre vorlegen. Bereits bei Stiftung Warentest im August 2015 kam bei jedem der insgesamt fünf getesteten Rotklee-Produkte das Ergebnis "wenig geeignet" heraus. Und auch bei Öko-Test im Mai 2018 schnitt kein Produkt besser als "ausreichend" ab.

Das Problem: Gesundheitsrisiken durch fehlende Höchstmengen

Laut Verbraucherzentrale gibt die EFSA zwar Orientierungswerte für Frauen nach den Wechseljahren an, nicht aber für Frauen in den Wechseljahren. Da diese Informationen fehlen, setzten sich Frauen, die diese Nahrungsergänzungsmittel konsumieren, gegebenfalls Risiken aus.

Zudem sei es laut Verbraucherzentrale problematisch, wenn zusätzlich zu den Nahrungsergänzungsmitteln täglich sojahaltige Lebensmittel konsumiert würden.

Wofür wurde Rotklee ursprünglich benutzt?

In der Volksheilkunde wurde Rotklee früher bei folgenden Krankheiten verwendet:

Dafür wurden die Blüten oft als Tee genutzt. Die heutigen Nahrungsergänzungsmittel dagegen sind Zubereitungen aus den Blättern - also etwas völlig anderes.

Das sollten Sie bei Einnahme von Rotklee-Produkten beachten

Sollten sich Frauen trotz der undurchsichtigen Informationslage dennoch für die Einnahme von Rotklee-Produkten entscheiden, gilt es die folgenden Punkte zu beachten:

  • Leichte Übelkeit und sehr selten Hautausschläge sind möglich.
  • Bei östrogenabhängigen Brust- oder Gebärmutterkrebs-Erkrankungen, sollten Sie laut Verbraucherzentrale ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt auf keinen Fall isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel konsumieren. Auch dann nicht, wenn die genannten Krankheiten in der Familie aufgetreten sind.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Rotklee-Produkte nicht verwendet werden.
  • Kinder und Jugendliche sollten keine Rotklee-Produkte einnehmen.

Bei Verwendung von anderen Medikamenten, wie dem Schilddrüsenhormon Thyroxin, sollten Sie mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Generell gilt bei Eigenmedikation: Immer eng mit dem Arzt absprechen, um möglich Risiken zu vermeiden.